Leserkommentare [19379]

[15.10.2018, 12:33:45]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Rechtsprechung von "Lebensschützern" vorgeführt?  
In den letzten Jahren wurden offensichtlich systematisch Strafanzeigen gegen mehrere hundert Ärztinnen und Ärzte wegen angeblicher "Werbung" für Schwangerschaftsabbrüche gestellt.

Doch liest man den Paragrafen 219a im Original:
"§ 219a Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft
(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise
1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder
2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung
anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Absatz 1 Nr. 1 gilt nicht, wenn Ärzte oder auf Grund Gesetzes anerkannte Beratungsstellen darüber unterrichtet werden, welche Ärzte, Krankenhäuser oder Einrichtungen bereit sind, einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 vorzunehmen.
(3) Absatz 1 Nr. 2 gilt nicht, wenn die Tat gegenüber Ärzten oder Personen, die zum Handel mit den in Absatz 1 Nr. 2 erwähnten Mitteln oder Gegenständen befugt sind, oder durch eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wird."

Dann muss man ernsthaft fragen, ob derzeit beim § 219a sich die deutsche Rechtsprechung und Jurisprudenz nicht von selbsternannten "Lebensschützern" vorführen lässt?

Paragraf 219a Strafgesetzbuch (StGB) beinhaltet bereits im Titel ein W e r b e v e r b o t und k e i n e Informationssperre. Ärztliche und beratende Hinweise für Ratsuchende auf Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen sind demnach keine Spielwiese für Staatsanwaltschaften bzw. Richterinnen und Richter, die bestehende Gesetzte zwar lesen, aber nicht verstehen wollen oder können.

Juristische Exegese, Semiotik und Sprachkultur sind eindeutig: Nur unter intellektueller Missachtung der unterschiedlichen Begrifflichkeiten von „Information“ und „Werbung“ könnte man Ärztinnen und Ärzten offenbar fremdbestimmt vorwerfen, gegen §219a StGB zu verstoßen, welcher expressis verbis lediglich Werbung für einen Schwangerschaftsabbruch verbietet.

Das Thema „Vermögensvorteil“ in § 219 a führt sich für Ärzte ad absurdum:
EBM-Ziffer „01900 Beratung wegen geplanter Abruptio – Beschreibung
Beratung über die Erhaltung einer Schwangerschaft und über die ärztlich bedeutsamen Gesichtspunkte bei einem Schwangerschaftsabbruch
Obligater Leistungsinhalt
Leistungen gemäß den Richtlinien zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses,
Fakultativer Leistungsinhalt
Schriftliche Feststellung der Indikation für den Schwangerschaftsabbruch,
Klinische Untersuchung,
Immunologische Schwangerschaftstests,
Abrechnungsbestimmung
einmal im Behandlungsfall …
Gesamt (Punkte) 81 - Gesamt (Euro) 8,63“ als Praxis-Umsatz!
Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung Berlin, Stand 2018/3, erstellt am 04.07.2018
http://www.kbv.de/tools/ebm/html/01900_2903699096148569414976.html

Die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs wird im Rahmen bestehender Honorarvorschriften nach EBM oder GOÄ rechtlich einwandfrei als Praxisumsatz abgerechnet und bedeutet keinen rechtlich zu beanstandenden "Vermögensvorteil", sondern den berechtigten Umsatz-Honoraranspruch für einen legalen Eingriff. Insofern wird durch die jüngste Entscheidung des Landgerichts Gießen auch das Legalitätsprinzip verletzt.

Im Übrigen: "Der katholische Abtreibungsgegner Klaus Günter Annen darf Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, nicht als "Mörder" bezeichnen. Entsprechende Unterlassungsverfügungen deutscher Gerichte sind rechtmäßig und verletzen Annen nicht in seinem Recht auf freie Meinungsäußerung, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am Donnerstag in Straßburg.
Annen gehört zu den profiliertesten Abtreibungsgegnern in Deutschland. Er betreibt eine Homepage, auf der er Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust vergleicht. Zuletzt hatte er mehrere Hundert Ärztinnen und Ärzte wegen "Werbung" für den Schwangerschaftsabbruch angezeigt."
https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/972008/egmr-urteil-abtreibungsgegner-darf-aerzte-nicht-moerder-nennen.html

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[15.10.2018, 12:15:17]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bitte keine "fake news"! 
Wer behauptet: "Es gibt EU Länder, die allein nur deshalb die christlichen Feiertage (Himmelfahrt, Buß-u.Bettag u.a.) auf den Samstag verlegt haben und auch die Ärzteschaft dementsprechend informierten", muss das auch belegen können.

Christi Himmelfahrt wird am 40. Tag der Osterzeit, also 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag.

Karfreitag vor Ostern kann man, wie der Name schon sagt, nicht auf Samstag verlegen.

Der Buß- und Bettag wird am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, begangen: Elf Tage vor dem ersten Adventssonntag. Im Jahr 2018 fällt er auf Mittwoch, den 21. November.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[15.10.2018, 11:48:27]
Dr. Walther Kirschner 
Antidepressiva bei LWS-Beschwerden? 
Antidepressiva werden bei chronischen LWS-Beschwerden teilweise von manchen Medizinern empfohlen, insbesondere von Psychotherapeuten, Psychosomatikern und Psychiatern. Auch von einigen Orthopäden erfolgen solche Empfehlungen, die Mehrzahl der Orthopäden und Unfallchirurgen lehnen jedoch solche Empfehlungen ab. In der nationalen Versorgungsleitlinie zum nichtspezifischen Kreuzschmerz wird eine solche Empfehlung abgelehnt.

In einer neuen Studie (Dr. Donna Urquhart, Präventionsmedizin, Melbourne, JAMA Intern Med 2018)werden erneute Empfehlungen für Antidepressiva ausgesprochen. Allerdings werden hierbei zwei unterschiedliche Antidepressiva , Amitryptilin und Benzatropin, miteinander verglichen und im Ergebnis dessen werden Empfehlungen positiv ausgesprochen, mit dem Hinweis, dass, so lange weitere Studien mit größeren Fallzahlen noch fehlten, Antidepressiva eingesetzt werden könnten, da ansonsten nur Opiate infrage kämen.

Eine gezielte orthopädische oder andere erkrankungsbezogene begründende Indikation fehlt jedoch. Dies könnte z.B. eine primäre im Vordergrund stehende Depression sein. Eine etwaige sekundäre nicht im Vordergrund stehende Depression bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen wäre keine Indikation.
Indiziert ist grundsätzlich primär eine fachbezogene Orthopädische Differentialdiagnostik, um die Ursachen zu klären und eine gezielte Therapieindikation zu begründen. Eine unspezifische symptomatische Therapie mit Antidepressiva ist nicht begründbar und nicht vertretbar. Der weitere Hinweis auf Vermeidung anderer Analgetika (Opiate) ist nicht zielführend, zumal eine komplexe Therapie von Rückenschmerzen nicht nur mit Analgetika erfolgen kann, diese sind im Therapie-Setting nur ein einzelner Baustein. Vielmehr steht ein breites Therapiespektrum u.a. mit physiotherapeutischen, physikalischen und weiteren konservativen Maßnahmen zu Verfügung, sofern operative Indikationen ausgeschlossen werden konnten.

Bei unklaren Verläufen und Diagnosen ist unbedingt auf konsequente fachbezogene Differentialdiagnostik hinzuweisen, die primär die Fachgebiete Orthopädie und Neurochirurgie betrifft.
Bei Studien sollten Fragestellungen angesichts der Kompexität vorliegender multipler Symptomatiken exakt definiert werden, ansonsten sind keine validen Aussagen möglich, auch wenn andere statistische Parameter mathematisch korrekt wiedergegeben werden. Relevante weiterführende Studien sollten primär von Universitätskliniken der Fachbereiche Orthopädie und Neurochirurgie und weiteren relevanten Forschungseinrichtungen intendiert werden, auch andere Fachbereiche können sekundär wichtige Daten zum Thema liefern.

Dr. Walther Kirschner  zum Beitrag »
[15.10.2018, 08:32:50]
Dr. Karlheinz Bayer 
es gibt noch eine Reihe weiterer Kritikpunkte gegen die evidenbasierte Leitlinienmedizin 
was ist höchste Evidenz? An der Frage scheiden asich die Geister. Wie verhäkt es sich mit dem Slogan, Evidenz sei besser als Emminenz?
Zu Beginn der EbM wurde diese gepusht mit dem Argument, man wolle weg von den "Meinungen" prominenter Zeitgenossen. Das Sauerbruch-Dilemma wurde attackiert. Die prospektive randomisierte Doppelblindstudie wurde als höchste Qualitätsstufe zum Dogma.
Was aber heißt "randomisiert"? Ein wirklicher Zufallsgenarator kommt ja nie zum Einsatz. Stattdessen werden die Kohorten ausgewählt und ausgesiebt, bis sie annähernd vergleichbar sind. Risikogruppen, Besonderheiten, Allergien, Unbverträglichkeiten u.v.m. werden aussortiert, bis eine künstliche Randomisierung, die in Wahrheit keine ist, entstanden ist.
"Doppeltblind" ist ebenso ein Schlagwort, daß oft nicht anwendbar ist. Insbesondere, wenn keine Tabletten, Spritzen oder Infusionen zum Einsatz kommen, sondern z.B. eine Bestrahlung gegen eine Medikamententherapie oder eine physikalische Therapie zum Einsatz kommen, geht doppelt blind nicht mehr. Wie will man z.B. eine Akupunkitur doppeltblind abdecken?
Bleibt "prospektiv". Ist die prospektive Vorgehensweise wirklich Goldstandard? Im Berufsaltag lernen wir mehr aus den Fehlern und aus den Erfolgen, also retrospektiv. Einziges Mank der Restrospektive ist der BIAS-Irrtum, aber der ist genauso wenig prospektiv zu vermeiden.
Das ursprünglichste Argument, das gegen die Emminenzen, entpuppt sich auch als BIAS, denn die Designer einer Studie sind in der EbM zu den grauen Emminenzen geworden. Sie postulieren eine These, sie dann bestätigt oder verworfen sehen wollen. Also machen sie sich Gedanbken über das Wie und formen die Studie dementsprechend.
Was dabei herauskommt sind Leitlinien, die nur wenig Sinn machen in der Praxis. Daß es nebeneinander sich widersprechende Leitlinien gibt, etwa in der Diabetes- oder Hochdruck und erst recht in der Krebsbehandlung, liegt daran, daß es sicher verschiedene Therapieformen gibt, von denen keine die beste, keine die zweitbeste und keine die schlechteste ist. In der Praxis ist es genau dieses Nebeneinander verschiedener Therapien, das uns dient. Dieses Nebeneinander ist der Schutz vor allen den Fällen, die man beim Randomisieren ausgemustert hat. zum Beitrag »
[15.10.2018, 07:17:22]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
nur rechts kleben 
Gute Idee, aber Sticker wie abgebildet verklebt auf Dauer die Lesegeräte!
Bitte nur auf der dem Chip gegenüberliegenden Seite - also bei Draufsicht rechts - aufkleben. zum Beitrag »
[14.10.2018, 19:50:14]
Dr. Florian Huber 
Artikel hält nicht was Überschrift verspricht 
Interessant wäre die Differenz Lebenserwartung mit PaternerIn lebend, zu allein lebend mit Hund, zu allein lebend ohne Hund darüber sagt die Studie leider nichts.
Dr. Florian Huber, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeut. zum Beitrag »
[12.10.2018, 20:47:50]
Dr. Jörn Meuser 
Eine Schande für eine aufgeklärte Gesellschaft! 
... mehr ist mir dieses feige Urteil eines sich selbst für "überfordert" haltenden Gerichts nicht Wert zu kommentieren. Für einen Bürger der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik unfassbar. Da waren wir vor Jahrzehnten schon weiter. zum Beitrag »
[12.10.2018, 10:40:38]
Carola Marx 
Können Dänen ihre Hunde heiraten? 
Wenn man von der nachvollziehbaren positiven gesundheitlichen Wirkung von Hunden auf die Halter absieht, ist der Text in mehrfacher HInsicht zum Lachen - oder traurig (je nach Perspektive).
Ein Hund ist wohl auch in Dänemark nicht der "Ehepartner" eines Menschen! Möglicherweise ein Partnerersatz - wobei auch dies bestimmt nicht auf alle Hundehalter zutrifft...
Normalerweise lebt der Hund "an der Seite des Menschen" und nicht etwa umgekehrt.
Im Zusammenhang mit menschlichen Partnern von "Partnerbesitz" zu sprechen, ist gleichfalls reichlich merkwürdig.
Auch bei vordergründig leicht abzuhandelnden "Routinethemen" sollten die Leser sprachlich und inhaltlich korrekte Formulierungen erwarten dürfen. zum Beitrag »
[12.10.2018, 09:36:42]
Dr. Klaus Günterberg 
Nach einer Vernetzung im Gesundheitswesen entstehen noch größere Gefahren durch Innentäter 
Ja, das vernetzte Gesundheitswesen birgt Gefahren von Cyber-Attacken. Was aber immer wieder übersehen oder geleugnet wird, es birgt auch noch größere Gefahren durch Innentäter, durch Mitarbeiter des Gesundheitswesens, durch Zugriffe auf Daten, zu denen sie nicht autorisiert sind.

Lesen Sie dazu:
http://dr-guenterberg.de/content/publikationen/2007/vernetztes-Geheimnis-fuer-Homepage.pdf

http://dr-guenterberg.de/content/publikationen/2018/FA-Das-deutsche-TI-Projekt-aus-aerztlicher-Sicht.pdf

http://dr-guenterberg.de/publikationen/2017/Gesundheitsdaten-schuetzen-52.pdf

Deshalb ist die Vernetzung der medizinischen Einrichtungen die rote Linie, die man nicht überschreiten sollte!

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe. Berlin
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[12.10.2018, 08:25:01]
Dr. med. Achim Nestel 
Retinaler Zentralarterienverschluss — auch Tumorsuche? 
Sehr geehrter Herr Professor Schellong,

Ich habe einen 47-jährigen Patienten mit einem Zentralarterienverschluss (Zilioretinale Arterie perfundiert).
Homozystein erhöht. Therapieren wir mit Folat. Reperfusion unter Clopidigrel.

Würden sie auch hier eine Tumorsuche empfehlen?

Mit freundlichen Grüssen,
Dr. med. Achim Nestel zum Beitrag »
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