Ärzte Zeitung, 11.10.2005

RLS-Therapie lindert oft auch Depressionen

Viele Patienten mit Restless Legs Syndrom haben psychische Beschwerden / Basistherapie bessert leichte Depressionen

WIESBADEN (ars). Auffallend häufig geht ein Restless Legs Syndrom (RLS) mit Depressionen oder anderen psychischen Auffälligkeiten einher. Bei vielen Patienten bessert sich die Stimmung schon durch die Behandlung mit L-Dopa oder Dopamin-Agonisten. Mit Antidepressiva ist dagegen Vorsicht geboten, denn sie können das RLS verstärken.

In frühen Beschreibungen wurde das RLS als "anxietas tibiarum" bezeichnet und man vermutete, daß dieser Angst psychische Einflüsse zugrunde lägen, so Dr. Magdolna Hornyak aus Freiburg beim Neurologenkongreß in Wiesbaden.

Tatsächlich ziehen sich viele RLS-Kranke aus dem sozialen Leben und von Freunden zurück, werden reizbar, mißmutig oder traurig. Epidemiologischen Studien zu folge kommen psychische Auffälligkeiten bei RLS-Kranken gehäuft vor. So ist die Zwölf-Monats-Prävalenz einer Depression bei ihnen fast dreimal höher als in der übrigen Bevölkerung.

In einer Studie hat Hornyak herausgefunden, daß bei RLS-Kranken somatische Krankheitszeichen der Depression überwiegen: Schlafstörungen, schnelle Ermüdbarkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Reizbarkeit, Ambivalenz, Unzufriedenheit. Die Symptome korrelierten mit der Schwere der Schlafstörung, nicht jedoch mit der Schwere des RLS.

    Bestimmte Antidepressiva können das RLS verstärken.
   

Warum das RLS so häufig mit psychischen Auffälligkeiten einhergeht, sei nicht bekannt, sagte Hornyak bei einem Symposium des Unternehmens Boehringer Ingelheim. Zwar seien psychische Beschwerden allgemein eine häufige Begleiterscheinung chronischer Krankheiten, aber beim RLS könnte zusätzlich eine gemeinsame Pathophysiologie vorliegen, etwa eine dopaminerge Dysfunktion.

Anhaltspunkte für diese Hypothese liefert eine Studie, wonach Dopamin-Agonisten, deren Wirksamkeit bei RLS belegt ist, möglicherweise auch antidepressiv wirken. Allerdings könnte die Depression auch durch die RLS-bedingte chronische Insomnie ausgelöst werden. Denn Personen mit Schlafstörungen haben ein zwei- bis dreifach höheres Risiko für Depressionen als die übrige Bevölkerung, ebenso ein erhöhtes Risiko für andere psychische Erkrankungen wie Angststörungen.

Sind die Depressionen nur leicht ausgeprägt, kann schon die RLS-Therapie die Schlafstörungen und oft auch die Verstimmungen deutlich bessern. Das gilt etwa für Patienten mit klinisch mittelschwer oder schwer ausgeprägtem RLS: Sie bekommen meistens L-Dopa oder Dopamin-Agonisten, die oft die Unruhe der Beine und zugleich die Depressionen lindern.

Leidet ein RLS-Patient jedoch an mittelschwerer oder schwerer Depression, ist eine antidepressive Behandlung notwendig. Doch welche Substanz in diesem Fall am besten geeignet ist, dazu fehlen evidenzbasierte Studien noch völlig, so Hornyak. Bekannt ist jedoch, daß einige Antidepressiva, vor allem SSRI, ein RLS verstärken können.

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