Ärzte Zeitung, 17.11.2006

Eine neue Niere ist besser als die Dialyse

Trotz Organmangels sollten mehr Patienten auf die Warteliste zur Transplantation

DÜSSELDORF (nsi). Jeder zweite Patient, der auf die Dialyse angewiesen ist, würde von einer Nierentransplantation profitieren. Aber nur etwa 28 Prozent kommen auf die Warteliste für ein Organ.

Das hat Professor Christoph Olbricht vom Katharinenhospital des Klinikums Stuttgart gesagt. Er appellierte an seine Kollegen im niedergelassenen Bereich, Dialysepatienten ohne Kontraindikation für eine Transplantation trotz Organmangels für eine Organübertragung anzumelden, um allen die gleiche Chance zu geben.

50 000 Dialysepatienten gibt es derzeit, jedes Jahr werden es drei Prozent mehr. "Es ist noch zu wenig bekannt, daß die Transplantation die Lebenserwartung im Vergleich zur Dialysetherapie erhöht", so Olbricht. Die Sterberate unter Dialyse liege bei zwei bis drei Prozent pro Jahr. Eine Transplantation verlängere das Leben, in Abhängigkeit vom Ausgangsalter und der Komorbidität.

Ausschlußkriterien für eine Transplantation seien chronische Infektionen, Alkoholabusus, ein therapiebedürftiges Malignom, eine schwere Psychose, schwere kardiovaskuläre Erkrankungen, eine Lebenserwartung von unter einem Jahr. "Es gibt einen breiten Ermessensspielraum. Aber alle Dialysepatienten, ohne Ausschlußkriterien, sind im Prinzip Kandidaten für die Warteliste", sagte Olbricht. Besonders Patienten mit Restless-Legs-Syndrom profitierten von der Transplantation.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »