Ärzte Zeitung, 16.03.2005

Bei RLS müssen vier Minimalkriterien erfüllt sein

Die Restless-Legs-Diagnose erfolgt klinisch / Bislang ist nur eine Substanz zur Therapie zugelassen / Mögliche Alternativen

FRANKFURT AM MAIN (bib). Wenn Ziehen, Mißempfindungen oder Bewegungsunruhe in den Beinen den Schlaf stören, kann es sich um ein Restless-Legs-Syndrom (RLS) handeln. Die Diagnose wird klinisch gestellt, Zusatzuntersuchungen dienen vor allem dem Ausschluß sekundärer Formen, wie Dr. Wolfgang Fogel aus Wiesbaden beim Parkinson-Kongreß in Frankfurt am Main berichtet hat. Nach seiner Einschätzung leidet auch ein Teil der hyperaktiven Kinder eigentlich an RLS.

Vier Voraussetzungen müssen für die Diagnose RLS erfüllt sein, hat Fogel bei einem vom Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Satellitensymposium erläutert:

  • Ein Bewegungsdrang der Beine, verbunden mit einem unangenehmen Gefühl, "wie Kopfweh in den Beinen".
  • Die Beschwerden treten im Liegen oder bei längerem Sitzen auf, etwa im Theater oder beim Autofahren.
  • Sie bessern sich fast vollständig durch Bewegung.
  • Die Beschwerden treten am Abend oder in der Nacht auf.

"Ohne diese vier Minimalkriterien hat ein Patient kein RLS", so Fogel. Elektrophysiologische Untersuchungen, MRT oder der polysomnografische Nachweis periodischer Beinbewegungen können individuell angezeigt sein. Fogel: "Jugendliche Patienten sollten alle ins Schlaflabor. Sie brauchen eine lebenslange Therapie, da muß die Diagnose stimmen."

Wichtig ist die Bestimmung von Eisen, Ferritin und Blutbild. Selbst ein subklinischer Eisenmangel ruft oft ein RLS hervor. Andere RLS-Ursachen, etwa Polyneuropathien, Urämie oder Diabetes sind meist offenkundig. Fogel: "Ich habe noch keinen Patienten erlebt, dessen erste Manifestation eines Diabetes mellitus ein RLS war", sagt Fogel.

Bei sekundärem RLS muß der Patient primär wegen der Grundkrankheit behandelt werden. Ansonsten steht als einzige spezifische Therapie bislang nur L-Dopa zur Verfügung. Ein Therapieversuch lohnt sich auch zur Diagnosesicherung, denn meist sprechen Patienten mit RLS - egal ob idiopathisch oder sekundär - sehr gut darauf an.

Hauptproblem der L-Dopa-Therapie ist die Augmentation: Im Laufe der Zeit werden die Beschwerden bei bis zu 80 Prozent der Patienten stärker oder beginnen schon früher am Tag. Mit einer Aufdosierung bekommt man das nicht in den Griff, im Gegenteil.

Fogel: "Generell sollte man Dosierungen über 300 mg täglich vermeiden, sondern dann auf andere Präparate umsteigen." Etwa auf Dopaminagonisten, die länger wirken und seltener zur Augmentation führen. Für Ropinirol, Cabergolin und Pergolid etwa ist die Wirksamkeit bei RLS in klinischen Studien gut belegt. Noch ist ihre Verwendung off-label. Die Zulassung für Ropinirol (als Requip® auf dem Markt) ist aber bereits beantragt.

Als Alternativen bei Versagen der dopaminergen Therapie empfiehlt Fogel Opiate wie Tramadol, Tilidin/Naloxon oder Oxycodon, als dritte Wahl Antiepileptika oder Clonazepam. Bei Schlafstörungen kommen zusätzlich Zolpidem oder Mirtazapin in Frage. Andere Antidepressiva verstärken das RLS. "Also machen Sie nicht den Fehler und geben Amitriptylin!", warnte Fogel.

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