Ärzte Zeitung online, 20.10.2008

Sechslinge in Berlin geboren - alle Kinder sind wohlauf

BERLIN (ble). Sie sind Deutschlands derzeit berühmteste Babys: Die am Donnerstagvormittag per Kaiserschnitt geborenen Berliner Sechslinge. Zwischen 800 und 900 Gramm wogen die vier Mädchen und zwei Jungen bei ihrer Geburt per Kaiserschnitt - alle mit etwa 33 Zentimetern nur wenig größer als ein Din-A4-Blatt.

Bis zur 27. Schwangerschaftswoche schafften es Mutter und Ärzte, die Geburt hinaus zu zögern. Professor Wolfgang Henrich, Leitender Oberarzt der Klinik für Geburtsmedizin für Geburtsmedizin am Charité-Campus Virchow-Klinikum im Berliner Stadtteil Wedding, lobte die Mutter denn auch für ihre hohe Motivation. Trotz potenzieller Risiken, etwa der Gefahr von Thrombosen oder Blutungen, habe sich diese gegen eine Abtreibung entschieden, sagte er auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Danach verlief die Geburt offenbar reibungslos und ohne Komplikationen. "Den Kindern geht es gut. Ihr Zustand ist sehr stabil", sagte Dr. Monika Berns, Oberärztin an der Klinik für Neonatologie am Virchow-Klinikum im Berliner. Auch der Mutter gehe es gut. Ein Team von bis zu zwölf Ärzten und sechs Krankenschwestern kümmerte sich um die neuen Erdenbürger. Sechs Reanimationsplätze standen zur Verfügung, um den Frühgeborenen im Notfall helfen zu können.

Die Geburt selbst war innerhalb einer halben Stunde vorbei, die Mutter wurde per PDA örtlich betäubt, so Henrich. Jetzt sollen die Kinder bis zum normalen Geburtstermin in der Charité bleiben. Ab der 32. Lebenswoche, so Berns, dürfte die größte Gefahren durch die zu frühe Geburt vorbei sein. Hierzu zählen chronische Lungenentzündungen (weltweit entwickeln 15 bis 30 Prozent eine solche Erkrankung) und Hirnblutungen (10-15 Prozent). Die Überlebenschancen für die Sechslinge liegen bei 80 bis 90 Prozent. Positiv: Alle Babys sind etwa gleich entwickelt. Am ersten Tag erhielten sie jeweils zwölfmal einen Milliliter Muttermilch.

Angaben zu Mutter und Vater machten die Ärzte aus Rücksicht auf die Familie nicht. Am Virchow-Klinikum werden jährlich 140 bis 160 Zwillinge, zehn Drillinge und ein bis zwei Vierlinge entbunden. Sechslingsgeburten sind weltweit extrem selten. Die Chance liegt Henrich zufolge bei 1 zu 4,4 Milliarden. "Ich kenne in den Annalen der Charité keine Sechslings-Entbindung", sagte auch Professor Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité.

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