Ärzte Zeitung, 16.11.2007

Vom wachsamen Unterhemd zum künstlichen Sphinkter

Medizintechnik der nahen Zukunft vorgestellt

DÜSSELDORF (mut). Ein künstlicher Sphinkter, ein Unterhemd, das Flüssigkeitsmangel anzeigt, oder Handprothesen, die sich fast ebenso gut steuern lassen wie natürliche Hände - auf der Medica- Vision wurden Medizinprodukte der nahen Zukunft vorgestellt.

 Vom wachsamen Unterhemd zum künstlichen Sphinkter

Der künstliche Sphinkter an einem Modell.

Foto: sbra

So werden intelligente Textilien womöglich bald wichtige Körperfunktionen überwachen. Das Projekt NutriWear der Technischen Hochschule Aachen könnte dadurch vielen alten Menschen an heißen Tagen das Leben retten. Es ist eines der vielen Medizintechnik-Projekte, die das Bundesforschungsministerium präsentiert hat.

Die Vision von NutriWear: Ein Bewohner in einem Pflegeheim hat zu wenig Wasser getrunken und gerät in Gefahr zu dehydrieren. Der Bio-Impedanz-Sensor in seinem Unterhemd funkt zum Glück ständig die Hautwiderstandswerte an einen Zentralcomputer. Der schlägt Alarm, und die Pflegekräfte wissen nicht nur sofort, wem es an Flüssigkeit mangelt, sondern auch, wie groß das Defizit ist.

Die Technik dazu ist bereits vorhanden: Mit Bioimpedanz-Spektroskopie lässt sich der Wasserhaushalt des Körpers gut überwachen, so Dr. Saim Kim von der Hochschule. Nun müssen die Sensoren noch richtig in die Kleidung verwebt werden, etwa als stabile Silberbeschichtung.

Mikrotechnik soll auch Menschen nach Handamputationen das Leben erleichtern: Beim Projekt MyoPlant werden EMG-Signale durch implantierte Elektroden von Arm und Brustmuskeln abgeleitet. Ein Chip wertet die Signale aus, erkennt geeignete Bewegungsmuster und verstärkt sie. Patienten sollen damit ihre Hand in alle Richtungen drehen und die Finger ähnlich gut bedienen können wie bei einer natürlichen Hand. Das Besondere: Sensoren reizen Hautareale im Arm und geben den Patienten eine Rückmeldung etwa zu Temperatur und Oberflächenbeschaffenheit des Gegenstandes, den sie greifen.

Im Gegensatz zur Handprothese ist der künstliche Sphinkter schon weit entwickelt und wurde bereits an Tieren getestet, so Dr. Frank Goldschmidtböing von der Uni Freiburg. Das German Artificial Sphincter System (GASS) besteht aus einer implantierten Einheit mit Port, Mikropumpe, Akku und Steuereinheit. Es lässt sich per Funk öffnen und schließen. Der Akku hält etwa eine Woche und wird per Induktion aufgeladen.

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