Zeckengenom sequenziert: Neuer Ansatz für Therapie bei Borreliose?
Das Genom der Lyme-Borreliose-übertragenden Hirschzecke hat ein internationales Team von Wissenschaftlern nach zehn Jahren Forschungsarbeit vollständig entschlüsselt (Nat. Comm. 2016; 7:10507).

Leserkommentare [1]

[26.02.2016, 13:46:33]
Ursula Dahlem 
Fehlende verlässliche Zahlen  
Es gibt in Deutschland wenig belastbares Material über die tatsächlichen Inzidenzen zur Lyme-Borreliose beim Menschen. Deshalb werden Inzidenzen von 60 000 bis >200 000 angenommen. Zur Prävalenz der Lyme-Borreliose gibt es überhaupt kein belastbares Datenmaterial.

Es verwundert, woher die Aussage stammt, dass "tausende Todesfälle bei Mensch und Tier" auftreten. In anderen Ländern gibt es durch Zeckenstiche anderer Spezies durchaus gravierende Fälle, die aber für Deutschland nicht beschrieben sind. Z.B kommt es in Australien zu Zeckenunfällen mit den dort heimischen Spezies, die sehr schnell zum Tode führen können. Das sollte nochmal genauer recherchiert werden.

Daneben gibt es einzelne Todesfälle beim Menschen durch FSME in Deutschland.

Die kompletten Auswirkungen von unzureichend oder nichtbehandelten Zeckenerkrankungen in Europa sind bislang nicht hinreichend bekannt, ebenso nicht die Dunkelziffer von unerkannten Erkrankungen, die bei Lyme-Borreliose zur mitunter schwer heilbaren Spätform der Lyme-Borreliose führen kann. Persistierende Beschwerden nach Behandlung einer Lyme-Borreliose sind von einer persistierenden Infektion durch Borrelien nach unzureichender Behandlung nur unzulänglich zu unterscheiden.

Die frühzeitige und ausreichende antibiotische Behandlung einer Lyme-Borreliose ist derzeit die wichtigste Therapie, um Spätfolgen nach Möglichkeit zu vermeiden. Die klinische Entscheidung über eine notwendige antibiotische Behandlung ist in der Frühphase von besonderer Bedeutung, da Antikörper nach Infektion oft erst spät gebildet werden und nicht zur Erkennung in der Frühphase verlässlich herangezogen werden können. Es wäre begrüßenswert, wenn die Forschung in dieser Richtung forciert würde. Ein Impfstoff ist in der Entwicklung, aber es gibt keine Informationen wann dieser marktreif ist. Ebenso schützen borrelienspezifische Antikörper, wie sie bei einer Infektion gebildet werden, nicht vor neuerlichen Infektion mit Borrelien .

Die FSME lässt sich durch Impfung vermeiden, tritt aber nicht in ganz Deutschland auf und ist auch nur auf Risikogruppen uneingeschränkt zu empfehlen.

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