Ärzte Zeitung online, 21.06.2017

Demografischer Wandel

Pflegedienstleistungen sind ein Wachstumsmarkt

Binnen elf Jahren hat sich die Bruttowertschöpfung im Pflegemarkt auf 36,3 Milliarden Euro erhöht. In keinem anderen Sektor der Gesundheitswirtschaft ist das Wachstum stärker. Die Sorge gilt dem Mangel an Arbeitskräften.

Pflegedienstleistungen sind ein Wachstumsmarkt

Die gesundheitswirtschaftliche Gesamtrechnung dokumentiert es: Der demografische Wandel ist in Deutschland seit Jahren Realität. Binnen elf Jahren ist die Bruttowertschöpfung des Pflegesektors von 21,3 auf 36,3 Milliarden Euro gestiegen.

Eindeutig zeigt sich hier auch die Präferenz für ambulante Pflege in der eigenen häuslichen Umgebung: In diesem Segment stieg die Bruttowertschöpfung von 7,4 auf 15,4 Milliarden Euro, das ist ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6,9 Prozent.

Das Volumen in der Heimpflege nahm durchschnittlich um 3,8 Prozent zu und erreichte zuletzt eine Wertschöpfung von 20,9 Milliarden Euro.

Die wesentliche Ursache ist die steigende Zahl von Anspruchsberechtigten in der Pflegeversicherung. Allein für die soziale Pflegeversicherung gibt das Bundeswirtschaftsministerium 1,9 Millionen Pflegebedürftige für die ambulante Versorgung und 758.000 für die Heimversorgung an. Jährliche Wachstumsraten: 3,8 und 1,7 Prozent.

Zahl der Mitarbeiter steigt geringer

Im Vergleich zum Anstieg der Bruttowertschöpfung und der Zahl der Pflegebedürftigen ist die Zahl der Mitarbeiter allerdings deutlich geringer gestiegen – trotz des sehr begrenzten Rationalisierungspotenzials in dieser arbeitsintensiven Branche.

So stieg die Zahl der Mitarbeiter in der ambulanten Pflege jährlich nur um 1,4 Prozent auf zuletzt etwa 800.000, in den Heimen nahm die Zahl der Erwerbstätigen um jährlich 2,6 Prozent auf 700.000 zu.

Vor diesem Hintergrund scheinen Klagen aufgrund der steigenden Belastung von Pflegekräften berechtigt. Dies wird allerdings relativiert, wenn man die Entwicklung in Deutschland mit der in anderen Ländern vergleicht.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland die Zahl der Erwerbstätigen in Pflegeheimen mit einem Zuwachs von 17 Prozent überdurchschnittlich erhöht. Besser liegen aber die Schweiz und Frankreich mit Zuwächsen von 25 und 26 Prozent.

Einschnitte im Vereinigten Königreich

Tiefe Einschnitte haben andere Länder vorgenommen: so etwa Großbritannien und die Niederlande, wo sich die Zahl der Erwerbstätigen in der Pflege seit 2005 um 19,6 und 12,3 Prozent verringert hat.

Deutliche Anstrengungen – verglichen mit anderen Ländern – macht Deutschland bei der Ausbildung von Pflegepersonal: hierzulande kommen 54 Absolventen einer Pflegeausbildung auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Frankreich bringt es nur auf 39 Pflegeabsolventen, Großbritannien 29, Spanien auf 25.

Einen Leistungsschub für die Pflege wird das in diesem Jahr mit einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wirksam gewordene Pflegestärkungsgesetz II bringen: Die Zahl der Anspruchsberechtigten wird steigen, aber auch die Leistungen für den einzelnen werden teils erhöht.

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