Ärzte Zeitung, 26.09.2007

Frühchen mit nur 300 Gramm hat überlebt

Baby kam in der 25. Schwangerschaftswoche in Göttingen auf die Welt / Entlassung nach sechs Monaten mit 2,2 Kilo

GÖTTINGEN (pid). Ein kleines medizinisches Wunder ist Ärzten des Göttinger Uniklinikums gelungen: Ein Baby, das bei seiner Geburt im März dieses Jahres nur 300 Gramm wog, kann in den nächsten Tagen nachhause in die Obhut der glücklichen Eltern entlassen werden.

"Es ist das kleinste Baby, das wir hier je hatten", so der Oberarzt der neonatologischen Intensivstation des Klinikums, Dr. Oliver Möller. Die kleine Kimberley kam in der 25. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt auf die Welt. Bei ihrer Geburt war sie 26 Zentimeter groß und hatte einen Kopfumfang von nur 19 Zentimetern. Inzwischen hat sie ohne größere Komplikationen ein Gewicht von über 2,2 Kilo erreicht.

Das Baby ist damit weltweit eines der wenigen Extrem-Frühgeborenen, das mit einem so geringen Geburtsgewicht überlebt und auch keine gesundheitlichen Schädigungen davongetragen hat. Grundsätzlich gehen Mediziner davon aus, dass Frühgeburten mit einem Gewicht von unter 400 Gramm nicht lebensfähig sind. Dass Kimberley alles gut überstanden hat, ist zum einen der modernen Intensivmedizin zu verdanken.

"Die Kinder müssen aber auch ein gewisses Potenzial mitbringen", sagte Möller. Die größte Sorge der Mediziner war, dass sich bei solchen extremen Frühgeburten Hirnblutungen einstellen können. Zu einer solchen Komplikation, die schwere körperliche und geistige Behinderungen nach sich ziehen kann, kam es glücklicherweise nicht.

Allerdings mussten die Mediziner die kleine Kimberley wegen einer Retinopathie an den Augen operieren. Anderenfalls hätte sie erblinden können. Auch dies verlief ohne Komplikationen. Ein weiterer kritischer Punkt war die Lunge. Dank der modernen Beatmungstechniken konnte sich die Lunge jedoch stabilisieren. Allerdings werde auch in den nächsten Wochen noch ein geringer Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff bestehen, sagte der Oberarzt. Außerdem muss das Baby noch teilweise über eine Sonde gefüttert werden. Alles in allem habe sich Kimberley aber hervorragend entwickelt: "Es funktioniert alles erfreulich gut, und das ist keine Selbstverständlichkeit."

Im Perinatalzentrum der Göttinger Universitätsmedizin werden jedes Jahr durchschnittlich 75 Frühgeborene versorgt, die weniger als 1500 Gramm wiegen. Kimberley war dabei mit Abstand das winzigste Frühchen.

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