Blick in die Zukunft: Die Praxis 2025 ist digital
Der Patient der Zukunft kommt mit einer fertigen Diagnose in die Praxis. Das muss laut Trendforscher Torsten Rehder gar nicht zum Nachteil der Ärzte sein: Die Technologie wird vielmehr zum verlängerten Arm des Arztes in der Therapie. Wir wollen Sie daher mit auf eine Reise in die Praxis 2025 nehmen.

Leserkommentare [2]

[05.07.2015, 19:48:42]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
wann wird endlich auch der Patient digital? 
"Die Politik" möchte unbedingt den Arzt digital machen, vielleicht damit er endlich auf Knopfdruck reagiert?
Der Patient wird ja geschützt durch den gesetzlich etablierten "unabhängigen?" Patientenschützer.
Vielleicht sollten sich die Ärzte auch so einen Arztschützer zulegen. zum Beitrag »
[03.07.2015, 13:59:21]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Blick in die Zukunft? - Eher ein Blick in die Glaskugel?  
Nicht nur die Praxis, sondern auch das Leben wird 2025 digital sein:
6.00 morgens, das Bett vibriert automatisch, um die vom Matratzensensor erkannten muskulären Rückenverspannungen zu lösen.
6.10 Der japanische Urinanalyser unter dem beheizbaren WC-Sitz mit Massagedüsen und Gesäßtrockner misst den persönlichen Gesundheitszustand. Urinwerte, Blutdruck, Körpertemperatur und Gewicht werden erfasst, noch während der Benutzer sein Geschäft verrichtet. Wegen auffälliger Alkoholausscheidung (feucht-fröhliche Geburtstagsfeier am Vorabend) geht eine automatisierte Mail an das zuständige Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) und an den Arbeitgeber, da der Betroffene als Verkehrspilot arbeitet und somit für heute gesperrt ist.
6.30 Da der implantierte Schrittzähler ein Minus von 2.000 Schritten aufweist, wird die automatische Frühstücksausgabe kalorienmäßig reduziert.
6.35 Der rein präventiv implantierte VCD-Schrittmacher gibt einen kurzen Stromstoß ab, weil beim zu hastigen Trinken von eiskaltem Wasser ein Vagusreiz ausgelöst wurde.
6.55 Das Auto fährt über Induktionsschienen gesteuert aus der Tiefgarage vor.
7.55 Das Gesichts- und Pupillen-Erkennungssystem ergibt eine leichte Anisokorie und einen diskreten feinschlägigen Nystagmus. Der PKW fährt automatisch zum MVZ und sendet per Auto-SMS eine dringende Terminanfrage.
8.15 Der Arzt im MVZ, ebenfalls um 6.00 per Rückenmassage aus dem Schlaf gerissen (gestern war ein langer OP-Tag), versucht verzweifelt, eine elektronische Liste mit 50 Terminanforderung nach Dringlichkeit zu priorisieren. Schon früher, als er noch auf dem Notarztwagen fuhr, waren bis zu 80 Prozent der Einsätze ohne eigentliche Dringlichkeit. Jetzt werden allerdings die Patienten im Minutentakt per Drohne eingeflogen.

Das war jetzt mein Blick in die Glaskugel der Zukunft. Die medizinisch-ärztliche Welt der Krankheiten, der Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnostik und multidimensionalen Therapien ist allerdings gar n i c h t digital, sondern analog. Selbst digitale Palpationstechniken und Untersuchungen sind nun mal ein rein analoges Vorgehen.

Unsere Kernkompetenz sind Zehntausende von Krankheits-Entitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlungen, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Asthma/COPD, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischer/diastolischer/pulmonaler Hypertonie, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Carotisstenosen, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten mit Komplikationen, Addison-Krisen, Thyreotoxikosen, Rheuma, Kollagenosen, endokrinen Störungen, Nierenversagen, Neuropathien, Systemerkrankungen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten, chronischen Schmerzen usw. usf.

Medizinische "Gesundheits"-Apps, E-Health und Telemedizin bzw. die gesamte Digitalisierung des Gesundheitswesens sind nur Hilfsmittel und notwendiges Accessoire. Prozess- und Ergebnisqualitäten in der Humanmedizin werden aber eher durch analoge Kommunikations-, Interaktions-, Kontemplations-, Empathie- und Reflexionsfähigkeit bzw. selbstkritische Wahrnehmungsfähigkeit bei Ärzten und Patienten definiert.

Digitalisierung der gesamten Medizin, Apps, Telemedizin-Anwendungen und E-Health-Gesetz berücksichtigen nicht unsere bewegungseingeschränkten, teilhabegeminderten, bio-psycho-sozial benachteiligten, EDV-fernen, älteren, multimorbiden Patientinnen und Patienten. Ärztliche, psychotherapeutische, pflegerische und physiotherapeutische Professionen, deren Empathie- und therapeutisch interventionellen Fähigkeiten sind grundsätzlich analoger Natur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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