Ärzte Zeitung, 18.11.2004

Bivalente Vakzine schützt gegen Infektion mit HPV

Impfstudie zu humanen Papillomviren Typ 16 und 18

LEBANON (ikr). Eine Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) zum Schutz vor Zervixkrebs wird möglicherweise nicht mehr lange auf sich warten lassen. In einer Placebo-kontrollierten Studie mit über 1000 Frauen wurde der Nutzen einer solchen Maßnahme bestätigt.

Humane Papillomviren im Elektronenmikroskop. Foto: Iftner

In der Phase-II-Studie hat sich eine Vakzine, die gegen die Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 gerichtet ist, als 100prozentig wirksam erwiesen, was den Schutz vor einer persistierenden Infektion betrifft. Bei etwa 70 Prozent aller Zervix-Karzinome lassen sich die HPV-Typen 16 und/oder 18 nachweisen.

Eine persistierende Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen gilt mittlerweile als Ursache für die Entstehung von Zervixkrebs. Da es bisher keine kausale Therapie bei solchen Infektionen gibt, hoffen Wissenschaftler weltweit auf die baldige Zulassung eines Impfstoffes zur Prävention solcher Infektionen.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Diane M. Harper aus Lebanon im US-Staat New Hampshire hat jetzt 366 Frauen zwischen 15 und 25 Jahren innerhalb von sechs Monaten dreimal mit einer Vakzine von GlaxoSmithKline gegen HPV 16 und 18 i.m. in den Oberarm geimpft (Lancet 364, 2004, 1757). 355 Frauen erhielten Placebo.

Bei keiner der geimpften Frauen wurde während des 27monatigen Beobachtungszeitraums eine mindestens sechs Monate lang persistierende Infektion mit den beiden Virustypen gefunden, das heißt, es wurde keine HPV-DNA in den Zervix-Abstrichen nachgewiesen. Bei den Frauen der Placebo-Gruppe waren es 2,6 Prozent.

Auch wenn die Frauen in die Analyse einbezogen wurden, die sich nur ein- oder zweimal impfen ließen, wurde ein hoher Schutzeffekt von 95 Prozent erzielt. In der Impfgruppe hatte eine einzige Frau (0,1 Prozent) von 560 Frauen eine persistierende Infektion mit HPV 16 und 18, in der Placebo-Gruppe waren es 20 (3,1 Prozent) von 553.

Der Schutz gegen pathologische zytologische Zervix-Befunde betrug mit der Impfung 93 Prozent: Nur 0,4 Prozent der geimpften, aber 4,9 Prozent der mit Placebo behandelten Frauen hatten einen pathologischen Befund. Die Vakzine wurde gut vertragen. Aufgrund der guten Ergebnisse wird der Nutzen der Vakzine nun in einer Phase-III-Studie geprüft.

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