Zehn Jahre GBA: Die (un-)heimliche Macht im Gesundheitswesen
Vor zehn Jahren wurde der Gemeinsame Bundesausschuss grundlegend reformiert. Seitdem ist sein Einfluss auf die reale Kassenmedizin stets gewachsen. Doch auch heute noch wird die Macht des GBA vielfach unterschätzt. Wir blicken zurück.

Leserkommentare [1]

[22.01.2014, 14:13:09]
Nikolaus Huss 
Think twice.  
Nie war in der Gesundheitspolitik mehr Einvernehmlichkeit wie heute. Die Bürgerversicherung hat sich als Rohrkrepierer erwiesen, jetzt wird das Gesundheitswesen konsensuell weiteradministriert. Helmut Laschet hat Recht. Nach zehn Jahren, in denen der GBA seine friedensstiftende Rolle immer weiter ausbaut, müssen wir lernen, wieder in Alternativen zu denken. Denn Zentralisierung und Formalisierung der Entscheidungen, auch wenn sie im Zeichen von Evidenz based medicine stattfinden, haben einen Preis. Der lautet: Langsamkeit und Durchschnittlichkeit. Im GBA organisieren sich Bestandsinteressen, wir stehen aber vor einer Phase der Veränderung. Noch immer werden auf Bundesebene Entscheidungen standardisiert, die vor Ort schon längst nicht mehr greifen. Immer stärker greift die Honorierung und ihre Voraussetzung, Leistungstransparenz und Qualitätsmessung, in Abläufe vor Ort ein. Es wird Zeit, in Alternativen zu denken. Intrensische Motivation und Spielräume für dezentrale Lösungen wären Ansatzpunkte, entschiedene politische Rahmensetzungen, damit Ärzte und Kliniken die Freiheiten haben, in diesem Rahmen kooperativ und konkurrierend die beste Lösung zu finden.

Dann macht Medizin und Gesundheit denen wieder Freude, die an und mit den Patienten arbeiten. Und nicht nur den Spitzenfunktionären, die zumeist die Schlachten von Gestern schlagen.

Die Mayo Kliniken, das hat der aktuelle BMC Kongress gezeigt, machen es vor. Jetzt liegt es an der deutschen Gesundheitspolitik, sich Gedanken zu machen, wie der ständige Wunsch, besser zu werden, zum Fundament eines erneuerten Gesundheitswesens wird. Nicht mehr GBA, sondern wie sich der GBA in einem leistungsorientierten Gesundheitswesen überflüssig machen kann, das sollte die Debatte der nächsten 10 Jahre bestimmen. Denn weniger ist manchmal mehr!

Nikolaus Huss, KovarHuss Policy Advisors GmbH, Berlin

P.S. Einen vollständigen Überblick über den Regierungsvertrag und eine erste Einschätzung: www.kovarhuss.de/gesundheit18-0 zum Beitrag »