Ärzte Zeitung, 20.07.2016

Chirurgie

Späte Op, komplizierter Verlauf

Bis zu 80 Prozent der M. Crohn-Patienten werden mindestens einmal operiert.

Bei M. Crohn werde die Indikation zur Op oft zu spät gestellt, kritisieren Viszeralchirurgen immer wieder. Wenn Crohn-Patienten in reduziertem Ernährungs- und Allgemeinzustand sowie bei schlechter Immunlage operiert werden müssen, ist mit einem komplizierten Verlauf zu rechnen.

Steroidrefraktäre Patienten mit isoliertem Ileozökalbefall und hoher Krankheitsaktivität sollen laut Leitlinie sogar primär operiert werden. Denn erfahrungsgemäß benötigen diese Patienten sowieso früher oder später die Hilfe des Chirurgen, und nach der Darmresektion geht es vielen Patienten gut oder sie sind beschwerdefrei.

Prinzipiell besteht eine Op-Indikation bei ungenügendem Ansprechen auf konservative Therapie oder unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Stenosen oder Konglomerattumore, die einen Ileus auslösen können, Abszesse oder Fisteln sind weitere Gründe für ein chirurgisches Eingreifen.

Wenn möglich, sollte die Operation frühzeitig geplant werden, betont zum Beispiel Professor Matthias Brüwer, Viszeralchirurg am St. Franziskus Hospital in Münster. Denn Internisten und Chirurgen müssten gemeinsam abwägen, ob die immunsuppressive Medikation, vor allem Biologika, abgesetzt und ob die Steroidmedikation reduziert werden kann. Empfehlenswert ist nach Brüwers Angaben eine Kortikoiddosis von präoperativ unter 20 mg Prednisolon pro Tag. Infliximab müsse vier Wochen sowie Adalimumab zwei Wochen präoperativ abgesetzt werden. Mit der Ballondilatation von kurzen Darmstenosen oder der Strikturoplastik gibt es für manche Patienten Alternativen zur Darmresektion. (ner)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Es fehlen bis zu 6000 Medizin-Studienplätze pro Jahr

Wenn nicht schnell viele zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden, könnte das Versorgungsniveau bis 2035 dramatisch sinken, hat das Zi ausgerechnet. Bei der Rechnung gibt es allerdings eine große Unbekannte. mehr »

Dienstbelastungen die Spitze genommen – eine Zeitenwende?

Eine bessere Arbeitszeitgestaltung sorgt für mehr Planungssicherheit: MB-Chef Rudolf Henke lobt das Verhandlungsergebnis mit den Arbeitgeberverbänden. mehr »

Was ist bei Brustkrebs „Therapiefortschritt“?

Die Versorgung von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs steht zwischen evidenzbasierter Medizin und Nutzenbewertung durch GBA und IQWiG. Die Sinnhaftigkeit neuer Therapien wird dabei mit unterschiedlichen Messinstrumenten geprüft, so Prof. Christian Jackisch aus Offenbach. mehr »