Medizinethik: Weltärztebund modernisiert Genfer Gelöbnis
Ärzte sollen medizinisches Wissen teilen, aber auch die eigene Gesundheit achten. Das ist der Haupttenor des modernisierten Genfer Gelöbnisses.

Leserkommentare [1]

[22.10.2017, 13:16:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Aktualisierte, erweiterte Fassung des Arztgelöbnisses:  
"The Physician’s Pledge
AS A MEMBER OF THE MEDICAL PROFESSION:
I SOLEMNLY PLEDGE to dedicate my life to the service of humanity;
THE HEALTH AND WELL-BEING OF MY PATIENT will be my first consideration;
I WILL RESPECT the autonomy and dignity of my patient;
I WILL MAINTAIN the utmost respect for human life;
I WILL NOT PERMIT considerations of age, disease or disability, creed, ethnic origin, gender, nationality, political affiliation, race, sexual orientation, social standing or any other factor to intervene between my duty and my patient;
I WILL RESPECT the secrets that are confided in me, even after the patient has died;
I WILL PRACTISE my profession with conscience and dignity and in accordance with good medical practice;
I WILL FOSTER the honour and noble traditions of the medical profession;
I WILL GIVE to my teachers, colleagues, and students the respect and gratitude that is their due;
I WILL SHARE my medical knowledge for the benefit of the patient and the advancement of healthcare;
I WILL ATTEND TO my own health, well-being, and abilities in order to provide care of the highest standard;
I WILL NOT USE my medical knowledge to violate human rights and civil liberties, even under threat;
I MAKE THESE PROMISES solemnly, freely and upon my honour."

Mit "THE HEALTH AND WELL-BEING OF MY PATIENT" rückt erneut eine Fehlentwicklung bisheriger Arztgelöbnisse in den Focus:
VERLEUGNUNG VON KRANKHEIT, CHRONISCHEN LEIDEN, TEILHABEVERLUST, SIECHTUM und TOD!

Wir Ärztinnen und Ärzte sind mitnichten für weltumspannende Gesundheit und bio-psycho-soziales Wohlbefinden ausgebildet, trainiert und qualifiziert. Der ausschließliche Gesundheitsaspekt negiert unsere Kernkompetenzen innerhalb der verschiedenen medizinischen Professionen. Ärztinnen und Ärzten sind gemeinsam mit den uns anvertrauten Patienten/-innen in Klinik, Forschung & Entwicklung, Praxis, Krankheitsbewältigung, Krankenversorgung, Krankenhauskonzernen, MVZ, medizinisch-technischen und medizinisch-pharmazeutischen Industriekomplexen, aber auch in der sogenannten Gesundheitsbürokratie in erster Linie mit den Auslösern, Ursachen und klinischen Manifestationen von Krankheiten bzw. Krank-Sein unserer Patienten involviert. Unser "Kerngeschäft" mit zum Teil detektivischer Anamnese, Untersuchung, Differenzial-Diagnose, Beratung, multidimensionalen Therapie, Palliation, privat- und vertragsärztlicher Praxis, Krankenhäuser und Universitätskliniken wurde und wird von allen Vertretern der alleinigen Aspekte „Gesundheit“ und „Gesundbeten“ m.E. falsch eingeschätzt.

Das DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) beschreibt einige zehntausend Krankheitsentitäten nach der Internationalen ICD-10-GM-Nomenklatur: Nach dem aktuellen ICD-Diagnosen-Thesaurus
http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-gm/index.htm
und
http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/downloadcenter/icd-10-gm/version2018/aktualisierung/x1gap2018.zip
werden über 32.00 beschrieben. Die aktuelle Version der ICD-10 GM 2017 listet in seiner Systematik ca. 13.400 endständige Kodes auf und verfügt in seinem ICD-10 Alphabet über ca. 76.900 Einträge in der EDV-Fassung.

Unsere Kernkompetenzen sind die Zehntausenden von Krankheitsentitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlung, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischen/diastolischen/pulmonalen Hypertonien, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten und Komplikationen, Addison-Krisen, anderen endokrinen Störungen, Nierenversagen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten/Prionen oder chronischen Schmerzen, um nur Einiges zu nennen.

Medizinische Wissenschafts- und Erkenntnistheorie entwickelt sich weiter zu Bewältigungsstrategien von Krankheit, nicht von Gesundheit. Da hilft auch eine wie auch immer geartete "Health Literacy" unseren Patienten/-innen nicht weiter. Zumal sich medizinische Erkenntnisse in Anamnese, Untersuchung, Differenzialdiagnostik, Labor, Apparate-Medizin, Psychosomatik, mehrdimensionaler Therapie, Schmerzlinderung, Palliation und Sterbebegleitung permanent fortentwickeln, verändern, in Frage stellen oder revidieren lassen müssen.

Trotzdem wird in Medien, Politik und Öffentlichkeit insbesondere von Medizinbildungs- und Versorgungsfernen Schichten in Wissenschaft und Praxis immer so getan, als ob Patienten selbst alleine wesentlich klüger und allwissender sein müssten bzw. könnten, als ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Ein einheitlich zuverlässig beurteilbares Laien- und Expertenwissen kann es aber, wie in allen anderen Wissenschaftsdisziplinen auch, schon gar nicht in der Humanmedizin mit ihrer ständig changierenden "conditio humana" geben.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

http://news.doccheck.com/de/blog/post/2591-kranke-gesundheit-gesunde-krankheit/
 zum Beitrag »