Ärzte Zeitung, 08.05.2006

Hepatozyten-Transfer hilft bei Leberversagen

Erfolg nach Knollenblätterpilz-Vergiftung / Alternative zur Organtransplantation / Klinische Studie geplant

WIESBADEN (nsi). Für Patienten mit Leberversagen, für die es keine Spenderorgane gibt oder bei denen eine Organübertragung kontraindiziert ist, deutet sich eine neue Therapie an: Offenbar läßt sich ein Teil dieser Patienten bereits durch einen Transfer von Hepatozyten komplett heilen. Das Verfahren wird nun in einer klinischen Studie in Hannover geprüft.

Jährlich haben etwa 800 Menschen in Deutschland ein akutes Leberversagen. Für über 50 Prozent der Patienten endet es tödlich. Aufgrund des Mangels an Spenderorganen könnte der Hepatozyten-Transfer eine neue Option für Patienten mit akutem Leberversagen sein.

In einzelnen Heilversuchen hatten solche Patienten bereits von dem Leberzelltransfer profitiert. So hat an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eine 64jährige Frau mit Knollenblätterpilz-Vergiftung und Kontraindikationen für die Lebertransplantation intraportal Hepatozyten erhalten und sich vollständig von der Erkrankung erholt. Darauf hat Professor Michael Ott von der MHH beim Internistenkongreß in Wiesbaden hingewiesen.

Bei einem 69jährigen Patienten mit Hepatitis-B-induziertem Leberversagen und fortgeschrittener KHK stabilisierte sich der Zustand nach der Leberzell-Transfusion für sechs Tage. Am siebten Tag starb der Mann an den Folgen eines Herzversagens.

Von der MHH wird jetzt die weltweit erste größere Studie zur Hepatozyten-Transplantation geplant, und zwar bei 60 Patienten mit akutem Leberversagen, die für eine Organtransplantation nicht in Frage kommen. "Wir hoffen, im Oktober oder November diesen Jahres mit der Studie beginnen zu können", sagte Ott.

Die Hepatozyten werden aus menschlichen Organen gewonnen, die sich für eine Transplantation nicht eignen. Sie werden an der MHH aufbereitet, kryokonserviert und an die teilnehmenden Zentren in insgesamt sechs europäischen Ländern verschickt. Jeweils 30 Patienten sollen in die Verum- und die Kontrollgruppe der Studie aufgenommen werden.

Die Patienten der Kontrollgruppe erhalten lediglich die beste medizinische Behandlung, weil es ethisch nicht vertretbar wäre, bei den Schwerkranken einen Katheter in die Pfortader zu legen und sie dann mit Placebo zu behandeln. Einschlußkriterium ist ein drohendes Leberversagen, das die Ärzte an der Klinik und mit Hilfe von Laborwerten feststellen.

Die Verum-Patienten erhalten dann an sechs aufeinanderfolgenden Tagen 1 bis 1,5 x 109 Leberzellen intraportal infundiert und werden 16 Wochen beobachtet. "Wir möchten fünf bis zehn deutsche Zentren für die Studie gewinnen", so Ott.

Weitere Infos zur Studie und dem Verfahren gibt es per E-Mail: ott-mhh@ gmx.de; Tel.: 05 11 / 5 32 89 80

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