Ärzte Zeitung, 29.09.2005

Dranginkontinenz belastet stärker als Streßinkontinenz

Medikation mindert Harndrang

DÜSSELDORF (miz). Wird bei der überaktiven Blase mit einem Anticholinergikum behandelt, ist nicht vorhersehbar, welcher Patient auf welchen Wirkstoff anspricht oder unerwünschte Wirkungen hat. Hier hilft nur Ausprobieren, sagt Professor Daniela Schultz-Lampel.

Hyperaktive Blase und Dranginkontinenz belasten die Betroffenen stärker als Belastungs (Streß-)inkontinenz, weil der Umgang mit dem imperativen Harndrang schwieriger ist. Darauf hat die Direktorin des Inkontinenz-Zentrums Südwest in Villingen-Schwenningen beim Urologenkongreß in Düsseldorf hingewiesen.

Die überwiegend weiblichen Patienten sind in ihrer Freizeit, beim Sport, auf Reisen und natürlich auch bei der Arbeit stark eingeschränkt durch den plötzlich auftretenden Zwang, eiligst eine Toilette aufsuchen zu müssen. Und oft verlieren sie bereits auf dem Weg dorthin Urin, so die Urologin auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer.

Wenn diese Einschränkungen durch eine Therapie mit Anticholinergika geringer werden, ist dies für die Zufriedenheit der Patienten wichtiger als der meßbare Rückgang der Symptome. Das ergab eine von Pfizer unterstützte Studie. Das Anticholinergikum Tolterodin (von dem Unternehmen als Detrusitol® angeboten) verringerte in einer offenen Studie die Zahl der Drang- und Inkontinenz-Episoden, und die Belastung durch die Symptome wurde meßbar reduziert.

Die Anticholinergika unterscheiden sich hauptsächlich in der Häufigkeit ihrer unerwünschten Wirkungen, wie Schultz-Lampel berichtet hat. Das Spektrum reicht von sieben bis 68 Prozent. Auch der Ausprägungsgrad von trockenem Mund, Verstopfung, Sehstörungen, Schwindel, gastrointestinalen Beschwerden und Harnretention ist unterschiedlich.

Denn die Stärke hängt ab von der Spezifität des Anticholinergikums bei seiner Bindung an die verschiedenen Typen von Muskarinrezeptoren. Schultz-Lampel unterstrich, daß das Auftreten von unerwünschten Wirkungen bei Patienten völlig unvorhersehbar sei.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »

Das Brexit-Brimborium

Unser Londoner Blogger Arndt Striegler hat alle Tests bestanden und ist nun britischer Staatsbürger. Doch auch als Passinhaber ist er sich sicher: Die Briten werden nach dem EU-Ausstieg nicht besser dastehen als vorher. mehr »