Ärzte Zeitung, 21.07.2009

"Andere Bundesländer meinen, wir gehen zu streng vor"

Bei der Neuen Grippe hat sich in NRW die Strategie des konsequenten Isolierens offenbar bewährt.

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. "Wir haben keine Alternative zur Isolierung der Infizierten", sagte Professor Heiko Schneitler, Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, bei einer Fortbildung für Ärzte zum Thema Schweinegrippe am Universitätsklinikum Düsseldorf.

Das Amt setzt einen Schwerpunkt auf die konsequente Überprüfung von Flugreisenden, die aus Ländern kommen, in denen es hohe Erkrankungsraten mit dem Schweinegrippe-Virus gibt. Wer etwa mit einem Flugzeug auf dem Düsseldorfer Flughafen landet, das aus den USA kommt, muss eine sogenannte Ausstiegskarte ausfüllen. Dort werden die Kontaktdaten der Reisenden erhoben, und sie sollen Angaben zu den Aufenthaltsorten und gesundheitlichen Problemen machen.

Die japanische Schule im Düsseldorfer Stadtteil Niederkassel schlossen die Behörden, nachdem sich hier mindestens 23 Schüler infiziert hatten.

Foto: dpa

Wer Symptome aufweist, wird direkt von Ärzten untersucht. "Wir haben jeden Tag zwölf Ärzte am Flughafen im Einsatz", berichtete er. Ende Juni hatten sie weit über 80 000 Patienten gescannt, von denen 1100 auffällig waren. 1000 wurden in die Uniklinik geschickt, 23 waren positiv.

Durch die Informationen auf den Ausstiegskarten können die Mitarbeiter des Gesundheitsamts schnell alle Personen kontaktieren, die auf der Flugreise mit Erkrankten in Kontakt gekommen sind. Allein für die Honorare der Ärzte, die am Flughafen im Einsatz sind, gibt die Stadt Düsseldorf monatlich rund 100 000 Euro aus. Dass große Flughäfen wie Frankfurt oder München auf ein vergleichbares Scannen der Passagiere verzichten, kann Schneitler nicht verstehen.

Auch Professor Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Düsseldorfer Uniklinik, hält Maßnahmen zur Eingrenzung der Infektion für sinnvoll. "Dadurch flacht der Erkrankungspeak ab." Eine Überlastung des Gesundheitswesens könne so verhindert werden. "Außerdem gewinnen wir Zeit bis zur Herstellung eines Impfstoffs", sagte Häussinger. Die Frage sei allerdings, ob die rigorose Eindämmungspolitik aufrecht erhalten werden kann, wenn die Zahl der Erkrankten deutlich steigt.

Das Land Nordrhein-Westfalen setze auf die Strategie der konsequenten Isolierung, sagte Dr. Dorothea Prütting, Ministerialdirigentin im Landesgesundheitsministerium. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann halte das in Düsseldorf verfolgte Konzept für vorbildlich. "Die Seuchenreferenten in den anderen Bundesländern sind der Meinung, dass wir etwas zu streng vorgehen", räumte Prütting ein.

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