Ärzte Zeitung, 28.05.2008

Elektronisches Tagebuch für Bluterkranke

Kleincomputer soll Heimselbstbehandlung sicherer machen / Warnung bei zu hohem Medikamentenverbrauch

BERLIN (wma). Bei der Heimselbstbehandlung von Hämophilie-Patienten hat die Technik Einzug gehalten: Statt Papierdokumentation in Substitutionstagebüchern können die Patienten alle wichtigen Daten in ein handliches elektronisches Tagebuch eintragen. Über diesen Weg haben Patienten auch einen direkten Draht zum behandelnden Arzt im Hämophilie-Zentrum.

Die 1970 eingeführte Heimselbstbehandlung hat den Patienten viele Vorteile gebracht, wie Dr. Wolfgang Mondorf aus Frankfurt am Main sagt. Sie gewährleiste eine rasche Behandlung schon bei drohender Blutung und vermindere dadurch ausgeprägte Blutungskomplikationen und Gelenkschäden sowie lange Krankenhausaufenthalte.

Die Daten werden direkt zum Arzt übertragen.

Die für diese Behandlung geforderte ärztliche Kontrolle durch ein spezialisiertes Zentrum berge aber auch Probleme. Fehlbehandlungen werden bei der Durchsicht des Substitutionsplans oft zu spät oder gar nicht erkannt. Und: Die wiederholten Blutungen in immer wieder das gleiche Gelenk können leicht übersehen werden. Im Notfall sind die Anfahrtswege zum Zentrum oft zu lang. Die Behandlung wird von einem in der Hämophilietherapie unerfahrenen Notarzt übernommen.

Im elektronischen Patiententagebuch Haemoassist™ können Patienten jetzt schnell und einfach Blutungen und Substitutionsgaben dokumentieren. Die Daten werden verschlüsselt über einen Server direkt zum behandelnden Arzt übertragen. Dieser könne sich so jederzeit ein Bild über die Therapie des Patienten machen, berichtete Mondorf auf einer Veranstaltung von Wyeth in Berlin.

Ein wichtiger Bestandteil des Tagebuchs ist die "Reminder"-Funktion: Auf bestimmte Auffälligkeiten - etwa sehr hoher Gerinnungsfaktor-Verbrauch oder wiederholte Blutungen in einem Gelenk - werden Arzt und Patient durch eine E-Mail aufmerksam gemacht. Auch bei einer Krankenhauseinweisung kann der behandelnde Arzt schnell durch Knopfdruck informiert werden.

In Zukunft möchte man möglichst alle Hämophilie-Patienten mit solch einem Gerät ausstatten, sagte Mondorf. Der Haemoassist™ ist 2007 mit dem Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin ausgezeichnet worden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Neuropathie-Test 2.0 – Handy-Vibration ersetzt Stimmgabel

Es genügt ein Handy mit Vibrationsfunktion: An den Fuß eines Diabetespatienten gehalten, zeigt es Forschern zuverlässig an, ob dieser an einer peripheren Neuropathie leidet. mehr »

Pflegerat fordert 50.000 Stellen für die Krankenhäuser

Was hat die Pflegepolitik bewirkt? Die Meinungen sind gespalten: Gesundheitsminister Gröhe lobt die Erfolge der Koalition in der Pflegepolitik. Der Pflegerat hält dagegen. mehr »

Die Therapiekünste eines Kung-Fu-Meisters

Ein Kampfsportler stößt mit seinem Gesundheitskonzept bei Medizinern auf Interesse. Ein Arzt ist sogar geneigt, von einem Wunder nach der Therapie durch Chu Tan Cuong zu sprechen. mehr »