Ärzte Zeitung, 17.11.2010
 

Überwindung der Sektoren ist Röslers nächstes großes Ziel

Überwindung der Sektoren ist Röslers nächstes großes Ziel

Für den Bundesgesundheitsminister ist klar: Verzahnung von ambulant und stationär heißt nicht Verschmelzung.

DÜSSELDORF (iss). Mit dem für das erste Halbjahr 2011 geplanten Versorgungsgesetz will die Bundesregierung die Grundlagen für eine bessere Verzahnung zwischen dem ambulanten und stationären Sektor legen.

Überwindung der Sektoren ist Röslers nächstes großes Ziel

Philipp Rösler (FDP) beim Deutschen Krankenhaustag: Historisch gewachsene Grenzen überwinden.

© Constanze Tillmann / Messe Duesseldorf

"Die Politik muss dafür sorgen, dass die historisch gewachsenen Sektorengrenzen besser überwunden werden", sagte Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler bei der Eröffnung des 33. Krankenhaustages bei der Medizinmesse Medica in Düsseldorf.

Die sektorübergreifende Zusammenarbeit sei notwendig, um das zentrale Ziel des Gesetzes zu erreichen: eine bessere Gesundheitsversorgung. Dabei stellte er klar: "Verzahnung ist ausdrücklich nicht Verschmelzung."

Handlungsbedarf sieht Rösler, der seit 12 Jahren der erste Bundesgesundheitsminister ist, der die Medica besucht, bei der Bedarfsplanung. Sie sei nicht mehr zeitgemäß. "Spätestens hier wird man von bestehenden Strukturen und eingefahrenen Wegen abweichen müssen."

Es gehe nicht nur darum, die veralteten Verhältniszahlen zu verändern, die der Bedarfsplanung zu Grunde liegen. "Wir müssen auch das Verhältnis ambulant/stationär stärker in den Blick nehmen."

Beim Paragraf 116b Sozialgesetzbuch V, der die Öffnung der Kliniken für spezialisierte ambulante Leistungen regelt, habe sich die unterschiedliche Handhabung in den Bundesländern nicht gerade als hilfreich erwiesen, sagte er. "Man muss sehen, dass man mehr Gemeinsamkeiten erreicht und nicht 16 unterschiedliche Lösungen hat."

Rösler sieht die Bundesländer auch in der Pflicht, endlich für eine bessere Investitionsfinanzierung im stationären Sektor zu sorgen. "Die Länder müssen in den sauren Apfel beißen und Investitionen nachholen", forderte er.

Den Sparbeitrag der Kliniken von 500 Millionen Euro für 2011 bezeichnete Rösler angesichts des GKV-Defizits von neun Milliarden Euro und der Tatsache, dass die Kliniken der größte Kostenblock der GKV sind, als "überschaubar".

Das sah der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Rudolf Kösters erwartungsgemäß anders. Die Kliniken seien deutlich höher belastet worden als andere Gruppen wie Ärzte, Zahnärzte oder Apotheker, kritisierte er. "Die Lastenverteilung ist nicht gerecht erfolgt." Hochgerechnet auf fünf Jahre summiere sich der Sparbeitrag auf mindestens drei Milliarden Euro.

"Was uns am meisten fuchst: Dem Krankenhaus und seinen Mitarbeitern wird der gerechte Preis und Lohn vorenthalten", sagte Kösters.

Der Präsident des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte Professor Hans-Fred Weiser verwies auf die großen Probleme durch den sich abzeichnenden Personalmangel - bei einem gleichzeitig steigenden Versorgungsbedarf. Er plädierte für einen "Initiativpakt gegen den Ärzte- und Personalmangel" unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums und Beteiligung aller betroffenen Verbände. "Niemand wird die Herausforderung allein meistern können", sagte Weiser.

Auch Minister Rösler bezeichnet den Fachkräftemangel neben der flächendeckenden Versorgung als eine der wesentlichen Herausforderungen für 2011. Ganz entscheidend sei es, den Arzt- und den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Hier müssten sich auch die Kliniken bewegen, etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle, verbesserte Arbeitsabläufe und durch die Förderung von Mitarbeitern, forderte er.

"Stellen Sie keinen einzigen Chefarzt ein, der bei einem Vorstellungsgespräch nicht ein Mal das Wort Personalentwicklung in den Mund nimmt", appellierte Rösler an die Krankenhäuser.

Lesen Sie dazu auch:
Ambulant und stationär: Rösler will stärkere Verzahnung

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