Kongress, 13.06.2012

"Ärzte brauchen einen Rundumblick"

Alle Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung präsentieren sich in diesem Jahr erstmals in einer Gesamtschau beim Deutschen Ärzteforum. Der wissenschaftliche Leiter des Forums Professor Axel Ekkernkamp hat wieder ein spannendes Programm zusammengestellt.

Von Angela Mißlbeck

"Ärzte brauchen heute einen Rundumblick"

Neue Themen, neue Herausforderungen: Professor Axel Ekkernkamp, Wissenschaftlicher Leiter des Ärzteforums beim Hauptstadtkongress.

© Bauchspies

BERLIN. Ärzte erhalten immer neue Aufgaben im Gesundheitswesen. Zunehmend wachsen sie in Führungsrollen hinein, übernehmen Managementverantwortung oder gründen große Gesundheitsunternehmen.

"Der Wandel in der Gesundheitswirtschaft lässt sich bereits heute deutlich an der Präsenz von Medizinern in neuen Verantwortungsfeldern ablesen", meint Professor Axel Ekkernkamp, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Ärzteforums im Rahmen des Hauptstadtkongresses.

Als Vorsitzender der zwölfköpfigen Programmkommission will er mit der Themenauswahl zum Ärzteforum auch dazu beitragen, dass Ärzte selbst das Arztbild der Zukunft aktiv mitgestalten.

"Der Arzt braucht heute einen 360-Grad-Rundumblick. Die Rollen im Gesundheitswesen ändern sich. Da muss der Arzt prüfen, wo er sich selbst am besten aufgehoben fühlt, und wissen, was die anderen Player von ihm erwarten", so Ekkernkamp zur "Ärzte Zeitung".

Die Antworten will das Deutsche Ärzteforum geben. Unmittelbar die Rolle des Arztes im Blick haben dabei unter anderem Veranstaltungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zu Führungsaufgaben, Unternehmensgründungen, Stiftungen oder etwas allgemeiner zur Werteorientierung im Gesundheitswesen.

Neue Möglichkeiten der Arbeitsgestaltung werden zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Versorgungsstrukturgesetz oder mit Selektivverträgen, mit Delegation und Patientenorientierung diskutiert.

Kooperation mit dem Forschungsministerium

Wie neue Forschungsergebnisse schneller zum Patienten kommen, wird ein Thema im Rahmen des Innovationsforums 2012 sein. Bei diesem Veranstaltungsblock kooperiert das Ärzteforum erstmalig mit dem Bundesforschungsministerium.

Zum ersten Mal präsentieren sich alle Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung in einer Gesamtschau auf dem Hauptstadtkongress. Die Deutschen Zentren für Diabetesforschung und Neurodegenerative Erkrankungen zeigen im ICC aktuelle wissenschaftliche Fortschritte ihrer jeweiligen Einrichtungen.

Diskutiert werden darüber hinaus auch neue Perspektiven für die Zusammenarbeit mit der Industrie. "Der Dialog zwischen Forschung und Industrie muss geführt werden", sagt Ekkernkamp.

Nicht nur zwischen Wissenschaft und Praxis oder zwischen Forschung und Industrie will das Deutsche Ärzteforum den Dialog fördern. Auch Vertreter der Schulmedizin und der Alternativen Heilkunde werden in diesem Jahr auf ein gemeinsames Podium gesetzt.

"Ich denke, Schulmediziner müssen über den Tellerrand hinausschauen und Alternativmediziner dürfen den Kontakt zur Schulmedizin nicht verlieren. Sie sollten aufeinander zu gehen, und dafür bieten wir mit dem Salon der Heilkunst eine von wenigen Plattformen", erläuterte Ekkernkamp im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Die Haut aus der Sprühdose

Als medizinische Innovation, die normalerweise auf Fachkongressen vorgestellt werden, präsentiert das Deutsche Ärzteforum in diesem Jahr die Haut aus der Sprühdose.

Die Entwicklung aus dem Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) wird zur Versorgung von Brandverletzten eingesetzt und unterbindet die Bildung von Narben.

"Wir freuen uns, diese bei uns bis zur Serienreife entwickelte Innovation endlich einer breiten Öffentlichkeit und damit brandverletzten Patienten bundesweit zur Verfügung stellen zu können.

Sprühhauttransplantation ist ein echter Meilenstein in der schwierigen und anspruchsvollen Therapie und Rehabilitation von Brandopfern", erläutert Ekkernkamp, der Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin ist.

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