Ärzte Zeitung, 05.10.2005

Neues Antibiotikum gegen Infektionen der Haut

Tetrazyklin-Abkömmling Tigecyclin als initiale Monotherapie so wirksam wie Kombitherapie / In Europa 2006 erwartet

GÖTTINGEN (grue). Tigecyclin ist ein neues Antibiotikum zur Therapie bei komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen und schweren intraabdominellen Infektionen. Es kommt vermutlich Anfang 2006 in Europa auf den Markt und kann auch gegen Problemkeime auf Intensivstationen eingesetzt werden.

Tigecyclin ist ein Glycylcyclin und gehört zu einer von den Tetrazyklinen abgeleiteten neuen Antibiotika-Substanzklasse. Das besonders breite Wirkspektrum umfaßt Gram-positive und Gram-negative Keime, alle Anaerobier sowie atypische Erreger. Es wirkt nicht gegen Pseudomonaden und Proteus-Stämme.

"In klinischen Studien war die initiale Monotherapie mit Tigecyclin ebenso wirksam wie die jeweilige Standardtherapie, für die aber in der Regel mehrere Antibiotika kombiniert werden müssen", sagte Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover auf einer Veranstaltung des Unternehmens Wyeth in Göttingen.

Dabei sei das in den USA bereits eingeführte Tigecyclin auch gegen Problemkeime wie Methicillin-resistente Staphylokokken und Vancomycin-resistente Enterokokken gut wirksam. Das komme besonders Patienten mit komplizierten Weichteilinfektionen zugute, die bisher mit Vancomycin und zum Beispiel Aztreonam behandelt werden. In den Zulassungsstudien war intravenöses Tigecyclin dieser Kombination gleichwertig.

Das galt auch für den Vergleich mit Imipenem/Cilastin, das standardmäßig bei schweren intraabdominellen Infektionen wie komplizierter Blinddarmentzündung eingesetzt wird. In allen Studien lagen die klinischen Erfolgsraten bei Patienten mit mikrobiologisch gesicherten Mono- oder Mischinfektionen jeweils über 86 Prozent.

Häufigste unerwünschte Wirkungen waren Übelkeit und Erbrechen, die aber selten zum Studienabbruch führten. Welte wies darauf hin, daß sich Tigecyclin im Lungengewebe stark anreichert und so eine interessante Therapieoption bei schweren Pneumonien sein könnte. Erste Studien dazu sind vielversprechend.

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