Ärzte Zeitung online, 30.01.2009

Risiko für Aids steckt in den Genen

BERLIN (eb). Wie ein Mensch auf eine Infektion mit dem HI-Virus reagiert, ist bereits in seinen Genen festgelegt. Das berichten Forscher von der Charité und dem Robert-Koch-Institut. Eine entscheidende Rolle komme den Toll-like-Rezeptoren zu. Sie sind für das Erkennen und die Abwehr von Bakterien und Viren im Körper zuständig.

Das HI-Virus aktiviert diese Rezeptoren, die als Reaktion darauf verschiedene interzelluläre Botenstoffe freisetzen. Manche dieser Stoffe bekämpfen das Virus. Andere tragen jedoch auch zu dessen Verbreitung im Körper bei. Die Studie zeigt, dass eine bestimmte Mutation des Toll-like-Rezeptors 7 die Freisetzung der Botenstoffe entscheidend beeinflusst. (Studie wird in AIDS 23, 2009, 297 veröffentlicht.)

So ist Interferon-alpha für die Bekämpfung der Viren zuständig. Bei Menschen mit der betreffenden Genmutation wird Interferon-alpha aber in deutlich geringerem Maße freigesetzt. Die Folge: Die HIV-Infektion kann sich so schneller ausbreiten und die Krankheit erreicht wesentlich früher das Endstadium.

In Zusammenarbeit mit einer großen Berliner HIV-Schwerpunktpraxis haben die Forscher insgesamt 1279 Studienteilnehmer untersucht, 734 davon waren HIV-positiv. Ein Viertel aller Probanden wies die spezielle Mutation des Toll-like-Rezeptors 7 auf. Bei denjenigen, die die Mutation aufwiesen, verlief die Krankheit deutlich schneller. Außerdem hatten diese Patienten eine höhere Viruslast.

Es ist bereits länger bekannt, dass HIV-Infektionen bei Männern und Frauen unterschiedlich verlaufen. Dass das Gen des Toll-like-Rezeptors 7 auf dem X-Chromosom liegt, bestätigt diese Erkenntnis. Auffällig ist, dass in der Studie 44,4 Prozent der HIV-positiven, aber nur 17,9 Prozent der HIV-negativen Frauen das veränderte Gen in sich trugen. Das könnte bedeuten, dass die Träger der Mutation empfänglicher für die Infektion sind, vermuten die Wissenschaftler.

Toll-like-Rezeptoren sind bereits seit längerem dafür bekannt, dass sie auch bei anderen Infektionskrankheiten die Immunreaktion und den Verlauf stark beeinflussen. So weiß man, dass zum Beispiel bei Hepatitis C oder Tuberkulose genetische Variationen dieses oder des eng verwandten Toll-like-Rezeptors 8 entscheidend für die Erkrankungshäufigkeit und den klinischen Verlauf sind.

Die Berliner schauen sehen dank ihrer Ergebnisse neue Perspektiven für HIV-Patienten. So können man Risikopatienten rechtzeitig erkennen und eventuell besser behandeln. Auch könnten die Toll-Like-Rezeptoren ein potenzieller Angriffspunkt für eine Impfung gegen das HI-Virus sein, so die Forscher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

Konsequente Strategie gegen Diabetes

Angesichts der epidemischen Zunahme von Diabetes-Patienten in Deutschland, muss die nächste Bundesregierung unbedingt den Nationalen Diabetesplan umsetzen. mehr »