Analyse: So viele Mädchen sind genitalverstümmelt
Zum Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung hat eine Stiftung bekannt gegeben, wie viele Frauen davon betroffen sind – und wo der Eingriff noch praktiziert wird.

Leserkommentare [1]

[08.02.2018, 15:25:02]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
DSW, UN, WHO und Terre des Femmes ohne Gender-Neutralität? 
Wenn nach Schätzungen der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, der Vereinten Nationen, der
Welt­gesund­heitsorgani­sation und anderen Vereinigungen  weltweit rund 200 Millionen Frauen, Jugendliche und weibliche Kinder von Genitalverstümmlung betroffen sind, fehlt die an so vielen anderen Stellen geforderte, gesundheits-, wissenschafts-, erkenntnis- und sozialpolitisch begründete Gender-Neutralität.

Denn auch die Beschneidung von männlichen Säuglingen, Kindern und Jugendlichen mit (Teil-)Entfernung der Vorhaut werden vielerorts überwiegend religiös motiviert unisono bei Moslems und Juden z. T. mit archaischen, einfachen Hilfsmitteln oder Rasierklingen durch Laien-Beschneider durchgeführt.

Verwunderlich ist und bleibt eine gender-spezifische, unreflektierte Rechtslage in Deutschland: Die weibliche Genitalver­stümme­lung ist ein Straftatbestand und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Eine eventuelle Einwilligung der Betroffenen bzw. ihrer Erziehungsberechtigten in den Eingriff entfaltet keine rechtfertigende Wirkung. Die Tat verstößt trotz der Einwilligung laut Paragraph 228 des Strafgesetzbuches (§228 StGB) gegen die "guten Sitten". Insbesondere Eltern drohen im Zusammenhang mit dem Eingriff je nach Tatbeitrag erhebliche strafrechtliche Konsequenzen.

Das Korrelat zur weiblichen Genitalverstümmelung, die Vorhautbeschneidung bei eindeutig nicht einwilligungsfähigen männlichen Kindern, ist als jahrtausendealtes, wesentlich kleineres, komplikationsärmeres Ritual nicht grundsätzlich anders zu betrachten.

Dennoch wird hierzulande und anderswo die Religionsfreiheit der Eltern aus reinen Opportunitätsgründen über das Recht auf Integrität, Gesundheit und körperliche Unversehrtheit des Kindes gestellt, bzw. von einer Strafverfolgung nach §228 StGB (Verstoß gegen die "guten Sitten") abgesehen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »