Ärzte Zeitung, 15.09.2005

800 µg Folsäure vor der Empfängnis schützen das Kind vor Spina bifida

Studie mit mehr als 5000 Schwangeren / Keine Neuralrohrdefekte bei den Kindern

MÜNCHEN (sto). Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere benötigen offenbar mehr als die bisher von Experten empfohlenen 400 µg Folsäure pro Tag, um das Kind vor Neuralrohrdefekten zu schützen. Denn: Trotz der Empfehlung ist die Prävalenz von Neuralrohrdefekten in den vergangenen zehn Jahren unverändert geblieben.

Jedes Jahr werden in Deutschland zwischen 500 und 800 Babys mit Spina bifida geboren. Offenbar reicht die Empfehlung, spätestens vier Wochen vor Beginn einer Schwangerschaft und während des ersten Trimenons Präparate mit 400 µg Folsäure täglich einzunehmen, nicht aus, so Professor Klaus Pietrzik aus Bonn.

Mehrere Untersuchungen hätten ergeben, daß eine mindestens dreimonatige Einnahme von 400 µg Folsäure erforderlich ist, um präventiv wirksame Erythrozytenfolat-Spiegel von mehr als 906 nmol/L zu erzielen, berichtete Pietrzik bei einer Veranstaltung von Merck Selbstmedikation in München. Eine vierwöchige Vorlaufphase reiche jedoch aus, wenn die tägliche Zufuhr 800 µg Folsäure betrage.

    Auch Herzfehler kamen seltener vor.
   

Pietrzik bezog sich dabei auch auf eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus Ungarn mit insgesamt 5502 Schwangeren. Etwa die Hälfte der Frauen bekam mindestens einen Monat vor der Empfängnis sowie zwei Monate danach ein Multivitaminpräparat mit 800 µg Folsäure.

Die andere Gruppe nahm hingegen ein Präparat ein, das Kupfer, Mangan, Zink und Vitamin C in Spuren enthielt. In der mit Folsäure behandelten Gruppe trat kein einziger Neuralrohrdefekt auf, in der Kontrollgruppe gab es hingegen sechs Anomalien dieser Art.

Weitere Untersuchungen ebenfalls aus Ungarn hätten darüber hinaus ergeben, daß die Einnahme eines folsäurehaltigen (800 µg) Multivitaminpräparates auch zu einer deutlichen Abnahme von angeborenen Herzfehlern sowie von bestimmten angeborenen Fehlbildungen des Urogenitaltraktes führt. Vieles spräche inzwischen dafür, daß die Gabe weiterer Vitamine zur Risikoreduktion beiträgt, sagte Pietrzik..

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