Ärzte Zeitung, 17.07.2008

KOMMENTAR

Kontrollwunsch schürt Misstrauen

Von Michael Hubert

"Nie mehr embryonale Stammzellen, Forscher schaffen Durchbruch." So werden Ergebnisse der Stammzellforschung bei der Reprogrammierung adulter Zellen mitunter in den Medien zugespitzt. Vereinfachen und Zuspitzen sind journalistische Stilmittel, die letztlich auch den Wissenschaftlern nützen. Denn so werden ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Das Risiko für Wissenschaftler (und Medien): Beim Transfer komplexer Forschungsergebnisse in eine allgemein verständliche Sprache können Fehler auftreten. Führende Stammzellforscher haben jetzt deswegen den deutschen Medien Vorwürfe gemacht: Es würden zu schnell Schlussfolgerungen gezogen, die letztlich so nicht richtig seien. Besonders bei gesellschaftlich umstrittenen Themen wie der embryonalen Stammzellforschung. Auf solche Stammzellen könne aber nun mal auf längere Sicht eben nicht verzichtet werden.

Stammzellforschung ist ein hoch komplexer Bereich. Davon zeugen Begriffe wie "induzierte pluripotente Stammzellen". Und: Selbst die Forscher räumen ein, nicht genau zu wissen, was Pluripotenz eigentlich ist. Die Forderung, dass sich Journalisten verpflichten, Texte zu komplexen Sachverhalten genehmigen zu lassen, wird daran nichts ändern. Sie schürt eher Misstrauen. Freiheit und Offenheit sind Wissenschaft und Journalismus gemein. Der Wunsch nach Kontrolle sollte beiden fremd sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »