Ärzte Zeitung, 23.04.2008

HINTERGRUND

HPV-Impfung und HPV-Test vergrößern den Erfolg in der Krebsvorsorge bei Frauen

Von Ingrid Kreutz

Die bereits seit vielen Jahren in Deutschland etablierte Krebsvorsorge mit PAP-Abstrich ist eine Erfolgsstory. So erkranken pro Jahr mittlerweile nur knapp 7000 Frauen an einem Zervix-Karzinom. Ohne Vorsorge wäre nach Schätzungen hingegen mit etwa 30 000 Neuerkrankungen pro Jahr zu rechnen. Mit Vorsorge beträgt das Lebensrisiko für ein Zervix-Karzinom 0,5 Prozent, ohne Vorsorge drei bis fünf Prozent.

Noch weiter optimieren lässt sich die Prävention von Zervix-Krebs nach Einschätzung von Professor Karl-Ulrich Petry aus Wolfsburg durch die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) sowie durch den HPV-Test zusätzlich zur zytologischen Untersuchung.

Zervix-Ca vor allem durch HPV 16 und HPV 18 ausgelöst

Nahezu alle invasiven Zervix-Karzinome enthalten nach umfangreichen Studiendaten humane Papillomviren vom Hochrisiko-Typ. Allein 70 Prozent aller Zervix-Karzinome sind demnach durch HPV 16 und HPV 18 ausgelöst, und weitere zehn Prozent durch HPV 45 und HPV 31. Der Gynäkologe vom Klinikum der Stadt Wolfsburg plädiert daher für die HPV-Impfung junger Frauen. Sie schütze nach Studiendaten zu fast 100 Prozent vor HPV-16- oder HPV-18-assoziierten Krebsvorstufen (CIN 2/3) sowie vor In-situ-Karzinomen.

Die HPV-Impfung hat keinen therapeutischen Effekt

Die beiden unklaren plötzlichen Todesfälle, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer HPV-Impfung bei jungen Frauen auftraten, sind für Petry kein Grund, auf die Impfung zu verzichten. Er verwies beim Gyn Update 2008 in Wiesbaden auf den Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit. Danach sind "unklare plötzliche Todesfälle sehr seltene Ereignisse", die mit unterschiedlicher Häufigkeit in jedem Lebensalter auftreten. Bei Impfung eines großen Teils der 15- bis unter 20-Jährigen sei auch rein zufällig mit derartigen Todesfällen in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung zu rechnen.

Auch geimpfte Frauen müssen jährlich zur Krebsvorsorge.

Ein weiteres Argument für die HPV-Impfung ist für Petry die Erkenntnis, dass diese Impfung offenbar auch der Entstehung von Vulva-Karzinom-Vorstufen (VIN 2/3) vorbeugt. Das sei in Studien bei mehr als 18 000 Frauen zwischen 16 und 26 Jahren nachgewiesen worden. Sie erhielten einen quadrivalenten Impfstoff gegen HPV-6 und HPV-18 sowie gegen die Warzen auslösenden HPV-Typen 6 und 11 oder Placebo.

Der Kollege stellte allerdings klar: "Die HPV-Impfung ist eine rein präventive Maßnahme und hat keinen therapeutischen Effekt." Petry berichtete über eine aktuelle Studie mit 2189 Frauen zwischen 18 und 25 Jahren mit bereits bestehenden HPV-Infektionen. 1088 von ihnen wurden mit einer Vakzine gegen HPV-16/18 vollständig, das heißt mit drei Dosen geimpft. Die Placebo-Gruppe erhielt eine Hepatitis-A-Impfung. Klinischer Endpunkt war die Rate an HPV-Typen-spezifischen Spontanheilungen nach 6 und 12 Monaten. Dabei ergaben sich keine Unterschiede zwischen der Verum- und der Placebo-Gruppe (JAMA 298, 2007, 743).

Und noch etwas ist bei der HPV-Impfung zu beachten: Sie schützt nur zu etwa 70 Prozent vor Krebs auslösenden Viren. Daher ist es nach Angaben von Petry notwendig, dass auch geimpfte Frauen jährlich zur Krebsvorsorge gehen.

Bei Frauen über 30 Jahre hält es der Gynäkologe aus Wolfsburg für sinnvoll, zusätzlich zum PAP-Abstrich den HPV-Test als IGeL anzubieten. Denn: Bei Frauen ab diesem Alter sei die Neu-Infektionsrate zwar viel geringer als bei jungen Mädchen, aber die Rate der für die Krebsentstehung relevanten persistierenden Infektionen dafür höher. Petry: "Nicht die HPV-Infektion ist das Problem, sondern das Persistieren derselben." Bei den meisten HPV-Infizierten (70 bis 80 Prozent) heilt die Infektion innerhalb von 12 bis 18 Monaten aus (der Gynäkologe 39, 2006, 122). Etwa 20 Prozent der Frauen entwickeln eine subklinische und zehn Prozent eine manifeste Infektion.

Bis zur Krebsentstehung vergehen bis zu 30 Jahre

Und von zehn manifest mit den humanen Papillomviren infizierten Frauen entwickeln zwei bis drei eine schwere zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN 2/3). Diese führt bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen zum Zervix-Karzinom. Bis sich allerdings bei einer Frau aus einer geringgradigen Zervixläsion ein Karzinom entwickelt, vergehen im Schnitt 15 bis 30 Jahre.

Wird bei der Krebsvorsorge zusätzlich zur zytologischen Untersuchung ein HPV-Test gemacht, lassen sich Krebsvorstufen signifikant früher entdecken als mit dem PAP-Abstrich alleine, wie eine Studie im vergangenen Jahr ergeben hat (NEJM 357, 2007, 1589).

Kontrolluntersuchungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten

Bei HPV-positiven Patientinnen lässt sich nach Angaben von Petry durch Kontrolluntersuchungen in sechs- bis zwölfmonatigen Abständen und frühzeitiger Behandlung, zum Beispiel durch eine Konisation, die Entstehung invasiver Zervix-Karzinome verhindern.

Außerdem: Bei HPV-negativen Frauen kann man offenbar in den nächsten drei bis fünf Jahren auf die Krebsvorsorge verzichten, weil das Risiko extrem niedrig ist, in dieser Zeit eine höhergradige Dysplasie (CIN 3) zu entwickeln (Cancer Res 66, 2006, 10630).

Weitere Informationen zur Impfung gegen humane Papillomviren finden Sie unter http://www.pei.de

Papillomviren lösen diese Tumoren aus

  • Zervix-Karzinom (99,7 %)
  • Vulva-Karzinom (30 - 60 %)
  • Vaginal-Karzinom (60 - 80 %)
  • Anal-Karzinom (60 - 90 %)
  • Penis-Karzinom (25 - 80 %)
  • Tonsillen-Karzinom
  • Hautkrebs
  • Nagelbett-Karzinome
  • Larynx-Karzinome u.a. HNO-Karzinome

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