Medica Aktuell, 16.11.2011

Update zum modernen Wundmanagement

Bei der Diagnose von Wundursachen herrschen im Behandlungsalltag oft noch Defizite vor. Das neu etablierte Medica Wound Care Forum bietet Ärzten die Möglichkeit, sich umfassend über das richtige Wundmanagement zu informieren.

Von Matthias Wallenfels

Update zum modernen Wundmanagement

Ist die Wunde mit einem Verband gut versorgt?

© Klaus Rose

DÜSSELDORF. Die Versorgung chronischer Wunden ist auch im Zeitalter der High-Tech-Medizin für viele Ärzte in Kliniken und Praxen noch eine Herausforderung.

Grund genug für den Gefäßchirurgen Dr. Stephan Eder, gemeinsam mit anderen Spezialisten, darüber aufzuklären, worauf es bei der Diagnostik und Therapie chronischer Wunden besonders ankommt.

Eder ist Leiter des ersten Medica Wound Care Forums, das heute in Halle 6 startet.

Fallbesprechungen laden ein, das Fachwissen zu vertiefen

Von 11 bis 13 Uhr klären die Wund-Experten an jedem Messetag einerseits über die Grundlagen der Diagnostik und Therapie einschließlich Materialkunde auf.

Zum anderen bieten Fallbesprechungen Ärzten die praktische Gelegenheit, ihr Fachwissen zu vertiefen. Zudem können sie vor Ort Probleme und Lösungen anhand realer Beispiele aus der Praxis intensiv diskutieren.

Themenschwerpunkte des Medica Wound Care Forum sind neben Material- und Verbandskunde der diabetische Fuß, das Ulcus cruris sowie der Dekubitus.

Wundversorgung ist mehr als Wundpflege

Etwa die Hälfte der Referate des vom Deutschen Institut für Wundheilung (DIW) konzipierten neuen Wundforums befasst sich mit der Diagnostik bei chronischen Wunden.

Aus gutem Grunde, wie Eder, Chefarzt der Gefäßchirurgie in Villingen-Schwenningen und zusammen mit Dr. Wolf-Rüdiger Klare vom Klinikum Radolfzell Leiter des DIW, verdeutlicht.

Denn: Obgleich die meisten Patienten in Deutschland inzwischen gut versorgt werde, bestehe die Wundversorgung bedauerlicherweise noch zu oft zunächst und ausschließlich aus der Wundpflege.

Ursachensuche entscheidend

Die Ursache einer chronischen Wunde werde seiner Erfahrung nach ärztlicherseits zu häufig nicht geklärt, so Eder. Der richtige Ansatz lautet für ihn deshalb zwingend: "Warum hat der Patient diese chronische Wunde?"

Im Behandlungsalltag bedeute das, dass sich der Arzt auf die Ursachensuche begeben müsse. Und zwar vor allem nach Krampfadern, Durchblutungsstörungen, Druckproblemen oder einer diabetischen Neuropathie.

"Wenn man das geklärt hat, dann ist die Therapie relativ einfach", sagt der Gefäßchirurg.

Grunderkrankungen behandeln

Allein schon eine erfolgreiche Behandlung der Grundkrankheit, etwa einer Venenschwäche mit Kompressionsstrümpfen, helfe weiter.

Ist die Ursache jedoch nicht geklärt oder die Grunderkrankung nicht ausreichend behandelt, ist die Therapie laut Eder nicht nur schwierig, sondern meist auch erfolglos.

Auch regelmäßige Verbandswechsel mit den modernsten Materialien führten dann nicht zum Erfolg.

Spezialbehandlung in Kliniken

"Den meisten Wundheilungsstörungen liegt eine Erkrankung zugrunde, am häufigsten sind das Venenschwäche, Arterienverkalkung oder Diabetes", bestätigt auch der Dermatologe Dr. Ulrich Ohnemus vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

"Daher muss bei jeder Wundtherapie zuerst die Ursache abgeklärt werden." Aber gerade hier liege derzeit noch einiges im Argen, so Ohnemus.

"Zu uns kommen Wundpatienten für Spezialbehandlungen", sagt Peter Vogt, Professor für plastische Chirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung. Doch "etwa jeder fünfte ist nicht ausreichend voruntersucht", so Vogt.

Feuchte Wundbehandlung

"State of the art" bei chronischen Wunden ist nach Einschätzung der Experten seit vielen Jahren die feuchte Wundbehandlung.

Schon Anfang der 1960er Jahre konnte der britische Wissenschaftler Dr. George D. Winter, der als Wegbereiter der modernen Wundtherapie gilt, zeigen, dass Wunden durch Anwendung eines okklusiven Folienverbands und Schaffung eines feuchten Wundmilieus beschleunigt heilen.

Seit dieser Zeit seien viele klinische Studien publiziert worden, die den Vorteil der feuchten Wundbehandlung im Vergleich zur trockenen Wundbehandlung belegen.

Zu wenig verbreitet: moderne feuchte Wundbehandlung

Schätzungen gehen trotz dieser Tatsachen davon aus, dass in Deutschland im schlimmsten Falle lediglich einer von fünf Wund-Patienten eine moderne feuchte Behandlung bekommt.

Hauptziel der feuchten Wundbehandlung ist es, so die Experten, optimale Bedingungen für Zellwachstum und Wundheilung dauerhaft herzustellen. In einem feuchten Milieu könnten sich Zellen, die für die Wundheilung erforderlich sind, besser vermehren und wandern.

Zudem biete das Wundsekret den Zellen des Immunsystems ideale Bedingungen, um Krankheitserreger wie Bakterien, Fremdkörper und nekrotisches Gewebe zu zerstören und das Infektionsrisiko zu verringern. Darüber hinaus beugt die feuchte Wundheilung der Narbenbildung vor.

Vakuumtherapie fördert Granulation

Die Behandlung chronischer Wunden orientiert sich grundsätzlich am Débridement, der Granulation sowie der Epithelisierung, den drei Stadien der Wundheilung.

Débridement bedeutet dabei die Entfernung des gesamten nekrotischen Gewebes, auch von Fibrin, Verbandsresten und natürlich von Fremdkörpern.

Nach dem Débridement ist vor allem Ruhe angesagt. Auch dieser Grundsatz wird nicht immer befolgt. Eder: "Da wird zum Beispiel trotz eines modernen und auch teuren Produkts zweimal täglich der Verband gewechselt. Die Folge ist, dass die Wunde jedes Mal auskühlt und der Heilungsprozess immer wieder unterbrochen und neu gestartet wird. Das führt zu nichts!"

Mittels des Unterdrucks, der in der Wunde während der Vakuumtherapie herrsche, werde die Granulation gefördert und die Wunde gereinigt.

Halle 6, 11 bis 13 Uhr

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