Ärzte Zeitung online, 08.08.2008

Babywunsch? Sex! Denn künstliche Befruchtung ist kaum erfolgreicher

ABERDEEN (eb). Einige medizinische Verfahren, die ungewollt kinderlosen Paaren zu einem Baby verhelfen sollen, sind offenbar kaum wirkungsvoller als die Versuche solcher Paare, auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Signifikante Unterschiede gab es allerdings bei der Zufriedenheit mit den Methoden.

In einer Studie mit 580 Frauen, die seid mehr als zwei Jahren vergeblich versuchten, schwanger zu werden, wurden per Zufallsprinzip drei Gruppen eingeteilt. Die Frauen der einen Gruppe wurden ermuntert, weiter zu versuchen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.

Eine zweite Gruppe von Frauen erhielt Clomifen oral. Dieses Mittel wird zur Stimulation bei ovarialer Dysfunktion genutzt. Die dritte Gruppe der Frauen erhielt eine intra-uterine Sperma-Einspritzung, ohne dass vorher die Eierstöcke medikamentös stimuliert worden waren (BMJ 337, 2008, a716).

Insgesamt wurden 101 Frauen schwanger und brachten lebende Babys zur Welt. Die Raten der Lebendgeburten unterschieden sich in den Gruppen allerdings nur wenig. Die Lebendgeburt-Rate betrugt in der Gruppe ohne weitere Intervention 17 Prozent, in der Gruppe mit dem Medikament 14 Prozent und in der Gruppe der intra-uterinen Insemination 23 Prozent.

Die Forscher um Professor Siladitya Bhattachary von der Universität Aberdeen sagen, dass die Differenz viel höher hätte sein müssen, um eine der Methoden als überlegen bezeichnen zu können. Die Nebenwirkungensrate (unter anderem Übelkeit, Bauchschmerzen, Flatulenz, Kopfschmerzen, Hitzewallungen) war in der Medikamentengruppe am höchsten. Hier waren bis zu 20 Prozent der Frauen betroffen.

Interessant fanden die Forscher, dass die Frauen in den Gruppen mit der aktiven Therapie insgesamt zufriedener waren als die Frauen ohne Therapie - trotz ähnlicher Lebendgeburt-Raten. Die Forscher schlagen vor, den Nutzen und Einsatz der in Großbritannien gängigen, leitlinengestützten Interventionen bei ungewollter Kinderlosigkeit zu überdenken.

Stichwort Clomifen:

Das Antiöstrogen Clomifen stimuliert indirekt die Sekretion der Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierende Hormon). Clomifen blockiert in der Hypophyse Steroidrezeptoren Zellen, die FSH und LH bilden. Die Rezeptorblockade bewirkt einen Reiz auf die Zellen, wie sonst ein Steroidmangel. Auf diesen Reiz hin schütten sie vermehrt FSH und LH aus, was die Eierstöcke stimuliert (bei Männern die Hoden).

Den Artikel zur Studie steht auf der Internetseite des British Medical Journals unter: http://www.bmj.com/cgi/content/full/337/aug07_2/a716

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