Ärzte Zeitung, 17.06.2019

Ernährung

Wie klappt gesunde Kost im Alltag?

Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Nüssen, Olivenöl, Fisch, Ballaststoffen und wenig Fleisch verringert das kardiovaskuläre Risiko. Trotzdem wird sie noch viel zu selten umgesetzt. Woran liegt das, und was muss sich ändern?

MANNHEIM. Obwohl Informationen über gesunde Ernährung heute besser zugänglich sind denn je, werden sie im Alltag nicht konsequent umgesetzt.

Dr. Elisabeth Schieffer von der Medizinischen Hochschule Hannover nannte bei der DGK-Jahrestagung in Mannheim vier Faktoren, die unsere Ernährung beeinflussen.

  • Emotionen: Essen bedeutet auch Genuss und soziales Miteinander, wodurch die gesundheitliche Komponente schnell in den Hintergrund rücken kann.
  • Verfügbarkeit: Zum Beispiel die Auswahl in der Kantine oder die Einkaufsmöglichkeiten: Gibt es einen Bioladen oder vor allem Fast-Food-Anbieter?
  • Wissen: Wie gut kennt sich jemand mit gesunder Ernährung aus? Gelingt es, diese Kenntnisse im Alltag umzusetzen? Laut Schieffer ist etwa ein Drittel der Deutschen diesbezüglich gut informiert und motiviert, beim Rest gibt es großen Nachholbedarf.
  • Kosten: Ungesunde Nahrungsmittel sind billiger.

Eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung und eine Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse zeigen, dass die Deutschen seit 2013 zwar immer mehr Wert auf gesundes Essen legen.

Ein Problem ist jedoch die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Essen soll gut schmecken, schnell zubereitet und nicht teuer sein. Doch gerade Ungesundes schmeckt oft besser, ist schneller verfügbar und kostengünstiger.

Damit eine herzgesunde Ernährung besser umgesetzt wird, muss sich laut Schieffer einiges ändern. Jeder Einzelne könne mit mehr Selbstkontrolle beginnen: Über ausgewogene Rezepte informieren, Mahlzeiten im Voraus planen, Einkaufslisten erstellen, um ungesunde Spontankäufe zu vermeiden. Gesundheitsapps, Selbsthilfegruppen oder ein regelmäßiges Sportprogramm können dabei helfen, sich besser zu disziplinieren.

Und: Verbindliche Empfehlungen seien erforderlich, um die Ernährungsqualität in öffentlichen Einrichtungen zu verbessern. Möglich sei etwa eine Restriktion von süßen Snacks, zum Beispiel in Schulen.

In Dänemark sind Transfettsäuren verboten

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Denkbar sei auch ein Verbot von Transfettsäuren, wie es Dänemark bereits 2003 eingeführt hat. Enthält ein Produkt eine kritische Menge davon, darf es dort nicht mehr verkauft werden (Höchstwert: 2g Transfettsäuren pro 100g Fett). Innerhalb von 10 Jahren reduzierte sich dadurch die Aufnahme von Transfettsäuren auf ein Zehntel des vorherigen Niveaus.

Das könnte zum Teil den signifikanten Rückgang der Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erklären, der zeitgleich zu beobachten war.

Bezüglich der Kosten wäre es laut Schieffer hilfreich, Gemüse und Obst nicht zu besteuern und die Anbieter mithilfe von Zuschüssen zu unterstützen. So würden beispielsweise auch Kantinenchefs nicht mehr aus wirtschaftlichen Gründen daran gehindert, gesundes Essen anzubieten. (sj/ikr)

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