Ärzte Zeitung online, 06.10.2017
 

Rhesusfaktor vor Geburt testen

IQWiG legt ersten Bericht vor

Ob die Steuerung der Prophylaxe mithilfe des neuen Rhesusfaktor-Tests Vor- oder Nachteile hat, ist unklar. Das IQWiG bittet um Stellungnahmen zu seinem Vorbericht

IQWIQ legt ersten Bericht vor

Mit einem neuen Rhesusfaktor-Test sollen Föten besser geschützt werden.

© Kaarsten / Fotolia

BERLIN. Ist das Blut einer Schwangeren Rhesus-negativ, das Blut des Fetus aber Rhesus-positiv, kann es sein, dass die Frau Antikörper bildet, die vor allem weiteren Kindern schwer schaden können. Um diese sogenannte Sensibilisierung zu verhindern, bekommen derzeit alle Rh-negativen Schwangeren eine Prophylaxe. Ein neuartiger Test am Blut der Schwangeren kann aber bereits vor der Geburt den Rhesusfaktor des Kindes bestimmen. Sofern der Test hinreichend zuverlässig ist, könnten viele Schwangere auf die Prophylaxe verzichten.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat nun untersucht, ob die Steuerung der Prophylaxe mithilfe dieses Tests Vor- oder Nachteile bietet für die Kinder oder für die werdenden Mütter. Die vorläufigen Ergebnisse liegen nun vor. Demnach gibt es keine Studien, die diese Frage beantworten können. Die Zuverlässigkeit des Tests ist aber hoch. Bis zum 06. November bittet das Institut um Stellungnahmen zu diesem Vorbericht.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der auch für die Ausgestaltung der "Mutterschaftsrichtlinien" verantwortlich ist, will vom IQWiG wissen, ob die Einführung des neuen Tests für Kinder oder Mütter gesundheitliche Vor- oder Nachteile haben kann, also etwa das Auftreten von Blutarmut (hämolytischer Anämie) erhöhen oder das Auftreten von Nebenwirkungen der Prophylaxe vermindert würde.

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG feststellen mussten, gibt es aktuell keine Studien, die präzise Aussagen darüber zulassen, welche Auswirkungen die Einführung des neuen Tests haben könnte.

Blut der Mutter enthält Information über Rhesusfaktor des Fetus

Der Test kann den Rhesusfaktor des Fetus schon vor der Geburt bestimmen. Dabei handelt es sich um ein nicht invasives Verfahren, der Fetus wird also nicht angetastet. Untersucht wird vielmehr sogenannte zellfreie zirkulierende DNA des Fetus aus dem mütterlichen Plasma.

Prinzipiell wird es dadurch möglich, die vorgeburtliche Anti-D-Prophylaxe nur noch jenen Rh-negativen Schwangeren zu geben, deren Fetus laut Pränataltest Rh-positiv ist. Aktuell bekommen 15 Prozent der Schwangeren die Prophylaxe, was etwa 110.000 Schwangeren pro Jahr entspricht. Durch die neuen Tests könnte sich ihre Zahl auf etwa 60.000 reduzieren.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Allerdings bietet kaum ein Test hundertprozentige Sicherheit. Es könnte also sein, dass Frauen ein sogenanntes falsch-negatives Ergebnis bekommen: Der Test weist das Blut des Kindes als Rh-negativ aus, und die Schwangere erhält keine Anti-D-Prophylaxe, obwohl das Kind tatsächlich Rh-positiv ist. Dies würde sich aber erst nach der Geburt herausstellen. Die unterlassene vorgeburtliche Prophylaxe könnte dazu führen, dass mehr Schwangere sensibilisiert und in der Folge Kinder geschädigt werden.

Test sehr zuverlässig

Es gibt aber Studien, die Auskunft darüber geben, wie zuverlässig der Pränataltest den Rhesusfaktor des Kindes bestimmen kann. Die Zuverlässigkeit ist vergleichsweise hoch, Fachleute sprechen von "hoher diagnostischer Güte": Der Test erkennt 99,8 Prozent der Rh-positiven Feten (Sensitivität) und ordnet 98,8 Prozent der Rh-negativen richtig ein (Spezifität). Das bedeutet, dass 0,2 Prozent der Schwangeren, bei denen eine Anti-D-Prophylaxe vor der Geburt angezeigt wäre, diese nicht erhielten, sofern man sich auf das Testergebnis verließe.

Würde der bisherige Bluttest nach der Geburt beibehalten, der Pränataltest also als "Add-on" eingesetzt, würden diese Frauen aber entdeckt und erhielten zumindest die nachgeburtliche Prophylaxe, deren schützende Wirkung unstrittig ist.

Standard-Prophylaxe für alle Rhesus-negativen Schwangeren

Derzeit bekommen alle Rh-negativen Schwangeren eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin. Dieses soll Erythrozyten abfangen, die schon vor der Geburt vom fetalen in den mütterlichen Blutkreislauf übertreten, und so die Sensibilisierung verhindern. Zum Einsatz kommt dabei humanes Anti-D-Immunglobulin, das von sensibilisierten Spendern gewonnen wird. Nach der Geburt wird der Rhesusfaktor des Säuglings bestimmt. Falls sein Blut Rh-positiv ist, erhält die Mutter eine weitere Anti-D-Prophylaxe. (eb)

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