Leserkommentare [17669]

[23.08.2017, 10:41:14]
Rudolf Hege 
Wie Evident ist Evidenz? 
Zitat: " Der Vorwurf ist zwar berechtigt, bei einem rein evidenzbasierten Versorgungsinteresse darf man aber nicht erwarten, dass weiche Faktoren eine Berücksichtigung finden." Zitat Ende.
Wie evident kann eine Medizin sein, die "weiche Faktoren" ignoriert, nachdem nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Forschung immer öfter zu der Erkenntnis kommt, dass es gerade weiche Faktoren sind, die oft über Erfolg oder Misserfolg einer Therapie entscheiden. Ist es nicht gerade diese "evidenz-basierte-Medizin", die immer mehr chronisch Kranke produziert, weil sie arrogant ignoriert, dass Menschen nicht nur Pillen und Operationen benötigen, sondern auch Verständnis, Respekt für ihre Lebenswelt, therapeutischen Rat und Zuwendung. Jeder altgediente Hausarzt weiß das, aber der ist inzwischen vermutlich auch nicht mehr evidenz-basiert. zum Beitrag »
[22.08.2017, 14:50:28]
Rudolf Hege 
Praxis wichtig 
In der Tat ist es ein Mangel der aktuellen Heilpraktiker-Ausbildung (egal, wie dabei das theoretische Wissen erworben wird), dass ein Praktikum nicht zwingend vorgeschrieben ist. Nicht alle Anwärter, wenn auch viele, kommen aus medizinischen Berufen wie Pfleger oder Krankenschwester. Insofern wäre ein verbindliches Praktikum sicher eine sinnvolle Ergänzung der Anforderungen. Ob ein reguläres Studium dazu notwendig ist, ist dagegen fraglich. Immerhin umfasst die Medizin weitaus mehr Bereiche als die praktische Tätigkeit eines Heilpraktikers, der in der Regel weder forscht, noch operiert oder High-Tech-Geräte bedienen muss. Von einem Gärtner verlangt man auch kein Biologie-Studium. zum Beitrag »
[22.08.2017, 14:37:25]
Rudolf Hege 
Inquisition... 
Früher jagte die Kirche all die, die nicht nur glauben wollten, sondern auch wissen. Heute jagen die Wissenschaftler alle, die nicht nur wissen wollen, sondern auch bereit sind, zu glauben: An Erfahrungen, an das Können anderer Kulturen, an Zusammenhänge, auch wenn diese noch nicht "allgemein anerkannt sind" usw. Im Grunde geht es nicht (nur) gegen Heilpraktiker, es geht gegen jede Art von "abweichender" Medizin. Der Heilpraktiker ist nur leider greifbar - bei ihm steht es sozusagen auf dem Türschild. Ich frage mich nur, was die Initiatoren machen würden, wenn es die HPs tatsächlich nicht mehr gäbe - und die Patienten (von rund 60.000 HPs) dann zu "grauen Heilern" wechseln, die tatsächlich nur im Hinterzimmer behandeln - und ohne jede Kontrolle. Reuig zurück zur "5-Minuten-Medizin" werden die Leute jedenfalls nicht gehen. Davon haben viele inzwischen genug - und Besserung ist ja nicht in Sicht. Auch, weil so genannte "Wissenschaftler" in ihrem Elfenbeinturm alles tun, damit auch Ärzte immer weniger frei in ihren therapeutischen Entscheidungen sind. zum Beitrag »
[22.08.2017, 14:27:36]
Rudolf Hege 
Zweierlei Maß? 
Der Wirkstoff, mit dem in Brügge Patienten behandelt wurde, wird auch von Ärzten in der "alternativen Onkologie" eingesetzt. Das scheint die Initiatoren des Memorandums aber nicht zu stören. Überhaupt ist ein letaler Ausgang einer onkologischen Therapie ja leider kein Einzelfall - auch nicht in der konventionellen Onkologie (vgl. http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(16)30383-7/abstract). Wo bleibt hier der Aufschrei? zum Beitrag »
[22.08.2017, 13:09:03]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Manchmal ist es zum "Haare raufen"! 
Da mühen wir ambulant vertragsärztlich tätigen Haus-, Familien-, Fach-Ärztinnen und -Ärzte uns ab, wenigstens beim "Check-up 35" alle 2 Jahre Herz- Kreislauf-, Diabetes- und Stoffwechselrisiken bzw. andere Krankheitsentitäten zu detektieren, während Kliniker ebenso ausgedehnte, wie oft unnötige Labor-"Latten" anfordern, um dann die Serum-Glucose-Werte und den HbA1c einfach zu vergessen?

In meiner Praxis werden routinemäßig Kreatinin, Leberwert, LDL-Cholesterin und TSH bzw. in Zweifelsfällen der HbA1c-Wert erhoben, um den Patienten eine adäquate, differenzierte Labor-Diagnostik zu bieten. Und dann kommen örtliche Schwerpunktkliniken der Maximalversorgung nicht mal auf den Trichter, dass HbA1c, Nüchtern- und Postprandial-Glucose einfach nur gute diabetologische Kinderstube sind!?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[22.08.2017, 12:42:05]
Dr. Detlef Bunk 
Ausbildung ohne Bildung 
So wird durch unsere Bildungspolitik das Humboldt’sche Bildungsideal verwässert und abgeschafft: Nur noch Ausbildung statt Bildung.

Dr. phil. Detlef Bunk, Dipl. Psych.
Psychotherapeut, Essen
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[22.08.2017, 12:34:06]
Ursula Prangenberg 
Weg mit den Heilpraktikern? 
Es ist richtig und gut, dass die Leitlinien zur Heilpraktiker-Prüfung überarbeitet und bundesweit auf einen einheitlichen Standard gebracht werden.

Und ja, es ist korrekt, dass es immer wieder schwarze Schafe gibt. Diese gibt es jedoch in jedem Beruf, vom Schlüsseldienst bis zu akademischen, sogar in theologischen Berufen. Aber, wird in diesen Berufszweigen über eine Abschaffung desselben diskutiert?

Was die Heilpraktiker-Ausbildung/-Schulen betrifft, so gibt es sicher auch hier Unterschiede. Doch letztlich ist der Lernende immer auch in der Eigenverantwortung, insbesondere bei Berufen, die große Verantwortung für Leib und Leben tragen.

Es ist gut, dass das Bundesministerium der Gesundheit sich in Zusammenarbeit mit den Ländern und Heilpraktikerverbänden um die Qualität der Heilpraktiker-Prüfung bemüht und neue Leitlinien erarbeitet. Wobei sich das Bundesministerium der Gesundheit ausdrücklich von Einzelfällen, wie dem des Heilpraktikers in Brüggen-Bracht, distanziert.

Letztlich wäre es insgesamt doch besser und sinnvoller, wenn Ärzte und Heilpraktiker eng zusammen arbeiten könnten. So würde den Patienten ein breiteres Spektrum an Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten erschlossen und es wäre (indirekt) eine größere Kontrolle über evtl. schwarze Schafe möglich. zum Beitrag »
[22.08.2017, 09:47:57]
Beatrix Kaps 
"Also doch zu viel Fertigpizza..." 
Mein Kommentar kommt in erster Linie aus Sicht einer Mutter mit einem Diabeteskind und nicht als Ärztin und ich möchte mich ganz herzlich bei Herrn Trüeb für seinen Kommentar bedanken!
Man sieht sich als Eltern tatsächlich sehr oft mit dem Vorurteil konfrontiert, man hätte bei der Ernährung des Diabeteskindes etwas falsch gemacht und würde damit zumindest eine Teilschuld tragen. Ich gehe jetzt einfach davon aus, dass solche Forschungsergebnisse, wenn sie bei Fachleuten veröffentlicht werden, noch einigermaßen richtig und mit der nötigen kritischen Einstellung gelesen werden können. Halten solche Ergebnisse, selbst mit dem Zusatz, dass sie eigentlich noch genauer untersucht werden müssten, Einzug in die breite Öffentlichkeit, werden diese Vorurteile noch zusätzlich befeuert. "Also doch zu viel Fertigpizza..." wie ich mal zu hören bekam.
Für unsere Selbsthilfegruppe kann ich nur sagen, dass alle Kinder zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bezüglich Gewicht im Normbereich waren und immer noch sind.
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[22.08.2017, 09:01:30]
Dr. Martin Brodowski 
Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. 
Ich gehe auch ab und an zu meiner Heilpraktikerin, dort sollte mal Frau Prof. Schöne-Seifert ggf. 1 Woche hospitieren, dann würde sie ihre Meinung ändern. Teilweise kommen Patienten kaum bewegungsfähig in die Praxis und verlassen diese ohne Schmerzen. Man muss vielleicht dazu sagen, dass diese "Heilpraktikerin" Chinesin ist und in China die komplette Ausbildung in chinesischer Medizin absolviert hat sowie dort die Lehrerlaubnis besitzt. Glücklicherweise gibt es hier in Deutschland den Status des Heipraktikers, sonst wäre ihre Tätigkeit nicht möglich.
Aber grundsätzlich: niemand, den ich kenne, verwechselt den Heilpraktiker mit dem Arzt. Man sollte den Bürger für mündig genug halten. Schwarze Schafe gibt es überall, deswegen einen ganzen Berufszweig abzuschaffen ist nicht der richtige Weg. zum Beitrag »
[21.08.2017, 23:40:59]
Dr. Edith Schneider 
Neurofeedback ist nicht gleich Neurofeedback 
In letzter Zeit häufen sich Publikationen schlecht durchgeführter Studien, die Neurofeedback diskreditieren. Dazu muss man aber wissen: Neurofeedback ist nicht gleich Neurofeedback.
Eine veraltete Trainingsmethode, von der man weiß, dass sie nur bei maximal 40% der Menschen mit ADHS hilft, liefert zwangsläufig keine guten Resultate. Darum möchte ich auf die große multizentrische Studie, die im März dieses Jahres veröffentlich wurde, hinweisen, die frei zugänglich ist:

Strehl et al, Neurofeedback of Slow Cortical Potentials in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Multicenter Randomized Trial Controlling for Unspecific Effects. Front. Hum. Neurosci. 11:135.doi: 10.3389/fnhum.2017.00135

Hier wurden 150 Kinder an fünf Universitäten von namhaften Forschern untersucht und behandelt mit signifikanten Verbesserungen durch ein Training der langsamen kortikalen Potenziale (SCP).

Noch sind nicht alle Ergebnisse der Studie ausgewertet und veröffentlich. Ich bin mir aber sicher, dass die kommenden Publikationen meine guten Erfahrungen der letzten 11 Jahre mit dem Training der Selbstkontrolle der langsamen kortikalen Potenziale (slow cortical potentials, SCP) bestätigen werden.

Nicht nur ist nicht alles was sich Neurofeedback nennt, gutes Neurofeedback, es sind auch nicht alle Studien gute Studien.


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