Kontrollierte Studie: Ausreichend Folsäure schützt Hypertoniker vor Schlaganfall
Hypertoniker mit niedriger Thrombozytenzahl und hohen Homocysteinwerten sollten auf eine gute Folsäureversorgung achten. Dadurch können sie ihr Schlaganfallrisiko deutlich senken.

Leserkommentare [1]

[28.05.2018, 12:20:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Drei Chinesen mit dem Kontrabass ..."? 
Die Schlussfolgerungen dieser Studie sind unsinnig: Wenn als Erfolg der Schlaganfall-Prävention bei mit Enalapril therapierten Hypertonikern die gezielte, zusätzliche Gabe von Folsäure bei denjenigen mit detektiertem Folsäure-Mangelsyndrom und konsekutiv niedrigen Thrombozytenzahlen bzw. Homozystein-Anstiegen gefeiert wird, bräuchte man einfach nur die Folsäure-Serumspiegel messen und ggf. supplementieren.

Wenn dann noch in dieser Studie nur 10.800 Teilnehmer erfasst wurden, deren Thrombozyten- und Homocysteinwerte zum Studienbeginn überhaupt bekannt waren, gelten für die über 20.000 Teilnehmern der randomisiert-kontrollierten "China Stroke Primary Prevention Trial" (CSPPT) mit  (J Am Coll Cardiol, doi.org/10.1016/j.jacc.2018.02.072) diese Schlussfolgerungen offensichtlich gar nicht:

"Conclusions - Among Chinese hypertensive adults, the subgroup with low PLT and high tHcy had the highest risk of first stroke, and this risk was reduced by 73% with folic acid treatment. If confirmed, PLT and tHcy could serve as biomarkers to identify high-risk individuals who would particularly benefit from folic acid treatment. (China Stroke Primary Prevention Trial [CSPPT]; NCT00794885)"
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109718336313?via%3Dihub

Dann auch noch unkritisch zu behaupten, Quintessenz dieser Studie sei: "Ein simpler Test auf Homocystein und Thrombozyten könnte folglich jene Hypertoniker aufspüren, die ein besonders hohes Schlaganfallrisiko haben und daher von Folsäure profitieren", gäben die Ärzte um Kong zu bedenken, vernachlässigt die wesentlich einfachere direkte Folsäuremessung als Biomarker für Stoffwechsel- und Fehlernährungs-Störungen.

Die geäußerte Ansicht: "Wenige Thrombozyten im Blut deuteten auf eine endotheliale Dysfunktion: Endothelverletzungen im Zuge vaskulärer Erkrankungen lassen die Blutplättchen in den Gefäßen verklumpen. Entsprechend zirkulierten weniger in den Blutbahnen, so die Erklärung der Forscher. Dieser Prozess könnte durch Homocystein beschleunigt werden, schließlich gelte die Aminosäure als Risikofaktor für Endothelverletzungen" ist ebenso gewagt wie pathophysiologisch unbelegt.

Ein Überblick im MSD-Manual zum Thema Thrombozytopenien listet diese vorgenannte, vorwissenschaftliche Theoriebildung nicht mal im Ansatz auf:
"URSACHEN FÜR THROMBOZYTOPENIE
Das Knochenmark bildet nicht genügend Blutplättchen.
Leukämie
Lymphom
Aplastische Anämie
Schwerer Alkoholkonsum
Megaloblastische Anämien, einschließlich Vitamin-B12- und Folsäuremangelanämien
Einige Erkrankungen des Knochenmarks
Einige Chemotherapeutika
In einer vergrößerten Milz festgehaltene Blutplättchen
Zirrhose mit vergrößerter Milz aufgrund eines außergewöhnlich hohen Blutdrucks in der großen Vene, die das Blut aus dem Darm zur Leber bringt
Myelofibrose
Morbus Gaucher
Verdünnte Blutplättchen
Häufige Bluttransfusionen und Austauschtransfusionen, da sich die Blutplättchen im gelagerten Blut nicht lange halten
Erhöhter Verbrauch oder Zerstörung von Blutplättchen
Immun-Thrombozytopenie
HIV und andere Virusinfektionen
Medikamente wie Heparin, Quinidin, viele Antibiotika (wie Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Rifampin, Vancomycin) und einige orale Medikamente gegen Diabetes
Umstände, die zu einer disseminierten intravaskulären Gerinnung innerhalb der Blutgefäße führen, wie Komplikationen bei einer Geburt, Krebs, Blutvergiftung (Sepsis) durch gramnegative Bakterien und traumatische Gehirnverletzungen
Operationen mit Herz-Lungen-Maschine
Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura
Hämolytisch-urämisches Syndrom
Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie oder paroxysmale Kältehämoglobinurie"
https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/bluterkrankungen/blutplättchenerkrankungen/überblick-über-die-thrombozytopenie#v775086_de

Die erfolgreiche Verringerung der Schlaganfall-Inzidenz in China in einer Studienpopulation von 10.800 Personen mittels Folsäure-Supplementation ist m.E. eher ein Hinweis auf in der VR China verbreitete, krasse Mangel-, Falsch- und Fehlernährung.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »