Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Dritte Geschlechtsoption – Betroffene jubeln
Organisationen für Intersexuelle jubeln: Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass der Gesetzgeber eine dritte Geschlechtsoption schaffen muss. Über die gesellschaftliche Diskriminierung Betroffener wurde bislang kaum gesprochen.

Leserkommentare [1]

[10.11.2017, 11:52:24]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Traue keiner Statistik? 
Statistische Erhebungen zur Prävalenz von Intersexualität gibt es für Deutschland unter anderem deshalb nicht, weil es bei intersexuellen Menschen nicht allein um Variationen der Geschlechtsmerkmale gehen kann, sondern um deren Zuordnungsfähigkeit.

Die Angabe, dass bundesweit angeblich rund 160.000 Menschen, also etwa 0,2 Prozent, in Deutschland mit Varianten der Geschlechtsentwicklung personenstandrechtlich keinem Geschlecht eindeutig zuzuordnen sind, entbehrt jeder Grundlage. Denn angeborene Fehlbildungen der Genitalorgane ohne zweifelbehaftete Zuordnung der Geschlechtsidentität fallen ebenso wenig darunter wie Transgender-, Transsexualität- oder "Gender Dysphorie Syndrom"-Betroffene.

Bei 82 Millionen Einwohnern in Deutschland und einer angenommenen Prävalenz der Intersexualität von 1 auf 2.500 bis 5.000 Geburten, wären von dieser Situation zwischen 16.400 und 32.800 Personen in Deutschland unmittelbar betroffen. Nur für diesen Personenkreis mit einem "Dritten Geschlecht" hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe als letzte und höchste Instanz das im Grundgesetz verankerte Persönlichkeitsrecht unter AZ: 1 BvR 219/16 angewendet.

Der Gesetzgeber ist unmissverständlich aufgefordert worden, bis Ende 2018 eine Neuregelung für Menschen mit einer "positiven Bezeichnung eines 3. Geschlechts" zu verabschieden.

Mf+kG, Dr.med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

"Eine niederländische Studie kam 2014 zu dem Ergebnis, dass einer von 200 Menschen eine Variation der Geschlechtsmerkmale besitzt", müsste in der Ärzte Zeitung schon zitierfähig benannt werden. Auch wenn Moritz Schmidt solche Statistiken für irrelevant hält.
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