Ärzte Zeitung, 06.12.2004

Für Präventionsstudie werden noch dringend Frauen gesucht

In Deutschland soll bei 1000 Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko untersucht werden, ob Anastrozol Brusttumoren vorbeugt

FRANKFURT/MAIN (run). Große Erwartungen liegen im Ausgang von IBIS II, einer internationalen Studie zur Primärprävention von Brustkrebs. Darin wird der schützende Effekt des Aromatasehemmers Anastrozol getestet. Auch deutsche Krebszentren nehmen an dieser Untersuchung teil. Bereits sieben Zentren sind aktiv und elf Studienteilnehmerinnen wurden ausgewählt.

Mammographie bei einer Frau. In einer Studie zur Primärprävention von Brustkrebs wird jetzt der Effekt von Anastrozol getestet. Foto: dpa

"Die Prävention neuer Brustkrebserkrankungen wird eines der wichtigsten Themen in den kommenden zehn Jahren sein", so Professor Wolfgang Eiermann aus München. Gute Daten zum präventiven Effekt auf die Brustkrebsinzidenz seien in Studien zum Beispiel für Tamoxifen belegt worden, sagte Eiermann auf einer Pressekonferenz der deutschen IBIS-Studienleiter in Frankfurt am Main.

Der Nutzen von Tamoxifen werde aber durch unerwünschte Wirkungen wie Thromboembolien und Endometriumkarzinome limitiert. Aufgrund des günstigen Toxizitäts- und Wirkungsvergleichs von Anastrozol versus Tamoxifen in der ATAC-Studie, einer Studie zur Prävention kontralateraler Mammakarzinome, richtet sich nun das Interesse verstärkt auf den primärpräventiven Effekt des Aromatasehemmers.

In der IBIS-Studie II (International Breast Cancer Intervention Study) sollen nun 6000 gesunde Frauen zwischen 40 und 70 Jahren mit erhöhtem Brustkrebsrisiko entweder Anastrozol oder Placebo erhalten (wir berichteten). Zudem wird bei 4000 Risikopatientinnen mit bereits vorhandenen Veränderungen im Brustgewebe geprüft, ob nach der Operation Anastrozol mindestens die gleiche Wirksamkeit zeigt wie Tamoxifen in der lokalen Kontrolle und in der Prävention kontralateraler Karzinome. In Deutschland sollen insgesamt 1000 Frauen in die Studie eingeschlossen werden.

Derzeit konnten vier Frauen für den rein präventiven Arm gewonnen werden und sieben Patientinnen mit einer Vorerkrankung, wie Privatdozent Dr. Gunter von Minckwitz von der Universitätsklinik Frankfurt berichtete. "Wir stehen noch ganz am Anfang. Gerade gesunde Frauen zur Teilnahme am Präventionsarm zu gewinnen, gestaltet sich recht schwierig, obwohl in einer Praxisumfrage fast 50 Prozent der Befragten Interesse an einer Teilnahme geäußert haben."

Dabei sei ein wichtiges Argument, daß teilnehmende Frauen immerhin regelmäßig unter Studienbedingungen kontrolliert werden, ergänzte Gesamtstudienleiter Professor Manfred Kaufmann aus Frankfurt. Dazu gehört auch eine regelmäßige Kontrolle der Knochendichte und gegebenenfalls eine Therapie mit Bisphosphonaten.

Weitere Infos zur Studienteilnahme: www.brustkrebsvorbeugen.de

Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht bei:

  • familiärem Vorkommen von Brustkrebs (Mutter, Schwester)
  • früher Menarche (vor dem 12. Lebensjahr)
  • keiner oder später Schwangerschaft (erste Geburt nach dem 30.Lebensjahr)
  • hoher Brustdichte (über 50 Prozent)
  • einem Alter über 60 Jahren

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