Ärzte Zeitung online, 09.10.2009

Studie: Embryonale Stammzellenforschung notwendig

BERLIN (dpa). Die ethisch umstrittene Forschung mit embryonalen Stammzellen ist aus Sicht der Wissenschaft trotz der Fortschritte bei der Reprogrammierung menschlicher Körperzellen weiter unverzichtbar. Dieses Fazit zieht eine Expertengruppe in einer Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Ohne Erkenntnisse der embryonalen Forschung sowie weiterer Vergleichsuntersuchungen wären die jüngsten Erfolge bei der ethisch unbedenklichen Rückentwicklung menschlicher Zellen zu "Alleskönnern" im embryonalen Stadium gar nicht denkbar.

"Gerade dies unterstreicht den Wert der Forschungsfreiheit", sagte der Berlin-Brandenburgische Akademie-Präsident Günter Stock am Donnerstag bei der Präsentation der Empfehlung in Berlin. Das Anfang des Jahres vom Bundestag im parteiübergreifenden Kompromiss geänderte Stammzellengesetz bezeichnete die Wissenschaftlerin Anna M. Wobus als ausreichend. Durch die erweiterte Stichtagsregelung stünden deutschen Wissenschaftlern nunmehr rund 100 embryonale Stammzellenlinien zur Verfügung. Man könne aber keine Vorhersage treffen, welche Anforderungen etwa in zehn Jahren gestellt würden, sagte Wobus. Stock sagte, die deutsche Debatte und die strengen Auflagen für die Forschung sei für viele Kollegen im Ausland nicht nachzuvollziehen.

Seit der Stichtagsänderung dürfen deutsche Forscher auf embryonale Stammzellen zurückgreifen, die vor dem 1. Mai 2007 im Ausland gewonnen worden sind. Zuvor konnten sie nur ältere Zellen einsetzen, die bereits vor dem 1. Januar 2002 für die Forschung konserviert worden waren. Mit dem Stichtag soll die "Produktion" von Embryos zu Forschungszwecken eingeschränkt werden. Bei den Gesetzesberatungen war mehrfach die Hoffnung geäußert worden, die umstrittene embryonale Stammzellenforschung könne durch die neuen Reprogrammierungstechniken überflüssig werden.

Der Berliner Stammzellenforscher und Mitautor der Studie Karl Sperling sagte, die neuen reprogrammierten menschlichen Zellen etwa aus Hautgewebe eröffneten zwar weitreichende Möglichkeiten für die medizinische Forschung wie auch langfristig für die Therapie, etwa bei Leukämie. Gleichwohl müsse trotz der enormen medizinischen Möglichkeiten aber noch vor voreiligen Hoffnungen gewarnt werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ostdeutsche sind weniger zufrieden

Bürger im Osten stellen ihrer Gesundheitsversorgung vor Ort ein schlechteres Zeugnis aus als dies Westdeutsche tun. Am zufriedensten sind die Bayern. mehr »

Immer mehr Rentner arbeiten

Doch kein Ruhestand: Immer mehr Menschen arbeiten auch im Alter weiter. Ob sie dies eher freiwillig oder gezwungen tun, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. mehr »

Bauchgefühl wichtiger als Laborwerte

Viele Senioren kennen kein Durstgefühl mehr – das kann gefährlich sein. Bei der Frage, ob jemand dehydriert ist, bringen Laborwerte wenig. Viel wichtiger ist die ärztliche Erfahrung. mehr »