Leserkommentare [20438]

[29.06.2019, 09:09:36]
Dr. Joseph Kuhn 
Metaanalysen/Reviews 
Herr Hümmer, Ihr Link führt zu einem berüchtigten Homöopathielobbyblog und zur Nachricht: "Sie möchten diesen Artikel lesen? Dafür brauchen Sie ein Passwort."

Man kann Ihren sicher aufschlussreichen Text also nicht lesen, ohne sich dort zu registrieren.

Frei zugänglich ist dagegen z.B. diese Übersicht: http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Systematische_Reviews_zur_Hom%C3%B6opathie_-_%C3%9Cbersicht.

Aktuell kam übrigens auch die oberste französische Gesundheitsbehörde nach Sichtung von über 1000 Studien zu einem negativen Ergebnis für die Homöopathie, hier in der Ärztezeitung nachlesbar: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitspolitik_international/article/991435/franzoesische-behoerde-wirksamkeit-homoeopathie-nicht-nachweisbar.html





 zum Beitrag »
[28.06.2019, 22:49:13]
Dr. Heinrich Hümmer 
Fundiert informiert vermeidet unwissendes Nachplappern von Fake-News 
@Dr. Rocke
Hier in Kürze die Schlussfolgerungen der wichtigsten Metaanalysen [Goldstandart der Evidenz](für Englisch-Unkundige auf Deutsch übersetzt):

http://homoeopathiewatchblog.de/2019/06/27/welche-meta-studien-zur-homoeopathie-gibt-es-jenseits-der-manipulierten-shang-studie-von-dr-heinrich-huemmer/

Möchten Sie nach dieser Lektüre immer noch (wie der überaus smarte Herr Böhmermann) die Behauptung aufrecht erhalten:
„Homöopathie wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus“??

und sich dem lächerlichen und ungeprüften Nachplappern der Skeptikerthesen hingeben?
Dann hätte ich durchaus noch ein paar weitere schwer verdauliche Tatsachen (statt Fake-news) zur Wirkung der Homöopathie für Sie! zum Beitrag »
[28.06.2019, 14:11:32]
Dipl.-Med Wolf Waitz 
wer hat vorher an die Kosten gedacht? 
jetzt zeigt sich,dass ,wer einen Lügenkonnektor installiert hat,am Ende auf etlichen Kosten sitzenbleibt!
Und die volle Verantwortung wird,wie man sieht ,dann die jeweilige Praxis tragen müssen.
Somit endet die Verantwortung für den Arzt eben nicht am Konnektor,der den ganzen Schwanz an Problemen erst
induziert .
Die Konsequenz ist einfach: Nichtanschluss ! zum Beitrag »
[28.06.2019, 11:28:09]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Aggressionen durch Hitze, aber auch durch Kälte? 
Martin Bals, Rheinische Post Online, schrieb dazu an einem sehr kalten 20. Dezember 2010:
"Düsseldorf (RPO). Der führende amerikanische Sozialpsychologe Leonard Berkowitz von der University of Wisconsin lehrt: Aggressionen werden durch negative Gefühle hervorgerufen, also als Reaktion zum Beispiel auf Frustration, Schmerz, Furcht, Hitze – oder durch Kälte."..."Es gelten also in diesen eisigen Tagen nicht nur für die Bahn, den Briefträger und den Berufspendler mildernde Umstände, sondern auch für temperaturempfindliche Fußballspieler...."
https://rp-online.de/sport/andere/aggression-durch-kaelte_aid-8916679

"Zur Frustrations-Fixierungs-Hypothese von Berkowitz (1974):
Leonard Berkowitz unterscheidet zwischen instrumenteller und impulsiver Aggression. Seine Weiterentwicklung der Frustrations-Aggressions-Hypothese ist ein kognitiv-neoassoziationistischer Ansatz. Er stellt folgende modifizierende Annahmen auf:
Frustration führt nicht unmittelbar zu einem Bedürfnis, einem anderen Organismus Schaden zuzufügen, sondern dieser Prozess wird durch den emotionalen Zustand des Ärgers vermittelt.
Neben der Frustration können auch andere Formen aversiver Stimulation negative Effekte und damit Aggression auslösen.
Das Auftreten negativer Affekte und die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen treten parallel auf, nicht sequentiell..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Frustrations-Aggressions-Hypothese

Mf+kG, Dr. med. Thomas G.Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[28.06.2019, 07:26:27]
Dr. Josef König 
Falsche Entscheidung 
Es gibt einen alten Rechtsgrundsatz, der besagt, dass das Allgemeinwohl vor das Einzelwohl zu ergehen hat. Eine Gefährdung des Impfschutzes durch einige Unbelehrbare zu akzeptieren ist falsch. zum Beitrag »
[27.06.2019, 12:19:29]
Dr. Martin P. Wedig 
Notdienstreform verleitet Patienten 
Die Veränderungen im kassenärztlichen Notfalldienst und der Anstieg von Konsultationen von Krankenhausambulanzen müssen im Zusammenhang verstanden werden. Vor der Zentralisierung der Kassenärztlichen Notfalldienstes kannten die Patienten die örtlichen Praxen und Apotheken. Nun führt der Weg zur Behandlung über Stadtgrenzen hinaus. Erstmalig diskutiert ein Bericht die unterschiedliche Inanspruchnahme von Notfalleinrichtungen im Zusammenhang mit dem Migrationshintergrund und ... findet Unterschiede. Auch hier muß der historische Verlauf untersucht werden, denn Studien zur Jahrtausendwende fanden diese Unterschiede nicht. zum Beitrag »
[27.06.2019, 11:36:27]
Dr. Karlheinz Bayer 
Verständnis: Ja. Umsetzbarkeit: Nein. 

Verehrte Frau Dr.Kirsten Kappert-Gonther,

die Motivation für Ihr Anliegen ist ehrenhaft.
Auch die Analyse trifft zu, daß die Bevölkerung ein gewaltiges Informationsdefizit hat in der Frage der Organspende.
Der Weg, den Sie vorschlagen, man solle die Beratung in die Arztpraxen verlagern, und das auch noch mit einem Honorar zu Lasten der Solidargemeinschaft, dieser Ansatz ist allerdings falsch.

Wir haben bereits eine vergleichbare Ziffer im EBM, die 01740 mit 11,16 € vergütet, die allein dazu dieenen soll, Patienten zur Darmkrebs-Untersuchung, bzw. zur Rektoskopie zu bewegen.
Ich habe keine Ahnung, wie oft diese Ziffer angesetzt wird.
Allerdings habe ich festgestellt, daß sich die Gespräche, die ich selbst geführt habe, weit über den Bereich der Motiovation zur Vorsorge hinaus bewegt haben. In der Mehrheit der Fälle waren das Risikoaufklärungen, die eigentlich in den Bereich der Prämedikation gehören.
Das kann nicht sein!

Ich kann als Arzt unmöglich zur Organspende raten (oder davon abraten) im Rahmen einer kassenärztlichen Konsultation. Wie schwierig diese Gespräche sind, habe ich in mehreren Gesprächen zum Zweck einer Lebendorganspende erfahren. Man kann ein solches Gespräch entweder nur oberflächlich halten ("dann machen Sie mal, ist ja eine gute Sache") oder komplex ("haben Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partnher geredet? Sehen Sie für sich persönlich religiöse oder medizinische Konflikte? etc.").

Hinzu kommen Probleme, die ich selbst und andere Ärztinnen und Ärzte haben mit Dingen wie der Hirntod-Debatte. In meinen Augen sind alle Organspenden Lebendspenden - soll ich das in einem Beratungsgespräch so weitergeben, oder mich zurückziehen hinter eine Position, die nicht meine ist?

Es geht nichts daran vorbei, daß das Thema immer noch nicht ausdiskutiert ist. Der Spagat zwischen potentiell spendebereit und faktisch noch keinen Spenderausweis besitzend ist immer noch da, und er nimmt eher zu "dank" der Spahn'schen Idee der "Zwangsorganentnahme".

Die Aufklärungsarbeit wird trotzdem sehr wohl gefördert durch die momentane Debatte. Auch deswegen respektiere ich Ihren Vorschlag, obwohl ich ihn nicht für zielführend halte.
Jetzt müßte die breite Diskussion nicht allein im Bundestag, sondern in der Bevölkerung losgehen.
Am Ende könnten allerdings ganz andere Ergebnisse stehen als die gerade vorgelegten drei Anträge im Bundestag.
Es könnte sein - und ich wünsche mir das - daß die Hirntod-Diagnose ad acta gelegt wird, weil sie unwahr ist, und es könnte sein, daß die Deutsche Gesellschaft für Organspende abgeschafft wird.

Für diesen Brief habe ich so viel Zeit gebraucht, wie ich vermutlich in jeder Einzelgespräch stecken würde - kann man das kostendeckend zu Lasten der Solidargemeinschaft verantworten?

Mit kollegialen Grüßen,
Ihr
Karlheinz Bayer zum Beitrag »
[27.06.2019, 10:13:26]
Dr. Steffi Bitter-Suermann 
Verdrängung bedingt keine Entscheidung 
Als transplantierte Kollegin bin ich entsetzt, immer und immer wieder die Gegenstimmen zur Widerspruchslösung zu hören und zu lesen.
Die Zustimmung in der Bevölkerung zur Organspende ist im direkten Gespräch sehr oft gegeben. Aber die meisten verdrängen und verschieben allein die Entscheidung, einen Organspendeausweis herunterzuladen und auszufüllen bzw. anzufordern, weil man Entscheidungen wie diese immer wieder verschiebt bis wirklich eine Situation eintritt, in der man sich aktiv damit befassen muss. Verdrängung ist einfach und der Mensch ist Perfektionist auf diesem Gebiet.
Was ist so falsch daran, eine solche Entscheidung aktiv durch "Konfrontation" mit der Frage "Willst Du Organspender sein?" z.B. bei Abholung des Personalausweises oder Führerscheins herbeizuführen? Nichts, wenn man mal ehrlich darüber nachdenkt. Es tut in einer solchen Situation nicht weh und jeder, der einen Ausweis beantragt oder die Führerscheinprüfung ablegt, weiß, dass er sich zu dieser Frage äußern muss.
Stattdessen nehmen wir als Gesellschaft in Kauf, dass gesunde Menschen, die sich z.B. aktiv für eine Nieren-Lebensspende entscheiden, weil die Wartezeiten für eine Nierentransplantation unerträglich lang sind, unnötig einem medizinischen Risiko aussetzen. Ist DAS etwa ethisch vertretbar?
Seriöse und sachliche Informationen zur Organspende zu finden, ist heutzutage kein Problem mehr. Ich bitte jeden darum, sich einmal ernsthaft in die Situation zu versetzen, dass ein naher Angehöriger oder Partner eine Organspende benötigt. Das sollte ganz schnell zu einer Entscheidung führen, ob man einer Organspende zustimmt oder sie ablehnt. Bei Betrachtung der Wartezeiten für ein Organ, ist die Zustimmung zur Widerspruchslösung dann konsequent. zum Beitrag »
[27.06.2019, 09:33:30]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Verfassungswidrige Widerspruchslösung ist zusätzliches Problem und nicht Lösung 2.0 
Bedauerlicherweise war es die Transplantations-Medizin selbst, die zu krisenhaftem Mangel an Spenderorganen, Manipulationsverdacht bzw. fehlender Transparenz und mangelnder medizinethischer Orientierungen in der Transplantationsmedizin geführt hat. Aber auch die hin und her lavierende Politik hat mit dazu beigetragen: Gestern noch die verfassungskonform qualifizierte, freiwillige Entscheidungs- und Zustimmungslösung, heute schon die "doppelte Widerspruchslösung"?

Informationelle Selbstbestimmung
Doch die „Widerspruchslösung“ verstößt gegen die "informationelle Selbstbestimmung" und weitere Persönlichkeitsrechte: Sie wird m. E. spätestens vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe scheitern. Jede(r) von Geburt an potenzielle Organspender wäre z. B. ab dem 16. Lebensjahr von Staats wegen annektiert, wenn er nicht ausdrücklich widerspräche. Besonders perfide: Nicht Einsichts-, Geschäfts- und Entscheidungs-fähige Personen wie Kinder, Jugendliche, körperlich und geistig Behinderte, Benachteiligte und Patienten mit demenziellen Syndromen müssen Ihre Organe unreflektiert zur Verfügung stellen, ohne jemals die Chance zu haben, diesem Ansinnen bewusst widersprechen zu können.

Perimortale Organspende
Ursache mangelnder Organspende-Bereitschaft ist in Deutschland nach wie vor die fehlende gesellschaftspolitisch transparente Debatte über bio-psycho-soziale Auswirkungen der Transplantationsmedizin. Bei möglichst lebensfrischen, transplantablen Spenderorganen mit zu Recht geforderten, guten Erfolgsaussichten bei den Organempfängern kann es keine, wie selbst von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn immer wieder behauptete "postmortale", sondern nur eine p e r i m o r t a l e Organspende geben. Verantwortliche Fachärzte-Teams, die den Hirntod feststellen, bzw. die Organ-Ex- oder -Implanteure, deren chirurgisch-fachliche Qualifikation ich nicht in Frage stellen will, bewegen sich auf einem denkbar schmalen Grat zwischen Leben und Tod; zwischen Hirntodfeststellung, Entscheidungsfindung und Transplantations-Geschehen.

Mehr Organspende-Bereitschaft wagen
Will man "mehr Organspende-Bereitschaft wagen", geht das nur mit Stetigkeit, Beharrlichkeit, Überzeugungskraft, Selbst-Reflexion, Nachhaltigkeit, Perspektive, Mut u n d Offenheit. In einer säkularen Gesellschaft sind als einseitige Lebensverlängerung eine "Wiedergeburt" (Transplantationsmediziner Prof. E. Nagel) genauso wie eine "moralisch-ethische Pflicht zur Organspende" oder ein "Ja" oder "Nein" ebenso spekulativ wie appellativ unwirksam.

Nur ein „toter Organspender“ ist ein „guter Organspender“?
Die ohne Not in die Debatte geworfene "doppelte Widerspruchslösung" reflektiert einen patriarchalen/matriarchalen Fundamentalismus bzw. Utilitarismus im Sinne von „nur ein toter Organspender ist ein guter Organspender“. Sie wird in Spanien gar nicht in dieser Form verwirklicht, wie eine Gruppe von Parlamentariern jüngst feststellen musste: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/organspende/article/975345/organspende-spanien-widerspruchsloesung-erfolgreich.html
Die Widerspruchslösung offenbart in der medizinischen Grenzsituation einer primären oder sekundären Reanimation unauflösbare medizinisch-ethische Zielkonflikte. In den Diskurs gehört auch das immer wieder selbst von einigen Ärztinnen und Ärzten öffentlich vorgetragene Argument, eine Selektion von zur Organspende bereiten und nicht bereiten Personen einzuleiten: In dem Sinne, dass "wer sich nicht selbst zur Organspende bereit erklärt, auch keine fremden Organe bekommen solle". Dies verkennt neben dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung, dass viele unserer Patientinnen und Patienten auf Grund von wesentlichen, bedrohlich lebensverkürzenden Erkrankungen selbst niemals als potenzielle Organspender, sondern nur als Organempfänger in Frage kämen.

Respekt für flankierende Maßnahmen
Bei allem Respekt, auch wenn die bisherige, verfassungskonforme Entscheidungs- und Zustimmungslösung von einer breiten Mehrheit im Deutschen Bundestag durch eine m. E. verfassungswidrige Widerspruchslösung ersetzt würde, müsste die Bereitschaft zur Organspende durch endlich von der Bundesregierung verabschiedete flankierende Maßnahmen verbessert werden. Dazu gehören die finanzielle und ideelle Aufwertung der Transplantationsbeauftragten in den Kliniken und die bessere Ausstattung von Explantations-Teams. Die GKV-Krankenkassen haben offenkundig viel zu lange und unverantwortlich „totgespart“, um die hohen logistischen und finanziellen Aufwendungen der Transplantationsmedizin zu konterkarieren.

Und wenn wie bisher auch weiterhin Manipulationen praktiziert werden, bzw. auch nur der Hauch eines Verdachts der Diskriminierung Organspende-unwilliger Betroffener entsteht, bricht die Organspende-Bereitschaft, ob mit Zustimmungs- oder Widerspruchslösung erneut zusammen. Die nicht nur meines Erachtens verfassungswidrige Widerspruchsloslösung ist ein weiteres Problem und nicht die Lösung, die sie zu sein vorgibt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Vgl. dazu:
https://www.bpb.de/apuz/33313/organspende-toedliches-dilemma-oder-ethische-pflicht-essay?p=all
 zum Beitrag »
[27.06.2019, 09:26:08]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die Neu-Fassung des Paragrafen 219a ist und bleibt ein Desaster  
Die Neu-Fassung des Paragrafen 219a hat nach angeblich umfänglichen Diskussionen in der Großen Koalition zu einem weiteren "faulen" Kompromiss als "Gesetzes zur Verbesserung der Information über einen Schwangerschaftsabbruch" vom 22.03.2019 (BGBl. I S. 350) geführt. In Kraft getreten am 29.03.2019, bringt der aktuelle § 219a mehr Desinformation der Öffentlichkeit, Verwirrung der Ratsuchenden, juristischen Unfug und einen unsachgemäß breiten Interpretationsspielraum, anstatt wie ursprünglich geplant, ersatzlos gestrichen zu werden.

Im Wortlaut: "§ 219a - Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise
1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder
2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung
anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Absatz 1 Nr. 1 gilt nicht, wenn Ärzte oder auf Grund Gesetzes anerkannte Beratungsstellen darüber unterrichtet werden, welche Ärzte, Krankenhäuser oder Einrichtungen bereit sind, einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 vorzunehmen.

(3) Absatz 1 Nr. 2 gilt nicht, wenn die Tat gegenüber Ärzten oder Personen, die zum Handel mit den in Absatz 1 Nr. 2 erwähnten Mitteln oder Gegenständen befugt sind, oder durch eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wird.

(4) Absatz 1 gilt nicht, wenn Ärzte, Krankenhäuser oder Einrichtungen
1. auf die Tatsache hinweisen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 vornehmen, oder
2. auf Informationen einer insoweit zuständigen Bundes- oder Landesbehörde, einer Beratungsstelle nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz oder einer Ärztekammer über einen Schwangerschaftsabbruch hinweisen." (Zitat Ende)
https://dejure.org/gesetze/StGB/219a.html

- Nach wie vor bezieht sich der § 219a, Absatz 1, in seinem Wortlaut unverändert auf eine Zeit, in der jeder Schwangerschaftsabbruch illegal war und pönalisiert wurde.

- Die Ausnahmetatbestände des legalen Schwangerschaftsabbruchs nach § 218a Absatz 1 bis 3 könnte man rechtstheoretisch zwar mit einem "§ 219a - Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft" flankieren wollen.

- Dann muss aber ein reformierter § 219a auch klarstellen, dass "Informationen" über einen medizinisch möglichen Sachverhalt nicht zugleich zwangsläufig "Werbung" bedeuten.

- Juristische Exegese, Semiotik und Sprachkultur sind eindeutig: Nur unter intellektueller Missachtung der unterschiedlichen Begrifflichkeiten von „Information“ und „Werbung“ könnte man Ärztinnen und Ärzten vorwerfen, gegen §219a StGB zu verstoßen.

Im digitalen Informations-Zeitalter bedeuten m.E. die juristischen Folgen des reformierten § 219a StGB weiterhin ein rechts- und gesellschaftspolitisches Einknicken vor fanatisch-fundamentalistischen Lebensschützer-Positionen bzw. eine Revision von Frauenrecht und reproduktiver Selbstbestimmung.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
vor1 2 3 4 5 6 7 8 9 10vor