Ärzte Zeitung, 17.03.2005

Nur wenige Frauen wünschen Geburt per Sectio

Im Westen Deutschlands entbinden 25 Prozent per Kaiserschnitt, im Osten liegt die Sectio-Rate bei 15 bis 20 Prozent

LEIPZIG (dür). Immer mehr Frauen bringen ihre Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt - aber nur in wenigen Fällen geschieht dies auf ihren eigenen Wunsch. Das ist das Ergebnis zweier Studien der Universität Osnabrück.

Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden, gehen ein höheres gesundheitliches Risiko ein als Frauen, die sich für eine normale Geburt entscheiden. Foto: Imago

Insgesamt wurden für die Studie 1400 Frauen vor und nach der Geburt befragt, nur vier Prozent der Befragten hatten eine Sectio gewünscht. Auffällig dabei: eine Sectio wurde eher von ängstlichen und depressiven Müttern und seltener von beruflich erfolgreichen Frauen gefordert.

In Deutschland entbindet im Westen jede vierte Schwangere mit Kaiserschnitt, in den östlichen Bundesländern liegt die Sectio-Rate bei 15 bis 20 Prozent, Tendenz steigend. Die Rate ist auch in anderen Ländern unterschiedlich.

Während in den Niederlanden etwa zehn Prozent der Schwangeren per Sectio entbinden, sind es in den USA 25 Prozent, berichtete die Professorin für Gesundheits- und Krankheitslehre, Beate Schücking aus Osnabrück, bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Leipzig.

Bei Kaiserschnittgeburten ist das Sterblichkeitsrisiko für Frauen neunfach höher im Vergleich zu vaginalen Geburten, die Mortalität bei einer geplanten Sectio ist niedriger als bei einer ungeplanten.

"Die Frau hat ein höheres Risiko für Blutungen, Entzündungen der Gebärmutter, postoperative Blasenprobleme, Folgeoperationen und Thromboembolien", berichtete Schücking. Per Kaiserschnitt entbundene Kinder erkrankten zwei- bis viermal häufiger am Atemnotsyndrom oder an einem Pneumothorax.

"Aus psychosomatischer Sicht ist zu beachten", so die Expertin, "daß den Müttern, die per Kaiserschnitt entbinden, das Erlebnis einer natürlichen Geburt genommen wird". Ihnen fehle häufig das Sehen und Spüren des Kindes sowie die Möglichkeit, es sofort berühren zu können.

Für die Zunahme der Sectio kommen laut Schücking eine Reihe von Faktoren in Betracht: Der Rückgang der Geburtenzahlen beeinträchtige die "geburtshilfliche Kunst der Ärzte". Aber auch ein größeres Sicherheitsbedürfnis und Ängste des medizinischen Personals für Fehler bei der Geburt juristisch belangt zu werden, führe zu mehr Kaierschnittgeburten.

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