Ärzte Zeitung, 06.05.2015

Kommentar zu Genreparaturen

Versuche mit Folgen

Von Peter Leiner

Mit der Publikation der Versuchsergebnisse hat sich das Gerücht vergangener Wochen bewahrheitet: Chinesische Forscher haben erstmals weltweit Genreparaturen bei menschlichen Embryonen im frühen Entwicklungsstadium vorgenommen.

Unmittelbare Folgen wird das nicht haben, denn für ihre Untersuchungen wurden die Embryonen im Alter von 48 Stunden zerstört.

Selbst wenn ein Embryo nach der Reparatur in eine Gebärmutter übertragen worden wäre, wäre das Neugeborene wegen eines dreifachen Chromosomensatzes nach der Geburt nicht überlebensfähig gewesen.

Die Forscher haben eine Methode verwendet, die relativ einfach anzuwenden ist und rasch Ergebnisse liefert. Die Verführung war wohl groß, nach erfolgreichen Tierversuchen das auch einmal mit menschlichen, wenn auch nicht lebensfähigen Embryonen auszuprobieren.

 Von den meisten Wissenschaftlern wird das Gen-Editieren an menschlichen befruchteten Eizellen abgelehnt - auch weil es für die Grundlagenforschung nicht erforderlich ist.

Diese Experimente werden schon bald weitere Versuche nach sich ziehen, in denen man auch vor überlebensfähigen menschlichen Embryonen nicht haltmachen wird. Eine düstere Entwicklung, weil sie im Menschenversuch enden kann.

Lesen Sie dazu auch:
In China: Erstmals Gene humaner Embryonen repariert

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der gesundheitspolitische Parteien-Check Teil II

Wie viel Europa verträgt unser Gesundheitssystem? Im zweiten Teil unseres Parteienchecks vor der Europawahl am Sonntag zeigt sich: Die Bundestagsfraktionen sind sich uneinig. mehr »

Wenn Babys an Leukämie erkranken

Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Für viele ist eine Stammzelltransplantation die letzte Chance auf Leben. Doch bei Levin Gebhardt reichte eine einzige nicht aus. mehr »

Der Königsweg für den richtigen Datenschutz ist noch umstritten

Das Inkrafttreten der DSGVO jährt sich zum ersten Mal. Doch noch immer ist vielen Ärzten einiges unklar. Die Datenschützer aus Bayern tun sich mit strikten Ansichten hervor – stehen damit aber nicht allein. mehr »