Ärzte Zeitung, 03.09.2004

Mit Duloxetin bleibt die Blase beim Lachen dicht

Erstes Medikament gegen Belastungsinkontinenz bei Frauen / Ansprechrate beträgt mehr als 50 Prozent

FRANKFURT AM MAIN (nsi). In Deutschland ist jetzt erstmals ein Medikament gegen Belastungsinkontinenz bei Frauen auf dem Markt. Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Yentreve®) reduziert die Häufigkeit unwillkürlichen Harnverlustes bei Frauen mit mittelschwerer bis schwerer Belastungsharninkontinenz signifikant und verbessert die Lebensqualität bei den Betroffenen.

"Harninkontinenz ist noch immer ein Tabuthema, sowohl für die betroffenen Frauen als auch für Ärzte", sagte Privatdozent Dr. Sven Hundertmark von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Altona bei der Einführungspressekonferenz der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Lilly in Frankfurt am Main. Die beiden Firmen vermarkten das Medikament in Deutschland gemeinsam.

Umfrage bestätigt: Inkontinenz ist ein Tabuthema

Eine Umfrage bei vierzig niedergelassenen Gynäkologen und 800 Patientinnen habe dies bestätigt: Etwa die Hälfte der anonym befragten Frauen gab Harnkontinenzprobleme an. Die Ärzte aber glaubten, drei Prozent ihrer Patientinnen seien davon betroffen. Belastungsinkontinenz tritt bei intraabdomineller Druckerhöhung durch Niesen, Husten, Lachen oder Sport auf, und zwar ohne Harndrang.

An den weltweiten Phase-II- und III-Studien haben insgesamt 1913 Frauen teilgenommen, berichtete der Urologe Professor Udo Jonas von der Medizinischen Hochschule Hannover. Episoden unwillkürlichen Harnabgangs mußten mindestens sieben Mal pro Woche auftreten, mehr als 14 Ereignisse pro Woche galten als schwere Symptomatik.

54 bis 60 Prozent der Frauen sprachen auf eine Behandlung mit Duloxetin an, das heißt die Zahl der Episoden unbeabsichtigten Urinverlusts verringerte sich um mindestens die Hälfte, und zwar auch bei schwerer Symptomatik.

Harnverlust wird bei jeder zehnten Frau ganz gestoppt

Der Unterschied zu Placebo war signifikant. Das mit 30 bis 40 Prozent vergleichsweise gute Ansprechen der Studienteilnehmerinnen auf Scheinpräparate bezeichnete Jonas bei diesem Krankheitsbild als normal. Elf Prozent der Frauen in den Verum-, und sieben Prozent in den Placebogruppen seien "trocken" geworden.

In den USA ist die Substanz bisher als Antidepressivum auf dem Markt, auch für Europa rechnen die Firmen mit einer Zulassung gegen die seelische Störung im ersten Quartal 2005. Bei Frauen mit Harninkontinenz und Depressionen seien Verbesserungen beider Symptomatiken beobachtet worden, die Linderung von Depressionen sei aber in diesen Untersuchungen kein Studienziel gewesen, so Jonas.

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