Ärzte Zeitung, 17.10.2007

Bei Patienten mit renaler Anämie lohnt sich frühe Therapie

Gute Hb-Einstellung bremst Progression der Niereninsuffizienz / Hb-Wert von etwa 12,5 g/dl ist bei Nierenkranken optimal

FRANKFURT AM MAIN (ner). Haben Patienten mit Niereninsuffizienz eine Anämie, sollte wesentlich früher als bisher behandelt werden. Denn eine Anämie treibe die Progression der Niereninsuffizienz voran und sei ein eigenständiger Risikofaktor für kardio- und zerebrovaskuläre Komplikationen.

Man dürfe nicht warten, bis die Patienten dialysepflichtig würden, sagte der Nephrologe Professor Danilo Fliser von der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn es gehe nicht allein darum, dass sich die Patienten besser fühlten, wenn der Hämoglobin-(Hb)-Wert angehoben werde. Je besser der Hb eingestellt ist, desto langsamer schreitet die Niereninsuffizienz voran und desto besser sind bei Dialyse-Patienten die Überlebensraten, wie Studien ergeben haben.

Als optimaler Hb-Wert bei Nierenkranken habe sich etwa 12,5 g/dl herausgestellt, so Fliser im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Mehr als 13 g/dl sollten es nicht sein, da dann mit steigendem Hb-Wert die Morbiditäts- und Sterberate wieder steige. Wenn eine gesicherte Niereninsuffizienz vorliegt, also bei einer glomerulären Filtrationsrate von 60 ml/min, und der Hb unter 12 g/dl sinkt, sollte nach Ansicht des Nephrologen spätestens mit einer niedrig dosierten Erythropoetin-Behandlung begonnen werden.

Als Alternative zu Erythropoetin gibt es seit kurzem - wie berichtet -das Präparat Mircera®, ein kontinuierlicher Erythropoetin-Rezeptor-Stimulator. Dieser soll nach Flisers Angaben eine sehr stabile Hb-Einstellung mit wenig Schwankungen ermöglichen.

Der Nephrologe wies auf einer Veranstaltung von Roche Pharma in Frankfurt am Main auf die rasch wachsende Zahl von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz hin. Weltweit gab es 426 000 davon betroffene Patienten, im Jahre 2010 werden es voraussichtlich etwa 2,5 Millionen sein. Hauptgründe sind die weiter steigende Lebenserwartung und der rasche Anstieg der Zahl der Diabetiker und der Menschen mit Langzeit-Bluthochdruck. In Deutschland ist die Prävalenz der terminalen Niereninsuffizienz in den vergangenen zehn Jahren von 40 000 auf 60 000 gestiegen. Die Zahl der neu auftretenden Niereninsuffizienzen bewegt sich derzeit auf 20 000 pro Jahr zu.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »