Ärzte Zeitung, 07.05.2012

Subklinische Hyperthyreose geht aufs Herz

Führt eine subklinische Hyperthyreose tatsächlich vermehrt zu kardiovaskulären Ereignissen? Eine neue umfangreiche Datenanalyse bestätigt diese These.

BERN/NEWCASTLE (ple). Die Analyse mehrerer prospektiver Studien mit fast 53.000 Patienten bestätigt: Subklinische Hyperthyreose geht mit erhöhter kardiovaskulärer und erhöhter Gesamtmortalität einher.

Zudem besteht eine Assoziation mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern. Das höchste Risiko haben Personen mit einem TSH unter 0,1 mIU/l.

Eine subklinische Hyperthyreose ist definiert als TSH-Wert unter 0,45 mIU/l - Referenzwert 0,4 bis 2,5 mIU/l - bei normalem freiem T4 (fT4). Wie sich diese Konstellation auf kardiovaskuläre Ereignisse auswirkt, hatten bisherige prospektive Studien und Metaanalysen widersprüchlich beantwortet.

Forscher aus Bern analysierten daher zehn prospektive Kohortenstudien (Arch Intern Med 2012; online 23. April).

Mehr als 4 Prozent, also fast 2200 Teilnehmer, hatten eine subklinische Hyperthyreose. 3653 von 22.437 Teilnehmern der Endauswertung entwickelten eine KHK, 785 der 8711 Teilnehmer von fünf Kohortenstudien ein Vorhofflimmern.

Die Berechnung ergab bei subklinischer Hyperthyreose eine um das 1,24-Fache erhöhte Gesamtsterberate, eine um das 1,29-Fache erhöhte KHK-Sterberate und ein um das 1,6-Fache erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern.

Das Risiko für KHK-Tod und Vorhofflimmern stieg weiter, wenn TSH unter 0,1 mIU/l lag. Vergleichsgruppe waren Patienten mit TSH von 0,1 bis 0,44 mIU/l.

Die Endokrinologen betonen, damit sei nicht gesagt, dass eine Therapie die kardiovaskulären Risiken verringert; das könne nur eine große prospektive Studie leisten.

Patienten mit subklinischem Hypothyreoidismus (TSH 5 bis 10 mIU/l) dagegen profitieren von einer Therapie (mit L-Thyroxin), so eine Studie mit fast 5000 Patienten - jedoch nur jene zwischen 40 und 70 Jahren (Arch Intern Med 2012; online 23. April).

Mit L-Thyroxin kommt es seltener zu Symptomen einer ischämischen Herzkrankheit (4,2 versus 6,6 Prozent).

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