Kongress, 10.05.2011

Versorgungsqualität rückt in den Fokus

Mehr als 8000 Besucher, 500 Referenten, 150 Veranstaltungen: Der Hauptstadtkongress bricht auch in diesem Jahr wieder Rekorde.

Von Anno Fricke

Versorgungsqualität rückt in den Fokus

Eine Patientin wird in den Rollstuhl gesetzt - der Hauptstadtkongress bietet nicht nur politische Diskussion, sondern auch Hilfe für die Praxis.

© Bauchspieß

BERLIN. Die Zeiten ändern sich, auch beim Hauptstadtkongress: "Wir freuen uns, dass wir uns nach der mühsamen Klärung der Finanzierung, die 2010 im Mittelpunkt des Kongresses stand, in diesem Jahr den Fragen der gesundheitlichen Versorgung der Menschen zuwenden können", sagte Ulf Fink, Präsident des Hauptstadtkongresses, im Vorfeld der heute beginnenden Mammutveranstaltung.

Die Initiativen der Politik spiegeln sich im Programm der kommenden drei Tage wider: Das Versorgungsgesetz, das Infektionsschutzgesetz, das Patientenrechtegesetz und die Pflegereform stehen im Fokus vieler Veranstaltungen und Diskussionsforen.

Vor allem die Klinikhygiene liegt Fink am Herzen: "Es darf uns einfach nicht ruhen lassen, dass jährlich tausende Menschen in Deutschland wegen Hygienemängeln sterben", sagt der Kongresspräsident. In das Thema müsse "Ruhe rein", ergänzte Professor Axel Ekkernkamp, Leiter des Deutschen Ärzteforums: "Diese Diskussion müssen wir versachlichen".

Priorisierung im Gesundheitswesen ist ein Thema

Dazu kommen weitere arztnahe Kongressthemen wie zum Beispiel die Priorisierung im Gesundheitswesen. "Die Gesellschaft kommt an dieser Diskussion nicht vorbei", sagte Fink. Es werde entweder eine verdeckte oder eine offene Diskussion über Rationierung geben. Die verdeckte Variante sei nicht zu akzeptieren.

Zusätzlich zur Gesundheitspolitik gibt es drei weiteren Themenblöcken auf: Es geht dabei ums Krankenhausmanagement, die Situation in der Pflege und um Probleme der ärztlichen Versorgung.

Auch die Krankenhäuser hätten die Verbesserung der Qualität als zweiten Treiber von Innovation neben den Kosten entdeckt, sagte Professor Heinz Lohmann. Die Zunahme der Transparenz durch das Internet und die Medien bleibe nicht ohne Folgen. Die Patienten seien besser informiert: "Die Veränderung auf der Nachfrageseite führt zu einem Umbruch bei den Anbietern."

Lohmanns Vision: In zehn Jahren bereits werden die Gesundheitszentren die Krankenhäuser schlagen. Die Auswahl und die kurzen Wege fördern diese Entwicklung, so seine Prognose. Das Personal im Krankenhaus sei über viele Jahre als Kostenfaktor diskreditiert worden, sagte Lohmann.

Hier habe längst ein Umdenken eingesetzt. Heute betrachte der Klinikmanager die Beschäftigten als Erfolgsfaktoren, die die Patientenorientierung vorantrieben.

"Gesundheitswirtschaft" in aller Munde

Dass der vor wenigen Jahren noch völlig ungeläufige Begriff "Gesundheitswirtschaft" in den Sprachgebrauch von Ärzten, Klinikmanagern und Politikern übergegangen sei, begrüße er, sagte Professor Axel Ekkernkamp. Der Hauptstadtkongress versteht sich schon seit jeher als Brückenveranstaltung zwischen Gesundheitswesen und Wirtschaft.

Das Ärzteforum spart diese Perspektive nicht aus. "Sparen durch Innovation" heißt zum Beispiel eine Veranstaltung. Der vermeintliche Widerspruch sei keiner, sagte Ekkernkamp. Früher habe ein verengtes Koronargefäß unter Umständen eine Operation am offenen Herzen nach sich gezogen. Heute sorgten Stents für eine kostengünstige Alternative.

Jedes Jahr gibt das Deutsche Ärzteforum auch einen besonderen medizinischen Denkanstoß. Bei dem heute beginnenden Hauptstadtkongress sollen die Auswirkungen einer bestimmten Drucksituation im Gehirn auf die Entwicklung von Demenzen genauer unter die Lupe genommen werden, hieß es bei der Info-Veranstaltung im Vorfeld des Kongresses.

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