Leserkommentare [20231]

[24.05.2019, 15:28:00]
Dr. Siegfried Möller 
Zurückweisung der Beleidigungen von Dr. Popert  
Sehr geehrter Herr Popert,
im Namen des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen verbitte ich mir Ihre Beleidigungen.
Mein Berufsverband hat politischen Druck als das benannt, was es ist: Übergriffigkeit auf einen freien Arztberuf!
Ein Dermatologe in Hessen behandelt durchschnittlich ca. 1600 GKV Patienten pro Quartal. Darunter sind rapide steigende Zahlen von Hautkrebs-Patienten, die ambulant extrabudgetär operiert werden.
Immunologische Therapien bei Melanomen, Basaliomen, Psoriasis, Psoriasis-Arthritis, Urticaria, schwerer Akne inversa und Neurodermitis sind neue Herausforderungen der vergangenen Jahre.
Für die schwer dermatologisch erkrankten Patienten brauchen wir mehr Zeit.
Das RLV der Dermatologen liegt bei lächerlichen 14,35 €. Durchschnittlich 35 Wochenstunden erfordert die GKV-Versorgung.
Ja es ist richtig, dass wir auch gut bezahlte kosmetische Leistungen in einem kleinen Zeitfenster erbringen, aber nur in den größeren Städten. Auf dem Land herrscht überwiegend Regelversorgung!
Ich finde es beschämend, dass Sie sich als ein Vertreter des Vorstands des Hausärzteverbandes selbst vor so einen populistischen Karren spannen und die Übergriffigkeit des BMG um ein Vielfaches toppen. Sie haben sich fachlich, ärztlich und kollegial damit als ungebildet geoutet.

Dr. S. Möller
Vorstand BVDD Hessen
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[13.05.2019, 21:08:00]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ärztemangel offensichtlich in der ambulanten Versorgung! 
Ich kann hier nur aus eigener Erfahrung vom offensichtlichen Ärztemangel trotz ansteigender Arztzahlen in der ambulanten Versorgung berichten:

1990 ambulant tätige Ärzte/-innen: 92.289

2018 ambulant tätige Ärzte/-innen: 157.288

Das bedeutet in 29 Jahren (Startjahr 1990 zählt mit) einen jährlichen Zuwachs von 2.241 Humanmedizinern in der gesamten ambulanten haus-, familien- und fachärztlichen Versorgung, was mit deren Ansprüchen an ihre "work-life-balance", dem demografischen Faktor, medizinischem Fortschritt, diagnostischer und therapeutischer Vielfalt bzw. gestiegenen Versorgungs-Qualitäts- und Machbarkeits-Ansprüchen zu erklären ist.

Vertraut man der inzwischen weiter zunehmenden Zahl von 39.816 angestellten Ärzten, davon immer mehr Frauen in Teilzeitbeschäftigung, relativiert sich dieser Zuwachs auf 157.288 registrierte ambulant tätige Ärzte/-innen ganz erheblich.

Der versorgungsstatische Ärztemangel wird auch konkret und anschaulich:
Versuchen Sie einen kardiologischen, nephrologischen, neurologischen, endokrinologischen, pneumologischen oder rheumatologischen Termin bei einem GKV-Vertragsarzt in Deutschland zu bekommen? Es sei denn, sie sind Klinik-Infektiologe, heißen Prof. Dr. med. Andrew Ullmann und sind als FDP-Gesundheitspolitiker und Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss unterwegs.

Haus- und familienärztliche Allgemein- bzw. Facharzt-Medizin bedeuten mehr als nur die Praxistüren offenzuhalten:

Die Mindestzahl der Sprechstunden in vertragsärztlichen Vollzeit-Praxen für Kassenpatienten, wie mit dem Terminservice- und Versorgungs-Gesetz (TSVG) geschehen, von 20 Stunden auf 25 Stunden pro Woche erhöhen zu wollen, ist zumindest im haus- und familienärztlichen Bereich (Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten, Pädiater, Gynäkologen) reine Fiktion: Insbesondere in Zeiten von Influenza-Häufung und massenweisen Atemwegserkrankungen zusätzlich zur Basisversorgung bei allen Organ-, Psycho- und Systemkrankheiten beginnt und endet mit der Sprechstunde nicht die Arbeit am Patienten.

Bei Inanspruchnahme von 20-25 Stunden offizieller "Kassen-Sprechstunde" ist regelmäßig von 25-30 Stunden Inanspruchnahme auszugehen.

Die oft aufgehetzte Kommunikation über ärztliche Arbeits-Aufgaben und -Zeiten in Bundes-, Landes- und Regional-Politik, Medien, Öffentlichkeit und Sozialversicherungs-Bürokratie gipfelt z. B. in der Unterstellung, wer als niedergelassener Vertragsarzt für sich eine 50-Stunden-Woche reklamiert, solle doch gefälligst wesentlich längere offene Sprechstunden anbieten können. Dieses Ansinnen kommt zumeist von Leuten, die nicht ein einziges Mal hinter den Anmeldetresen geschaut, Mitarbeiter/-innen oder Familienangehörige befragt oder bei ihrem "Hausarzt" hospitiert haben.

Bei 20-25 Wochen-Stunden reiner Sprechstunden-Zeit, mit Vorlauf und Nachlauf also 25-30h, kommen hinzu:

1. Fahrt-/Rüstzeiten/Logistik/Organisation/Bereitschaft 5h
2. EDV-Einrichtung, Verwaltung, Datenpflege, Dokumentation, Abrechnung 5h
3. Fort- und Weiterbildung, Fachliteratur, Recherchen 5h
4. Fahrtzeiten Haus-/Heim-/Palliativ-Besuche/Notdienste/Verweilen 5h
5. Medizin-ferne Anfragen/Gutachten/Bescheinigung/Bürokratie 5h

So kommt man bei einer reinen GKV-Sprechstunden-Zeit von 20 Stunden auf die empirisch bereits mehrfach belegte durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 45 Stunden plus weitere 10 Stunden für zusätzliche, rein privatärztliche Tätigkeit bei den in der ambulanten Krankenversorgung tätigen Vertragsärztinnen und -ärzten.

Von 20 auf 25 Wochenstunden zu erhöhen, entspricht einer Steigerung um 25 Prozent: Damit läge die GKV-Wochenarbeitszeit bei gut 55 Stunden plus 10 Stunden privatärztliche Tätigkeit.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (über 30 Wochenstunden reine Sprechzeiten seit 1992 und oft zusätzliche Hausbesuchs- und Fortbildungszeiten)

P.S. Haben auch Sie von denen gehört, die ohne Termin eine volle Haus- und Familien-Arztpraxis mit den Worten betreten: "Wie lange dauert das denn hier?" Meine MFA (med. Fachangestellte) weiß davon mehrfach ein Lied zu singen. zum Beitrag »
[13.05.2019, 18:15:34]
Dr. Florian Huber 
Inkompetenz 
FDP für Ärzte ab jetzt nicht mehr wählbar, täglich erlebe ich im Klinikalltag anderes. Mag schon sein, dass durch mehr Bürokratie, mehr Ärzte nötig sind, aber auch das brachte die Politik und insbesondere die von der FDP mit angestoßene Privatisierung des Gesundheitsbereiches! zum Beitrag »
[13.05.2019, 16:14:31]
Dr. med. Max Lindemann 
"relativer" Ärztemangel 
Zahlenmäßig besteht kein Ärztemangel; thematisiert wird in keiner Stellungnahme egal welcher Organisation, dass sich in den letzten ca. 30 Jahren, die Zahl der Ärztinnen, die Examen machen, fast verdoppelt hat. Der Anteil der weiblichen Medizinstudierenden hat sich - bedingt auch durch die höhere Zulassungsquote durch bessere Abiturleistungen - deutlich erhöht.
Da aber die meisten jungen Ärztinnen irgenwann Kinder kriegen, wollen bzw. können sie viele Jahre nur noch halbtags arbeiten und häufig keinen Nachtdienst im Krankenhaus machen. Hierdurch sinkt die Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Ärzte/innen erheblich. Die Folge ist ein tatsächlicher Ärztemangel!
Also müssen dringend mehr Ärzte ausgebildez werden! zum Beitrag »
[13.05.2019, 15:39:02]
Rudolf Hege 
Dem "Volk" aufs Maul geschaut? 
Es ist ja nichts Neues, dass Politiker gerne ihre Meinung nach den aktuellen Meinungstrends ausrichten - und dann in "vorauseilendem Gehorsam" das umsetzen wollen, was von den Medien gerade als Sau durchs Dorf getrieben wird. Und Herr Spahn in seinem Versuch, sich als Kanzlerkandidat doch noch zu empfehlen, ist hier wohl besonders umtriebig. Ob es der Sache nützt ist dagegen fraglich. Wer Impfungen anpreist wie warmes Bier oder gar mit Gewalt rein drücken will, verursacht nur massenhafte Verfahren. Schließlich sind viele impfunwillige Eltern auch Juristen...  zum Beitrag »
[13.05.2019, 14:10:26]
Ambros Mitlmeier 
Begutachtungsrichtlinien aufgeweicht..  
Hat schon jemand daran gedacht, dass die derzeitigen Begutachtungsrichtlinien nicht den tatsächlichen Pflegeaufwand wiedergeben. Derzeit wird eher viel zu leichtfertig mit den Versichertenbeitraegen umgegangen.  zum Beitrag »
[13.05.2019, 11:30:14]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
CRP invalide und unspezifisch - CCP dagegen hochgradig RA-spezifisch!  
CRP kommt in geringen Mengen auch im Blutplasma gesunder Menschen vor. Als Grenzwert gilt bei Erwachsenen 5 mg/l bzw. 0,5 mg/dl.

Ein unspezifisch erhöhter Wert sollte immer durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden. Der Anstieg des CRP-Wertes bei einer Infektion erfolgt bereits nach etwa 6-8 Stunden und kann das 10-100fache des Referenzwertes erreichen.

Eine mäßige Erhöhung (10-40 mg/l) findet man bei Virusinfekten, geringgradigen Entzündungen und in der Schwangerschaft. Eine sichere Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infektionen ist anhand des CRP-Wertes nicht möglich.
Nach https://flexikon.doccheck.com/de/C-reaktives_Protein

Dagegen sind die CCP-Antikörper (ACPA) gegen das zyklische citrullinierte Peptid (CCP) gerichtet. Sie spielen eine entscheidende Rolle in der Labordiagnostik der rheumatoiden Arthritis (RA). Der Nachweis der CCP-Antikörper korreliert sehr spezifisch mit dem Krankheitsgeschehen einer RA, während der klassische Rheumafaktor teilweise auch bei anderen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises positiv wird.

Die Bedeutung der CCP-Antikörper liegt in hoher Sensitivität und Spezifität für die RA, bzw. diese erreichen nahezu 100 %. Das erlaubt eine genaue Schweregradeinordnung der RA und erleichtert die Therapieplanung. Auch Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf und über die Tragweite möglicher Gelenkschäden im Rahmen der RA sind möglich.

Sie dienen darüber hinaus als Frühmarker für die Erkrankung, da sie bereits bis zu 10 Jahre vor Erstmanifestation der Arthritis erhöht sein können.
Nach https://flexikon.doccheck.com/de/CCP-Antikörper

"Der Bus und die Rheuma-Früherkennung" als ÄZ-Titel erscheint mir angesichts einer insuffizienten, irreführenden Labordiagnostik etwas zu euphemistisch geraten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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[13.05.2019, 11:12:20]
Dieter Döring 
Der Bus und die Rheuma-Früherkennung 
Möchte mal wissen, was das wieder kostet und ob der Aufwand überhaupt in einem gesunden Verhältnis zum Gewinn (Verbesserung der Therapie der Rheumapatienten) steht.
Dieter Döring
Facharzt für Allgemeinmedizin zum Beitrag »
[13.05.2019, 09:58:41]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Entscheidendes SPRINT-Problem:  
Die Sprint-Studie hatte weder ältere, multimorbide Patienten noch deren kognitive Leistungsfähigkeiten im Blick, sondern eher eine Ausweitung der bereits bestehenden hypertensiologischen Pharmakotherapie.

Die lange Liste von Ausschlüssen bei SPRINT: „Lower blood pressure target greatly reduces cardiovascular complications and deaths in older adults: High blood pressure, or hypertension, is a leading risk factor for heart disease, stroke, kidney failure, and other health problems. An estimated 1 in 3 people in the United States has high blood pressure“ ließ eine Fülle wesentlich entscheidender Faktoren, einschließlich Typ-2-Diabetes-Ausschluss, einfach weg.

Für die SPRINT-Studie hatte man zum Beispiel explizit Rollstuhlfahrer, Pflegeheim-, Grad 3-Hypertonie-, therapieresistente Hypertonie-, Schlaganfall- und Diabetespatienten bzw. sogar Orthostase-Syndrome ausgeschlossen. Die Liste der Ausschluss-Positionen umfasst insgesamt 20 Einzelpunkte: Angefangen mit fehlender Adhärenz/Compliance, Zustand nach ACS, Myokardinfarkt und PCI angefangen, bis zu Zystennieren, Glomerulonephritis, Herzinsuffizienz mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion kleiner 35 %, zu dickem oder zu dünnem Armumfang, Krebsdiagnose und –therapie innerhalb der letzten 2 Jahre, Alkoholabusus, Umzugsplänen, unbeabsichtigtem Gewichtsverlust von mehr als 10 %. Um nur einige Items zu nennen...

SPRINT war und ist ein klassischer Birne-Apfel-Vergleich: Es gab eine "Holzklasse" von Patienten, die gemäß US-Leitlinien primär nur mit Saluretika mehr recht als schlecht und mit Blutdrucksenkung bis 140/80 mm Hg austherapiert wurden ["Chlorthalidone was encouraged as the primary thiazide-type diuretic"].

Und es gab eine "Luxusklasse", welche um das Ziel der Blutdrucksenkung bis 120/80 zu erreichen, zusätzlich mit RAS-Hemmern (ACE-Hemmern und AT1-Blockern) Schleifendiuretika, Betablockern ["loop diuretics (for participants with advanced chronic kidney disease), and beta-adrenergic blockers (for those with coronary artery disease)"] und mit Amlodipin ["amlodipine as the preferred calcium-channel blocker"] behandelt wurde.

"A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control" von
The SPRINT Research Group
N Engl J Med 2015; 373:2103-2116 DOI: 10.1056/NEJMoa1511939

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund



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[12.05.2019, 12:42:07]
Dr. Stefan Graf 
Evolution versus Teleologie 
Lieber Herr Hege, die natürliche Evolution ist nicht nur "weder kurzsichtig noch gierig." Sie ist auch nicht manipulativ auf ein im Voraus dedinierrtes Ziel ausgerichtet. Die Evolution ist davon abhängig, was ihr durch nicht zielorientierte DNA-Mutationen und -Rekombinationen zur Verfügung gestellt wird (die "Zufallskomponente"), um daraus das Bestmögliche herauszufiltern. Dieses Grundprinzip der Bereitstellung eines nicht steuerbaren, nicht teleologischen Pools an Varianten ist bei der anthropogenen "Evolution" nicht gegeben. In Natura bringt erst die Selektion des Bestmöglichen (was längst nicht immer perfekt ist) eine Richtung in die Entwicklung.
Wir sollten Gentechnik nicht als Evolutionsfaktor (im Sinne Darwins) bezeichnen, da sie deren Grundregel der fehlenden primären teleologischen Ausrichtung verletzt.
Die Gentechnik kann auch dank Cripr Cas zu einem sehr wertvollen Werkzeug im Kampf gegen schwere Krankheiten werden, aber wehret den Anfängen vor "Frankenstein´schen" Versuchen ein Wesen mit "anthropozentrischen" Wunschmerkmalen zu gestalten. Auch wenn wir momentan noch wenig über einzelne Genfunktionen und epigenetische Regulation wissen, das Missbrauchspotenzial ist kaum auszumalen.  zum Beitrag »
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