Metaanalyse: Bei Halsschmerzen zusätzlich einmalig ein Kortikosteroid!
Patienten mit Halsschmerzen, etwa bei einer Pharyngitis, profitieren von der einmaligen Behandlung mit einem Kortikosteroid zusätzlich zur Standardherapie.

Leserkommentare [1]

[17.10.2017, 21:40:49]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Eine Studie, die nicht nur "Halsschmerzen" verursacht!  
Die Publikation: "Corticosteroids for treatment of sore throat [Halsschmerzen]: systematic review and meta-analysis of randomised trials" von Behnam Sadeghirad et al.
http://www.bmj.com/content/358/bmj.j3887
ist ein Musterbeispiel an wissenschaftlicher
- Schlampigkeit
- Unsystematik
- wissenschafts- und erkenntnistheoretischer Unbedarftheit.

Warum komme ich zu diesem vernichtenden Urteil?
Das ist keine prospektive, randomisierte, gegen Placebo kontrollierte RCT-Studie, sondern eine rein Datenbank-basierte, hochselektive Literatur-Exegese. Die elektronische Datenbank-Recherche ergab 2.633 Treffer und 2 manuell recherchierte Quellen. 286 Duplikate mussten entfernt werden. Damit flossen von 2.635 mit 0,38 Prozent nur ganze 10 Arbeiten in diese reine Literatur-Metaanalyse ein.

Eine definierte Standard-Therapie bei "Halsschmerzen", zu der laut Autorenteam (doppelblind??) eine add-on Therapie mit bis zu 1 x Dexamethason 10 mg Äquivalent oral oder gar als i.m. Injektion (?) hinzugetreten sein sollen, gibt es weder in der Weltliteratur noch in der hier diskutierten BMJ-Studie. Auch sind Halsschmerzen keine spezifische Krankheit, sondern ein völlig unspezifisches Symptom, welches nicht mal eben allein auf virale, bakterielle, mykotische Infektionen heruntergebrochen werden kann. Auf der anderen Seite inkludiert die Metaanalyse auch klassische Antibiotika-pflichtige Streptokokken-Infektionen und andere gefährlich abwendbare Verläufe bis hin zur Pneumonie bzw. negiert z.B. Refluxkrankheit-bedingte und sonstige  Halsschmerzen.

Bei monatlich wiederholten Halsschmerzen würden laut der Studienautoren-Empfehlung 120 mg Dexamethason pro Jahr verabreicht werden. Grundsätzlich haben Glucokortikoide endokrinologisch relevante, Immunabwehr-verringernde,  euphorisierende, antientzündliche, Gluconeogenese- und Knochenabbau-fördernde Risiken und Nebenwirkungen. Ein spezifisch Halsschmerzen-lindernder Pathomechanismus wird in dieser Metaanalyse nicht herausgearbeitet.

In krassem Gegensatz zum großspurigen BMJ-Titel liest sich die Schlussfolgerung der Autoren auch seltsam kleinlaut, vorsichtig und einschränkend zurückhaltend: "Conclusion - Single low dose corticosteroids can provide pain relief in patients with sore throat, with no increase in serious adverse effects. Included trials did not assess the potential risks of larger cumulative doses in patients with recurrent episodes of acute sore throat."

Das disqualifiziert "Corticosteroids for treatment of sore throat: systematic review and meta-analysis of randomised trials" vollends und relativiert ÄZ-Überschrift und -Intro: "Bei Halsschmerzen zusätzlich einmalig ein Kortikosteroid! - Patienten mit Halsschmerzen, etwa bei einer Pharyngitis, profitieren von der einmaligen Behandlung mit einem Kortikosteroid zusätzlich zur Standardherapie. Das bestätigen die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse" in der Ärzte-Zeitung des von mir ansonsten hochgeschätzten ÄZ-Autors Peter Leiner. 

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »