Ärzte Zeitung, 21.01.2004

Effektive Therapie bei bipolar Kranken ist Suchtprävention

HAMBURG (nke). Patienten mit bipolaren Erkrankungen haben häufig auch Begleiterkrankungen wie Panikanfälle, Zwangsstörungen und Eß-Attacken. Ein großes Problem ist auch der Substanzmißbrauch. Durch eine rechtzeitige Therapie ließe sich eine Alkoholsucht aber oft verhindern.

"Vor allem Frauen rutschen durch die Krankheit in die Alkoholsucht", hat Professor Jules Angst aus Zürich berichtet. Das Risiko für Alkoholmißbrauch sei bei Frauen mit bipolarer Erkrankung im Vergleich zu Personen ohne diese Erkrankung um den Faktor sieben, bei Männern um den Faktor fünf erhöht.

Durch frühe Therapie und konsequente Rückfallprophylaxe können Alkoholismus, Suizide und Invalidität verhindert werden, so Angst bei einer Veranstaltung von Lilly in Hamburg. Lilly bietet zur Therapie bei bipolaren Erkrankungen Olanzapin (Zyprexa®) an. Olanzapin ist zur Akuttherapie bei manischen Episoden und seit kurzem auch zur Phasenprophylaxe bei Manisch-Depressiven zugelassen.

Problematisch ist jedoch, daß bipolare Erkrankungen, vor allem mit schweren Depressionen, oft nicht erkannt werden. Der Schweizer Psychiater schätzt, daß etwa die Hälfte der Patienten mit schwerer Depression eine bipolare Erkrankung haben. Sie würden meist erst nach acht bis zehn Jahren erkannt.

Dies verzögere eine Prophylaxe. Auch Hypomanien - mildere Hochs mit Überaktivität, Schlaflosigkeit und enthemmtem Verhalten - würden oft nicht als Symptome einer bipolaren Erkrankung diagnostiziert, da es den Betroffenen in solchen Phasen meist sehr gut geht.

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