Leserkommentare [19290]

[18.09.2018, 11:47:21]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Warum auch der iFOBT "floppt"? 
Der quantitative immunologische Test als iFOBT = immunologischer fäkaler okkulter Bluttest, <iFOBT> "immunochemical fecal occult blood test [Am.] bzw. immunochemical faecal occult blood test [Br.], auf menschliches Blut im Stuhlgang (irreführend auch "FIT" = Fäkal Immunologischer Test bzw. "faecal immunochemical test" abgekürzt) zur Früherkennung von Darmkrebs ist erfreulicherweise GKV-Kassenleistung geworden.

Doch damit fangen die Probleme an:
Ärztinnen und Ärzte, die den iFOBT als Früherkennungsuntersuchung auf kolorektales Karzinom veranlassen, rechnen ab April 2018 die Gebührenordnungsposition GOP 01737 (Bewertung 57 Punkte, Vergütung 6,00 €) ab. Die Leistung umfasst die Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung des Stuhlproben-Entnahmesystems sowie die Beratung des Patienten bei einer präventiven Untersuchung...Bei einer kurativen Untersuchungsindikation sind wie bisher Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung in das Labor mit der Versicherten- oder Grundpauschale abgegolten." So schreibt die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) zur Neueinführung der immunologischen Tests auf Blut im Stuhl (iFOBT) unter
http://www.kbv.de/html/1150_27552.ph
"Fürs Labor gedacht ist die Abrechnung des Tests nach EBM-Nr. 01738", stand dazu in der Ärzte Zeitung unter
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/article/932806/neu-1-april-ifobt-notfaelle-jetzt-neu-ebm.html

Was steckt dahinter?
Interessanterweise formuliert die KBV dazu: "Neue GOP für Laboruntersuchung"..."Für die Untersuchung der Stuhlprobe im Labor gibt es ab April zwei neue GOP: die GOP 01738 (Bewertung 75 Punkte, Vergütung 7,90 €) bei einer präventiven Untersuchung und die GOP 32457 (Bewertung 6,21 €) bei einer kurativen Untersuchungsindikation. In den Laborleistungen enthalten sind die Kosten für das Stuhlproben-Entnahmesystem."

Behandelnde Ärzte die "Dummen"?
Das heißt mit anderen Worten: Haus- oder fachärztliche Ausgabe, Rücknahme und Weiterleitung des Stuhlproben-Entnahmesystems sowie die anschließende Beratung des Patienten werden als GOP 01737 mit 57 Punkten und ganzen 6,00 € vergütet, während eine weitgehend vollautomatisierte, schlichte Laboruntersuchung als GOP 01738 mit 75 Punkten und 7,90 € bewertet wird?

Es geht noch schlimmer!
Im kurativen Bereich kommt es noch schlimmer: Das Labor erreicht mit der GOP 32457 als Praxisumsatz 6,21 €, wogegen Haus- und Fachärzte leer ausgehen. Ihre Zusatzarbeit mit Ausgabe, Rücknahme, Weiterleitung in das Labor und zusätzlicher Beratung des Patienten bei einem weiteren Termin verschwinden im Orkus der bereits durch Multimorbidität und Mehrfach-Inanspruchnahme erschöpften Versicherten- und Grundpauschale eines 3-Monats-Quartals.

KBV -"contradictio in adjecto"
Dann noch, sozusagen als "Sahnehäubchen", obendrauf! "Stuhltest jedes Jahr ab 50", schreibt die KBV, und weiter kontradiktorisch...
"Der Stuhltest ist Teil des Programms zur Früherkennung von Darmkrebs. Er kann bei Frauen und Männern im Alter zwischen 50 und 55 Jahren jedes Jahr durchgeführt werden. Ab 55 Jahren haben die Versicherten Anspruch auf bis zu zwei Früherkennungskoloskopien im Abstand von zehn Jahren oder alle zwei Jahre auf einen Test auf okkultes Blut im Stuhl. Ist der Stuhlbefund positiv, erfolgt zur weiteren Abklärung eine Darmspiegelung."

Patienten präventiv-diagnostisch ausgegrenzt?
Damit wird erneut klar, dass bei Patienten, die aus welchen Gründen auch immer keine zwei Präventiv-Koloskopien machen lassen wollen oder können, (zur Strafe?) die Untersuchungsfrequenz in der tumorbiologisch entscheidenden Lebensphase vom 55. bis 65. Lebensjahr wesentlich ausgedünnt wird. Das trifft im Übrigen auch für Hochrisikopatienten in der langen Latenzphase zwischen den beiden Präventivkoloskopien zu.

KBV und G-BA uneinsichtig!
Unbeirrt schreibt die KBV: "Studien haben gezeigt, dass mit immunologischen Tests nicht sichtbares Blut im Stuhl insbesondere mit einer höheren Sensitivität nachgewiesen werden kann. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte daher festgelegt, den Guajak-basierten Test abzulösen; die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie wurde entsprechend geändert. Anspruch auf die Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs haben Versicherte ab einem Alter von 50 Jahren."

Darmkrebs-Primärprävention prioritäres Ziel!
Mit keinem Wort wird erwähnt, dass es in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle n i c h t zur Krebsfrüherkennung, sondern zum primären Ausschluss von Krebserkrankungen und damit zur entlastenden Primärprävention von Darm-Tumorkrankheiten für unsere Patientinnen und Patienten kommt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[18.09.2018, 07:35:04]
Gerhard Leinz 
Umgekehrt wird ein Schuh daraus - Moderner Kolonialismus ! 
Das ist wohl eher umgekehrt. Die zahl der Medizinstudenten in Deutschland steigt seit vielen Jahren nicht. Die Zahl der Zahnmedizinstudenten in Deutschland schon. Weiß Herr Spahn das nicht?? Der Rest der Welt bildet Ärzte für Deutschland aus. Wohlhabende Eltern schicken Ihre Kindern nach Ungarn oder Rumänien zum Studieren nach Ungarn oder Rumänien. "Fachkräfte" (Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt) sind in Deutschland willkommen. Das ist moderner Kolonialismus. Statt Rohstoffen importiert Deutschland das Bildungsgold vieler Ländern, die Fachkräfte. Ich bekomme für meine Praxis Bewerbungen von Ärzten auch aus dem arabischen Raum... Diese Wirtschaftsflüchtlinge heißen in Deutschland "Fachkräfte" - herzlich Willkommen! Woanders wird es nicht anders sein. Wie wäre esmit mehr Medizinstudinplätzen in Deutschland. "Opfert sich" sich die Erhöhung der Zahl der Medizinstudenten auf dem "Altar" des Bildungsförderalismus (Zuständigkeit der Länder für die Studienplätze) in Deutschland?. zum Beitrag »
[17.09.2018, 19:18:10]
Hans-Martin Scheil 
Warum äußert sich dazu kein deutscher Experte? Bei mehr als 900.000 betroffenen Patienten ... 
Dann hier mal ein Zitat aus den USA: Dr. Erin Michos, eine außerordentliche Professorin und stellvertretende Direktorin für präventive Kardiologie an der Johns Hopkins Medicine, bezeichnete die Studie als "gut gemacht", stellte jedoch fest, dass mehr Forschung über einen längeren Zeitraum benötigt wird, um das tatsächliche Krebsrisiko im Wesentlichen zu bewerten. "Es bietet kurzfristig eine bescheidene Bestätigung, aber das Fehlen eines Signals für den Krebsüberschuss ist für mich nicht wirklich überraschend, denn es ist einfach zu früh für etwas wie Krebs", sagte Michos.
"Es war nicht lange genug, um wirklich ein Signal zu sehen. Obwohl ich beruhigt bin, dass sie keins gefunden haben, glaube ich nicht, dass es bedeutet, dass Patienten völlig aus dem Schneider sind", sagte sie und fügt hinzu, dass sie plant, ihre eigenen Patienten über die neue Studie zu informieren.

Quelle: https://edition.cnn.com/2018/09/12/health/valsartan-recall-cancer-risk-study/index.html zum Beitrag »
[17.09.2018, 18:55:37]
Hans-Martin Scheil 
Also alles nicht so schlimm?  
"Wie sich zeigte, kam es im nichtexponierten Zeitraum zu 104 Krebserkrankungen, im exponierten zu 198. Wurden diverse Begleiterkrankungen und -medikamente berücksichtigt, war die Krebsrate im exponierten Zeitraum um 9 % höher als im nicht exponierten. Der Unterschied erwies sich aber als nicht statistisch signifikant."

Ab wann redet man eigentlich von einer signifikanten Erhöhung? zum Beitrag »
[17.09.2018, 14:07:56]
Florian Diaz Pesantes 
Luftbrücke  
...vermutlich mit Katapulten. Das Open-air-Abkommen hat ja auch noch keinen Nachfolger. zum Beitrag »
[17.09.2018, 14:01:42]
Rudolf Hege 
Was zählt ist die NUR die Praxis... 
Wissenschaftler leben in ihrer eigenen Welt, das ist ja keine neue Erkenntnis. Und wer tagtäglich nach bestimmten Regeln arbeiten muss, glaubt irgendwann, dies müsse für den Rest der Welt auch so sein. Auch das ist nichts Neues. Früher verfuhr die katholische Kirche nach genau diesem Motto - und hatte dafür auch die Inquisition. Heute verstehen sich die "Skeptiker" als Nachfolger der "Glaubenswächter", die dafür sorgen wollen, dass die reine Lehre nicht verwässert wird - durch Aberglauben.
Nur, die meisten Patienten interessiert das einfach nicht. Deren Kriterium ist ein ganz einfaches: Hilft mir etwas, dann ist es gut. Hilft es mir nicht, dann ist es schlecht. Und ob für die Pille oder die Kügelchen nun "gute Studien" existieren, interessiert auch nur am Rande. Daher ist aus Sicht der Patienten die ganze Debatte um Homöopathie & Co. tatsächlich nur der Sturm im Wasserglas. Wer vorher Homöopathie anwendete, tut es nun immer noch und wer vorher nichts davon hielt, hält auch jetzt nicht davon. Das ist das schöne an der Therapiefreiheit: Niemand MUSS etwas bestimmtes akzeptieren, wenn er das nicht will. zum Beitrag »
[17.09.2018, 13:33:09]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Etat des Bundesgesundheitsministeriums für 2019 nur 0,770 Milliarden! 
Alles gut und schön, aber von dem artifiziell aufgeblähten Haushalt des Bundesgesundheitsministeriums für 2019 mit 15,27 Milliarden Euro und gerade mal rund 60 Millionen Euro mehr als im laufenden Haushaltsjahr 2018 entfallen als Zuschuss an den Gesundheitsfonds 14,5 Milliarden Euro für die Abgeltung versicherungsfremde Leistungen der GKV.

Nach Adam Riese verbleibt ein Kleinst-Etat von 770 Millionen Euro, von dem erst mal Ministeriums-Personal einschl. Minister und Logistik bezahlt werden müssen. Bei 81 Millionen Einwohnern in Deutschland ist die "Gesundheit" 9,50 € pro Einwohner und Jahr wert.

Von uns Vertrags-Ärztinnen und -Ärzten wird da weitaus mehr finanzielles Engagement und unternehmerisches Risiko bei der Rund-um-die Uhr-Versorgung erkrankter Patientinnen und Patienten verlangt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[17.09.2018, 13:10:50]
Doris Hönig 
Altersverteilung wesentlich. 
Hätte die Versicherung nur Teilnehmer ab 50 oder sogar 70 Jahren aufwärts befragt sähe das wahrscheinlich ganz anders aus. 210 Teilnehmer sind auch nicht repräsentativ genug um zu verallgemeinern.  zum Beitrag »
[17.09.2018, 10:20:56]
Dr.med. Henning Fischer 
merkwürdigerweise rollen auch bei diesem Skandal wieder mal keine Köpfe 

im deutschen Gesundheitswesen scheint jede Schweinerei möglich, wenn sie nur Geld spart.
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[16.09.2018, 21:24:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ärztinnen und Ärzte, aber auch unsere Patientinnen und Patienten mussten die Influenza-Welle ausbaden!  
Die vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgelegten Zahlen zur Grippesaison 2017/18 belegen für Deutschland einen infektionsepidemiologischen Skandal und eine organisierte Schlamperei von RKI, STIKO und G-BA ersten Ranges.

Da klingt es wie Hohn, wenn RKI-Präsident und Kollege Prof. Dr. med. Lothar H. Wieler eine bessere Nutzung der Schutzmöglichkeiten anmahnt. Denn nach wie vor seien die Impfraten bei Ärzten und Mitarbeitern zu niedrig???

Ausgerechnet mit dem offiziell empfohlenen 3-fach-Influenza-Billig-Impfstoff der Gesetzlichen Krankenkassen der GKV und des G-BA hatte man uns abspeisen wollen, mit teilweise erschreckend niedrigen Schutzwirkungen bei durchschnittlich 17 Prozent?

Dabei hatte die WHO bereits am 21.2.2013 neben dem 3-fach-Impfstoff unter anderem auch eine 4-fach-Vakzine empfohlen hat: "Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2013-14 northern hemisphere influenza season - 21 February 2013 - It is recommended that trivalent vaccines for use in the 2013-14 influenza season (northern hemisphere winter) contain the following:
an A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virusa;
an A(H3N2) virus antigenically like the cell-propagated prototype virus A/Victoria/361/2011b*;
a B/Massachusetts/2/2012-like virus.
It is recommended that quadrivalent vaccines containing two influenza B viruses contain the above three viruses and a B/Brisbane/60/2008-like virusc.
a A/Christchurch/16/2010 is an A/California/7/2009-like virus;
b A/Texas/50/2012 is an A(H3N2) virus antigenically like the cell-propagated prototype virus A/Victoria/361/2011;
c B/Brisbane/33/2008 is a B/Brisbane/60/2008-like virus."
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2013_14_north/en/

Entsprechende Empfehlungen gab es für die Influenza-Saison 2014/2015
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2014_15_north/en/
und für 2015/2016
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2015_16_north/en/
bzw. für 2016/2017:
"Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2016-2017 northern hemisphere influenza season
25 February 2016
It is recommended that trivalent vaccines for use in the 2016-2017 influenza season (northern hemisphere winter) contain the following:
an A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virus;
an A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-like virus;
a B/Brisbane/60/2008-like virus.
It is recommended that quadrivalent vaccines containing two influenza B viruses contain the above three viruses and a B/Phuket/3073/2013-like virus."
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2016_17_north/en/

Der Jurist Prof. Josef Hecken, angeblich unparteiischer und ebenso Infektiologie- wie Impfserologie-unerfahrener G-BA-Vorsitzender, stahl sich aus der Verantwortung. Er kritisierte die Debatte um die G-BA-Empfehlung. „Viele haben sich gemüßigt gefühlt, oft auch in völliger Rechts­unkenntnis, über den Sachverhalt zu urteilen. Wer sich da beteiligt hat, hat sich oft auch selbst diskreditiert“, unter aerzteblatt.de im G-BA-Plenum.
Man habe die Entscheidung auch nicht vor vier Wochen treffen können, da zu dem Zeitpunkt die „Rezeptur der WHO noch gar nicht da war“, so Hecken völlig unzutreffend. Ihn ärgere, dass in diesem Jahr auf Wunsch der Pharmaunternehmen die STIKO-Empfehlung deutlich früher getroffen wurde, damit Unternehmen genügend Zeit zur Produktion erhalten. Auch der G-BA habe in den vergangenen Jahren eher unbemerkt erst im Mai über den Impfstoff in der folgenden Saison entschieden. „Wir haben die Vorlaufzeit verlängert, dafür haben wir dann die Dresche bekommen.“ Er führt das auch auf die „närrische Zeit in der Politik“ zurück, „in der es keine Bundesregierung gab. Dies ist ja nun vorbei und die Welt wieder in Ordnung“, fügte er hinzu.
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92262/Influenza-Krankenkassen-bezahlen-ab-Herbst-Vierfachimpfstoff 

Das belegt m.E. eine virologisch bildungsferne, medizin-rechtlich und infektionsepidemiologisch bedenkliche Kumpanei zwischen Robert-Koch-Institut (RKI), Ständiger Impfkommission (STIKO) - "entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland und berücksichtigt dabei nicht nur deren Nutzen für das geimpfte Individuum, sondern auch für die gesamte Bevölkerung" - und Gemeinsamem Bundesausschuss (G-BA).

Wer hat sich da bloß alles mit deplatzierten Fehlinformationen, infektiologischen Wissenslücken und epidemiologischen "Neglect" bis auf die Knochen blamiert?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
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