Leserkommentare [19867]

[17.01.2019, 14:34:01]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Warum würdigt niemand die Sprechstunden-Leistungen unsere MFAs? 
Was mir beim TSVG-Entwurf und insbesondere bei der Debatte darüber speziell um die Praxis-Sprechstunden-Zeiten am Sauersten aufstößt?

Dass weder der Bundesgesundheitsminister, noch Medien, Politik, Öffentlichkeit und Versorgungsforschung bzw. leider auch einige wenige Patientinnen und Patienten jemals auch nur mit einem Sterbenswörtchen die professionellen Arbeits-und Lebensleistungen unserer Medizinischen Fachangestellten (MFA) würdigen wollen!

Es kann doch nicht angehen, dass diese offenkundig Medizin- und Versorgungs-fremden Personenkreise nicht bemerkt haben wollen, dass hinter allen GKV- Vertragsärztinnen und -Vertragsärzten, die im Durchschnitt auch bei mindestens 20 offiziellen Sprechstunden mit Vorlauf und Nachlauf pro Woche über 50 Wochenstunden arbeiten müssen, im Durchschnitt jeweils etwa 2 Medizinische Fachangestellte mit jeweils 39 Stunden pro Woche stehen.

Ohne sie wäre der Praxisablauf mit Präsenz, Telefon, Kommunikation, EDV, Updates, Anfragen, Schriftverkehr, Kooperation, Dringlichkeitsgewichtung, Terminierung, Priorisierung, Organisation, Logistik, Dienstleistungen, Labor, Hausbesuchen, Patientenschulung, Empathie und Krisenintervention, Unterstützung und Assistenz, Abrechnung und KV etc. nicht mal ansatzweise gewährleistet.

Unangemessener Populismus und permanentes Ärzte- bzw. MFA-"Bashing" stecken m. E. zumindest hinter diesem Teil des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG). Alle Funktionäre, Mandatsträger, selbsternannte "Gesundheits"- und "Krankheits"-Experten sollten endlich einmal abrüsten, nachdenken und zu konstruktiver Sacharbeit bzw. Debattenkultur zurückfinden!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[17.01.2019, 14:28:10]
Rudolf Hege 
Lippenbekenntnisse? 
Der Verbraucher und seine "Wahrheiten" sind so eine Sache. Oft gibt es da die Forderung nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. So würden natürlich viele gerne mehr BIO-Fleisch oder -Gemüse essen, wenn es denn genauso billig wäre, wie die Billigware aus der Massentierhaltung bzw. dem konventionellen Anbau. Nur, das geht eben nicht.
Und die Fertigprodukte hätte man gerne mit weniger Zucker, wenn sie genauso "gut" schmecken, wie mit viel Zucker.
Wer kennt aber nicht aus der Praxis die Patienten, die beispielsweise auf den Rat "Essen Sie mehr Vollkorn" antworten: "Aber Weißbrot schmeckt besser."
Zucker macht Geschmack, das ist keine neue Erkenntnis - und davon will der Verbraucher nicht weg, egal, was er in Umfragen so von sich gibt. zum Beitrag »
[17.01.2019, 14:03:58]
Rudolf Hege 
Arroganz der Wissenschaft? 
Noch jede Wissenschaftlergeneration ging davon aus, dass ihr aktuelles Weltmodell der wahren Welt entspräche. Immerhin hat man Max Planck vom Studium der Physik abgeraten, da "hier nichts Neues mehr zu erwarten sei"...

Schwamm drüber, der Mensch hat eben gerne Recht.

Nur, keine Wissenschaft beschreibt die Realität als solche, sondern immer nur ein Modell und die Rahmenbedingungen, unter denen das Modell Gültigkeit hat bzw. haben soll.

Das "Hahnemann'sche Modell" ist natürlich auch kein ewig gültiges, sondern entsprach den Vorstellungen seiner Zeit. Nur bedeutet das nicht zwangsläufig, dass alles in Sachen Homöopathie damit ebenfalls "erledigt" sei.

Die Grundeinstellung: Wir können uns die Wirkung mit unserem heutigen Weltmodell nicht erklären - und daher kann es auch keine Wirkung geben - ist jedenfalls keine wissenschaftliche, sondern hat eher etwas von einem dogmatischen Glauben. (Das haben die Skeptiker mit manchem dogmatischen Homöopathen gemeinsam..) zum Beitrag »
[17.01.2019, 11:04:49]
Dr. Fritz Gorzny 
Reanimation durch Laien kann auch fatale Wirkung haben 
Wie aus einem Fall im Freundeskreis gerade erlebt, kann sich nicht ausreichende Reanimation fatal auswirken, wenn der Patient im Wachkoma endet, weil die Hirnfunktion erloschen ist und der Patient im Wachkoma dahin- vegetiert mit schrecklichen Folgen für den Betroffenen und die Angehörigen, die nun entscheiden müssen ob die Apparate zum weitervegetieren abgeschaltet werden sollen oder nicht. In solchen Fällen wäre die nicht ausreichende Reanimation durch Laien besser unterblieben. Hier sind Zahlen erforderlich über positive und negative Folgen einer laienhaften Reanimation. zum Beitrag »
[17.01.2019, 10:23:49]
Dipl.-Psych. Achim Bormuth 
Andere Einflüsse ausschließen!  
Untersuchungen in Ländern, in denen Cannabis illegal ist, sind wenig aussagekräftig, da illegaler Cannabis in unbekannter Menge durch Streckung mit anderen Stoffen (z.B. Rohopium in Afghanistan) von den Dealern gepanscht wird.
Wissenschaftlich saubere Untersuchungen zu den Effekten von Cannabis bei Jugendlichen sind daher nur möglich, wenn Cannabis in reiner Form an Jugendliche verkauft und konsumiert wird. Deutschland gehört bekanntlich nicht dazu, auch nicht Burlington, Vermont/USA.
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[17.01.2019, 09:17:59]
Dr.med. Henning Fischer 
selbst bei Killefit kann sich die KBV nicht durchsetzen 

eine Demokratie lebt vom Gleichgewicht der Kräfte

das Gesundheitswesen stirbt durch die Übermacht der Kassen (Politik)
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[16.01.2019, 22:07:09]
Jan Oude-Aost 
Auf den Schultern von Riesen 
Liebe Frau Kollegin Paling,
Sie hatten zwar das Gespräch bereits beendet, doch da ich offenbar nicht in der Lage war, mich verständlich auszudrücken würde ich gerne nochmal versuchen, meinen Standpunkt deutlich zu machen.
Meine Intention war es, den von Ihnen vorgetragenen Wunsch einer Vorurteilfreien Wissenschaft/ eines vorteilsfreien Arztes/Ärztin ernst zu nehmen und konsequent zuende zu denken. Den Begriff „Vorurteil“ habe ich dabei sehr frei ausgelegt, war mir jedoch sicher, mein Anliegen sei trotzdem klar.
Wissenschaft kann nicht (mehr) ohne Vorurteil sein, weil wir bereits Dinge wissen und diese Dinge in unsere Fragen und die möglichen Antworten mit einbeziehen müssen. Wir können nicht einfach große Teile der Chemie, Physik und Biologie ignorieren, um die angeblich spezifische Wirkung von Globuli zu erklären. Das bedeutet nicht, die Erfahrung der Patienten zu negieren, das wäre anmaßend. Das bedeutet jedoch, des kausalen Zusammenhang zwischen der „geistartigen Wirkung“ der Globuli und der Erfahrung von Patienten zu negieren.
Mir lag zum anderen daran, auszusagen, dass sie selbst nicht vorurteilsfrei sind, gehen sie doch von der spezifischen Wirkung von Globuli aus. Das bedeutet, jede Änderung, die sie an einem Patienten wahrnehmen sprechen sie der geistartigen Wirkung der Homöopathie zu.
Mir schien die Forderung nach einer vorteilsfreien Wissenschaft/Medizin einfach nicht zuende gedacht und mir lag daran, diese Idee einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Mir lag nicht daran, Ihnen etwas zu unterstellen oder sie zu diskreditieren. zum Beitrag »
[16.01.2019, 17:12:43]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Alt-Studien mit trivalentem Influenza-Impfstoff sind obsolet! 
Das muss man sich mal vorstellen: Da betrug die Schutzwirkung der Grippe-Impfung nur 17 Prozent bei den in der Wintersaison (unser Sommer) in Australien zirkulierenden Influenza A(H3N2)-Stämmen. Dies wurde damals als "relativ niedrige Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe" schön geredet.

Unter http://flunewseurope.org/ steht:
"Due to the diversity of A(H3N2) influenza viruses that circulated during the 2017 Southern Hemisphere season and reports of low vaccine effectiveness (17% against A(H3N2) overall), WHO recently recommended a change of the A(H3N2) component for inclusion in seasonal influenza vaccines for use in the 2018 Southern Hemisphere influenza season. In addition, the influenza B lineage in trivalent vaccines was changed to a B/Yamagata-lineage virus, compared to the vaccine component (a B/Victoria-lineage virus) recommended for 2017–2018 Northern Hemisphere influenza season."

Das bedeutet m.a.W.: Wenn das Europäische Centre for Disease Prevention and Control schon gemeinsam mit der WHO weltweit für die nächste Saison bei der A(H3N2)-Komponente den Wechsel von A/Hong Kong/4801/2014 auf A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 und beim Influenza-B-Subtyp den Wechsel von B/Victoria auf B/Yamagata empfiehlt, sind Studien mit trivalentem Influenza-Impfstoff, insbesondere wenn sie schon 2017 publiziert wurden, "out of time". Die Impfungen wurden bereits in der Grippesaison 2014/2015 vorgenommen.

Nur der jetzt endlich auch in Deutschland eingesetzte tetravalente Influenza-Impfstoff konnte offenkundigen Lücken bei der weltweiten Influenza-Epidemiebekämpfung schließen: Tetravalent bedeutet, A(H3N2)-Komponente A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 und B/Yamagata sind im tetra-valenten Grippe-Impfstoff inkludiert.
https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/influenza_grippe/article/946581/influenza-schwere-grippewelle-australien-appell-impfung.html

Jetzt mit einer Phase-I-Studie mit 100 erwachsenen Probanden daher zu kommen, in der nur ein trivalenter Grippe-Impfstoff entweder injiziert, mit dem Pflaster appliziert bzw. die Wirksamkeit mit Placebo verglichen wurde, ist völlig deplatziert und wissenschaftlich unbrauchbar. Im Übrigen wurden auch nur die Antikörper-Titer, die in der Placebo-Gruppe "überraschender Weise" niedriger waren, gemessen. Aber auch in der Placebo-Gruppe erkrankte niemand nachfolgend an Influenza?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[16.01.2019, 16:35:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Patienten-Komplexität vs. Komplexe der ärztlichen Professionen? 
"Comparison of the Complexity of Patients Seen by Different Medical Subspecialists in a Universal Health Care System" von Marcello Tonelli et al.
https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2716991
ist eine gezielte retrospektive Analyse von knapp 2,6 Millionen Patientinnen und Patienten (Altersmedian 46 Jahre) im Zeitraum vom 1.4.2014 bis 31.3.2015, die ausschließlich die kanadische Provinz ALBERTA/CAN betrifft.

Von einem "Universal Health Care System" kann übrigens nicht die Rede sein. Medikamentenkosten müssen ab bestimmten Jahreseinkünften und fehlender Bedürftigkeit selbst bezahlt werden; weitere Zuzahlungen sind erheblich.
https://www.alberta.ca/drug-coverage-health-benefits.aspx

Dafür ist in Kanada ein Primärarzt-System mit Erstkontakt beim Hausarzt verbindlich.
http://www.health.alberta.ca/services/primary-health-care.html

Schon bei der Einführung in das Thema wird klar: Zunehmendes Alter, Komorbidität, soziale Faktoren, Behandlungs-Charakteristika und Kontext-Faktoren beeinflussen die Patienten-Komplexität im bio-psycho-sozial-ökonomischen Kontext seiner Erfahrungen und verkomplizieren die Patientenversorgung ["Introduction - Patient complexity can be defined as an interaction between the “personal, social, and clinical aspects of the patient’s experience” that complicates patient care. For example, increasing age and comorbidity, social factors (eg, poverty and lower level of education), treatment characteristics (eg, number of medications), and contextual factors (eg, residence in long-term care) all influence perceived patient complexity—and the prevalence of complexity appears to be increasing in health systems worldwide. There is general agreement that patient complexity increases the time and resources required to provide optimal care"].

Wenn aber Patienten beim Nephrologen die höchste Zahl an Komorbiditäten (4,2) und die meisten Medikamente (14,2) hatten, zugleich aber ihre Sterberate in Langzeitbetreuung am höchsten (6,6 %) war, wirft das ein eher ungünstiges Licht auf diese Profession.

Die Studie ist ungewöhnlich facharztlastig. Sie übersieht die koordinierende Steuerungs- und Lotsenfunktion der haus- und familienärztlichen Professionen mit deren weiter entwickelten Übersicht über alle medizinischen Subspezialitäten. Von daher sind die gewagten Schlussfolgerungen dieser Publikation mit Vorsicht zu genießen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[16.01.2019, 11:47:36]
Dipl.-Psych. Achim Bormuth 
Nicht die "Zahl der Psychotherapeuten" ist entscheidend 
Auch hier wird lediglich mit der "Zahl der Psychotherapeuten" argumentiert, wie bereits früher bei der Festlegung der maximal zuzulassenden Psychotherapeuten.

Hierbei wird außer acht gelassen:

1. daß bei der Steigerung der "Zahl der Psychotherapeuten zwischen 2012 und 2017 von 17.400 auf 23.000" viele Psychotherapeuten/innen das Rentenalter erreicht und einen halben Praxissitz abgegeben haben. Die Möglichkeit der Behandlung und Abrechnung ist bei einem halben Praxissitz gedeckelt. Es handelt sich also nur scheinbar um eine Vergrößerung des Angebots.

2. daß die ganz große Mehrheit der Psychotherapeuten/innen Frauen sind, die den Beruf der Psychotherapeutin in einer eigenen Praxis gut mit der eigenen Familie, eigenen Kindern vereinbaren können - aber nicht in vollem Umfang für die Praxis zur Verfügung stehen wollen oder können. Auch wenn die Väter in gleichem Umfang für die Familie und die Kinder im Alltag gewünscht werden, ist die Realität weit davon entfernt.

3. daß die Tätigkeit als Psychotherapeut/in ein hohes Maß an Empathie für die Patienten erfordert. Ohne dem ist keine gute Therapie möglich. Ganz im Gegensatz zum Beispiel zu einem Chirurgen. Für Chirurgen ist es notwendig während einer OP innerlich so weit wie möglich in Distanz zum jeweiligen Patienten zu gehen um selber gut durch die OP zu kommen. Er operiert den Magen, die Niere etc. und "vergißt" dabei im positiven Sinne den konkreten Menschen; das ist richtig und gut so für seine eigene Gesundheit.
Die Notwendigkeit des Psychotherapeuten sich empathisch auf jeden Patienten einzulassen, ist sein Handwerkszeug, bedeutet aber unweigerlich eine hohe, eigene psychische Belastung durch die Konfrontation mit dem jeweiligen Leid, auch wenn man professionelle Strategien entwickelt, dies nicht zu sehr an sich heranzulassen. Die Notwendigkeit zu einer hohen Empathie während der psychotherapeutischen Behandlung setzt der Anzahl psychisch kranker Patienten Grenzen, die behandelt werden können, ohne selber zu erkranken.

4. Bei der während der Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes um 1999 festgelegten Anzahl der maximal zuzulassenden Psychotherapeuten/innen ging man von einer wesentlich höheren Anzahl von Behandlungsstunden je Psychotherapeut aus, als dies in der Realität der Fall ist. Unter Kostengesichtspunkten haben die Krankenversicherungen dadurch erheblich weniger Geld für Psychotherapien ausgeben müssen, als wenn die hohen, maximalen Behandlungsstunden stattgefunden hätten.

Dringend notwendig ist nach 20 Jahren die überfällige Korrektur dieser Anzahl der maximal zuzulassenden Psychotherapeuten auf einen realistischen, höheren Wert, der für eine angemessene Versorgung notwendig ist.
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