Ärzte Zeitung online, 18.06.2009

Pannen bei künstlicher Befruchtung in Großbritannien

LONDON(dpa). Britische Ärzte haben Embryonen verloren, die aus einer künstlichen Befruchtung stammten. Der betroffene Mann sagte dem BBC-Radio am Mittwoch, der Fehler sei aufgefallen, als die Ärzte in der Universitätsklinik in Cardiff das Paar im Gespräch einem anderen Wohnort zuordnen wollten.

"Wenn die noch nicht mal so was Unkompliziertes wie Dokumentation auf die Reihe kriegen, verheißt das nichts Gutes für die Zukunft", sagte der Mann, der anonym bleiben wollte. "Wir waren am Boden zerstört. Wir hatten unsere Embryonen schon durch das Mikroskop gesehen."

Die Klinik räumte den Fehler, der bereits 2004 passierte, am Mittwoch ein und entschuldigte sich bei dem Paar. In Großbritannien dürfen Embryonen jahrelang gelagert werden. In diesem Fall habe es sich um einen Irrtum der Apparatur gehandelt, sagte ein Sprecher der Uniklinik. Es sei kein menschlicher Fehler gewesen. Das war nicht die einzige Panne bei einer künstlichen Befruchtung.

Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass dieselbe Uniklinik in Cardiff im Labor Embryonen verwechselte (wir berichteten). Ihr Embryo sei vor zwei Jahren irrtümlich in die Gebärmutter einer anderen Frau gepflanzt worden, sagten die Eltern dem Boulevardblatt "Sunday Mail". Als die Ärzte den Fehler bemerkten, hätten sie der Patientin eine Abtreibungspille gegeben, die die Schwangerschaft beendete. Die Klinik habe sich für den Fehler entschuldigt und zahlte 25 000 Pfund Entschädigung (30 000 Euro). Mit dem Geld will das Paar einen weiteren Versuch starten.

   In einem dritten Fall hatte eine weiße, nordirische Frau einen dunkelhäutigen Jungen zur Welt gebracht. Ihr Sohn ist heute zehn Jahre alt. Nach Angaben der "Mail" war dies die erste Panne bei Reagenzglas-Befruchtungen in Großbritannien. Die Eltern wollen nun, da sie merken, dass sie nicht alleine sind, die Gesundheitsbehörden verklagen. Der Fehler im Labor habe beinahe ihre Familie zerstört. "Wir können nicht das Haus verlassen, die Leute starren uns nur an", sagte der 47-jährige Mann aus Belfast. "Meine Frau wurde gefragt, ob sie eine Urlaubsaffäre mit einem Inder gehabt hätte. Öffentlich nimmt sie das gelassen hin, aber privat weint sie oft." In Großbritannien gehen 1,7 Prozent aller Geburten auf künstliche Befruchtungen zurück.

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