Ärzte Zeitung, 05.12.2016
 

Herzschwäche bei Diabetes

Begünstigen Antidiabetika eine Herzinsuffizienz?

Bis zu zwei Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland leiden gleichzeitig an Diabetes und Herzinsuffizienz. Wie hängen beide zusammen? Das haben mehrere Studien analysiert – die "Ärzte Zeitung" zeigt die Ergebnisse.

Von Prof. Hellmut Mehnert

Begünstigen Antidiabetika eine Herzinsuffizienz?

Welche Verbindung haben Diabetes und Herzschwäche?

© Gerhard Seybert / Fotolia

Diabetes ist ein Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz. Bis zu zwei Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland leiden an beiden Krankheiten gleichzeitig. Die Prognose ist eher ungünstig. Risikofaktoren für Herzinsuffizienz bei Diabetes sind hohe HbA1c-Werte, ein hoher Body-Mass-Index (BMI), fortgeschrittenes Alter, koronare Herzkrankheit, Retino- und Nephropathie sowie angeblich eine Therapie mit hohen Insulindosen in der Vergangenheit.

Begünstigen nun bestimmte Antidiabetika die Entstehung einer Herzinsuffizienz? Das wird bei modernen Präparaten in großen Studien abgeklärt.

Nur ein zufälliges Phänomen

In der SAVOR-Studie mit dem DPP4-Hemmer Saxagliptin ergab sich zwar eine vermehrte stationäre Aufnahme wegen Herzschwäche. Dabei handelt es sich aber wahrscheinlich eher um ein zufälliges Phänomen.

Der DPP4-Hemmer Sitagliptin führte in der TECOS-Studie zumindest nicht zu vermehrten Klinikaufnahmen wegen Herzinsuffizienz.

Interessant sind die Ergebnisse mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin. In der EMPA-REG OUTCOMEStudie mit kardiovaskulären Risikopatienten ergaben sich außer hochsignifikanten günstigen Effekten auf die kardiovaskuläre und die Gesamtmortalität auch eine um 35 Prozent reduzierte Zahl von stationären Aufnahmen wegen Herzinsuffizienz.

Therapieoptionen je nach Stadium

Welche Behandlungsoptionen gibt es für betroffene Diabetiker? Zur pharmakologischen Basistherapie werden entweder eine RAAS-Blockade mit ACE-Hemmern oder Sartanen oder Beta-Blocker empfohlen.

Hinzu kommen im Stadium NYHA II Aldosteron-Antagonisten und / oder Diuretika anderer Art und im Stadium NYHA III Ivabradin. Ausreichende Daten für eine Behandlung mit Digitalispräparaten bei Diabetes und Herzinsuffizienz liegen nicht vor.

Neuere Präparate vom Typ des Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin- Inhibitors (LCZ696) befinden sich in der Prüfung. In einer fortgeschrittenen Stufe der Therapie kommen kardiale Synchronisationstherapien und implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren in Betracht.

Dies wird allerdings nur bei Patienten mit schwerwiegender Herzinsuffizienz und Sinusrhythmus empfohlen sowie bei einer Ejektionsfraktion unter 35 Prozent trotz ausgereizter medikamentöser Therapie und einer Lebenserwartung des Patienten von mehr als einem Jahr.

Kardioverter-Defibrillatoren

Im Hinblick auf implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) unterscheidet man den primären und den sekundär prophylaktischen Einsatz. Zur Primärprophylaxe wird bei Diabetikern ein ICD unter ähnlichen Indikationen verwandt, wie für die Chronisationstherapie.

Die Implantation eines ICD zur Sekundärprophylaxe ist angezeigt bei Patienten mit ventrikulären Arrhythmien und hämodynamischer Instabilität und wiederum bei einer Lebenserwartung von mehr als einem Jahr.

Als Ultima Ratio gibt es schließlich die Herztransplantation, die für Herzinsuffizienz-Patienten im Endstadium (NYHA IV) in Betracht kommt. Ein Diabetes ist dabei in der Regel keine Kontraindikation für die Transplantation.

Eine deutlich erhöhte Sterblichkeit nach Herztransplantation haben aber Patienten mit fortgeschrittenem Diabetes und gleichzeitiger Niereninsuffizienz oder zerebrovaskulären Erkrankungen oder obliterierender Angiopathie der unteren Extremität oder auch mit Adipositas.

Das Fazit: Ebenso wie Diabetes nimmt auch die Herzinsuffizienz bei Diabetes in Deutschland ständig zu. Sie geht bei Zuckerkranken mit einer erhöhten Mortalität einher. Deshalb sind Früherkennung und frühe Therapie dringend geboten.

Eine zu späte kardiale Diagnostik sowie die unzureichende Ausschöpfung der verschiedenen Therapieformen verschlechtern die Prognose dramatisch.

Prof. Hellmut Mehnert widmet sich seit über 50 Jahren den Themen Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden. 1967 hat er das erste Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet. Er ist Träger der Paracelsus-Medaille der Deutschen Ärzteschaft.

[05.12.2016, 09:07:51]
Hartwig Raeder 
Anmerkung
Die Sache ist völlig anders. Herzinsuffizienz ist keine Krankheit, sondern das Symptom aller Herzkrankheiten und zusätzlich das Symptom vieler Extrakardialkrankheiten. Die Herzinsuffizienz definiere ich als zu kleines Pumpvolumen sauerstoffreichen Blutes. Wenn man von der Anämie als Ursache der Herzinsuffizienz absieht, dann ist das Herzzeitvolumen das einzige objektive Maß für die Schwere einer jeden Herzinsuffizienz. Bei Nierengesunden ist die GFR ebenfalls ein Maß für die Schwere einer jeden Herzinsuffizienz. Ein subjektives Maß für die Schwere der Herzinsuffizienz ist die NYHA-Stadieneinteilung. Auch der Allergesündeste hat Stadium NYHA I, nämlich Luftnot bei großen Belastungen. Es gibt keine Herzkrankheit mit dem Symptom einer Leistungssteigerung. Niemals ist das Niereninsuffizienzstadium kleiner als das Herzinsuffizienzstadium.

Im Übrigen zweifele ich an der Existenz einer diabetischen Nephropathie. Zumindest können minimale histologische Nierenveränderungen nicht die Schwere der Niereninsuffizienz vieler Diabetiker erklären. Ursache der Niereninsuffizienz bei Diabetikern sind vielmehr die extrarenalen Folgekrankheiten der Zuckerkrankheit. Das sind die Extrarenalsyndrome nach Wilhelm Nonnenbruch. zum Beitrag »

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