Prävention: Influenza versechsfacht das Risiko für einen Herzinfarkt
Das hohe Herzinfarkt-Risiko bei Grippe wurde jetzt erstmals in einer Studie mit laborbestätigter Influenza belegt. Das stärkt die Evidenz für Impfungen als Herzkreislauf-Prävention.

Leserkommentare [1]

[29.01.2018, 13:57:17]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Infektiologisch-kardiovaskuläres Dilemma? 
Wenn laut "Acute Myocardial Infarction after Laboratory-Confirmed Influenza Infection" von Jeffrey C. Kwong et al.
N Engl J Med 2018; 378:345-353 DOI: 10.1056/NEJMoa1702090
eine serologisch nachgewiesene, akute Influenza das Risiko für einen Herzinfarkt versechsfacht, müssten wir bei den epidemiologischen Verhältnissen in Deutschland mit unzureichender Influenza-Durchimpfungsrate und zusätzlich mit einem insuffizienten, derzeit trivalenten Impfstoff in dieser Saison erheblich mehr Myokardinfarkte erwarten.

Die Schutzwirkung der trivalenten Grippe-Impfung beträgt u.a. wegen der derzeit zirkulierenden Influenza A(H3N2)-Stämme nur 17 Prozent. Deshalb empfiehlt das Europäische Centre for Disease Prevention and Control gemeinsam mit der WHO dringlich für die nächste Saison bei der A(H3N2)-Komponente den Wechsel von A/Hong Kong/4801/2014 auf A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016, beim Influenza-B-Subtyp den Wechsel von B/Victoria auf B/Yamagata.

Patientinnen und Patienten mit klinisch eindeutigen INFLUENZA-Symptomen und -Nachweisen bekommen bei mir, wie z. B. seit Jahren in den USA, unter Abwägung von Chancen und Risiken eine antivirale spezifische Therapie
Vgl. dazu
"MEDIZIN: Originalarbeit – Antivirale Arzneimittel bei saisonaler und pandemischer Influenza – Ein systematisches Review"
"Antiviral medications in seasonal and pandemic influenza—a systematic review"
Dtsch Arztebl Int 2016; 113(47): 799-807; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0799 von Lehnert, Regine et al.

Auch eine Metaanalyse vom 29. 1. 2015 online in THE LANCET von Joanna Dobson et al. unter dem Titel "Oseltamivir treatment for influenza in adults: a meta-analysis of randomised controlled trials" publiziert, gefördert von der Pharmaindustrie-unabhängigen MUAGS ["Funding – Multiparty Group for Advice on Science (MUGAS) foundation"], bringt Licht in die verworren-widersprüchliche Datenlage um Oseltamivir als Neuraminidase-Hemmer.
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(14)62449-1/fulltext

Sollte man da nicht die Indikation für Oseltamivir großzügiger stellen, auch um mehr Herzinfarkte zu verhindern?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund



 zum Beitrag »